Die KBV-Vorstände Andreas Gassen, Sibylle Steiner und Stephan Hofmeister sind gegen Impfungen und POC-Tests in Apotheken. / © axentis.de / Lopata
Nach dem Willen der Bundesregierung sollen Apotheken in der Primärversorgung und Prävention eine größere Rolle spielen. Aus der verfassten Ärzteschaft gibt es Widerstand dagegen. Zum Welttag der Patientensicherheit haben die KBV-Vorstände Andreas Gassen, Stephan Hofmeister und Sibylle Steiner jetzt noch einmal mit deutlichen Worten nachgelegt.
Diagnostik habe »nichts in Apotheken und Drogerien zu suchen«, heißt es in einer KBV-Mitteilung. »Dortige schnelle To-go-Angebote sind eben nicht vom Profi und führen eher zur Verunsicherung«, meinen die Kassenärzte und warnen vor zusätzlichem Beratungs- und Abklärungsbedarf in den Praxen.
Vor allem bei Impfungen seien niedergelassene Ärztinnen und Ärzte die erste Anlaufstelle. »Es geht eben nicht nur um den Pieks in den Oberarm. Impfen gehört in die Praxis, schon allein unter dem Aspekt der Patientensicherheit«, so die KBV.
Ihre Position wollen die Kassenärzte mit einer Kampagne unter dem Motto ›Impfen beim Profi‹ verdeutlichen. Versicherte sollen dazu aufgerufen werden, sich in einer Arztpraxis gegen Influenza sowie andere Infektionskrankheiten impfen zu lassen und den Impfstatus prüfen zu lassen.
Noch krassere Worte findet Dirk Spelmeyer, Vorstandsvorsitzender der KV Westfalen-Lippe (KVWL): »Wer ärztliche Versorgung weiter auslagert, der riskiert Menschenleben! Um es klar zu sagen: Diagnostik hat in der Drogerie oder in der Apotheke nichts verloren!« Ein Befund ohne »vernünftige ärztliche Einordnung« sei für die Patientinnen und Patienten »völlig wertlos«.
Eine Ausweitung des Angebots in Apotheken bezeichnete Spelmeyer als leichtfertiges Spiel mit der Patientensicherheit. »Und wer glaubt, dass die Apotheken plötzlich zu einer tragenden Säule der Notfallversorgung werden, der irrt!« Der wirtschaftliche Druck auf die Apotheke vor Ort habe durch den Online-Versandhandel zugenommen. »Aber finanzielle Herausforderungen dürfen doch nicht auf dem Rücken der Patienten kompensiert werden. Das sollte eigentlich auch Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann erkennen und solche absurden Entwürfe ad acta legen«, so Spelmeyer.