| Cornelia Dölger |
| 23.09.2026 10:30 Uhr |
»Nicht jede Impfung zwingend in einer Arztpraxis«: Unions-Gesundheitssprecherin Simone Borchardt (CDU) kritisiert die Ärzte-Kampagne gegen Apothekenleistungen und ruft zu einem Miteinander der Heilberufe auf. / © Imago/Future Image
»Der Slogan vermittelt den Eindruck, als seien entsprechend qualifizierte Apothekerinnen und Apotheker keine professionellen Leistungserbringer«, kritisierte Borchardt gegenüber der PZ. »Diese Gegenüberstellung hilft uns bei den tatsächlichen Problemen unseres Gesundheitswesens nicht weiter.«
Dass Ärztinnen und Ärzte zentrale Ansprechpartner für Impfberatungen und Impfungen blieben, sei selbstverständlich. Daraus folge aber nicht, dass jede Impfung zwingend in einer Arztpraxis stattfinden müsse. Apotheken hätten mit dem Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) bewusst erweiterte Impfmöglichkeiten bekommen; solche Zusatzangebote hätten den Sinn, Arztpraxen zu entlasten. Dadurch würden mehr Kapazitäten für Tätigkeiten frei, die ausschließlich von Ärztinnen und Ärzten erbracht werden sollten, so Borchardt. Bewusst niedrigschwellige Angebote sollten dazu beitragen, die Impfquoten zu steigern.
Borchardt warnte vor einem Gegeneinander der Gesundheitsberufe. »Wir müssen endlich aufhören, die Gesundheitsberufe gegeneinander auszuspielen.« Die Spaltung sei angesichts des Fachkräftemangels kontraproduktiv.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) trommelt schon lange gegen eine stärkere Einbindung von Apotheken in Prävention und Primärversorgung. Mit der aktuellen Kampagne wirbt sie dafür, Impfungen weiterhin vorrangig in Arztpraxen durchführen zu lassen. Die KBV argumentiert, Diagnostik und Impfungen gehörten aus Gründen der Patientensicherheit in ärztliche Hände.
Noch schärfer äußerte sich Dirk Spelmeyer, Chef der KV Westfalen-Lippe (KVWL). Er warnte davor, ärztliche Leistungen in Apotheken zu verlagern, bezeichnete entsprechende Pläne als Risiko für die Patientensicherheit und sprach sich klar gegen eine Ausweitung diagnostischer Angebote in Apotheken aus.
Die Politik reagierte verstimmt auf den Ärztevorstoß. SPD-Gesundheitssprecher Christos Pantazis sowie Linken-Politiker warnten wie Borchardt davor, Ärzte und Apotheker gegeneinander auszuspielen.