Mit »Impfen beim Profi« soll auf das Impfangebot der ärztlichen Praxen hingewiesen werden. / © Imago / Sabine Gudath
Neben der ABDA-Impfkampagne »Bei euch piekt’s wohl« startet zum heutigen 1. Oktober auch eine Kampagne der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen). Mit »Impfen beim Profi« soll auf das Angebot der ärztlichen Praxen hingewiesen werden. »Im vergangenen Jahr haben die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen in den Haus- und Facharztpraxen rund 40 Millionen Impfungen verabreicht – davon allein 10,7 Millionen gegen Influenza«, meldet die KBV im Namen der Vorstände Andreas Gassen, Stephan Hofmeister und Sibylle Steiner in einer Pressemitteilung.
Mit der Kampagne machte sich die Ärzteschaft zumindest in Teilen unbeliebt. Beispielsweise stieß das Apotheken-Bashing bei Unions-Gesundheitssprecherin Simone Borchardt (CDU) auf Unverständnis.
Die KV-Berlin verdeutlicht in ihrer zusätzlichen Pressemitteilung, dass die Kampagne eine Antwort auf das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) sei. Der Vorstand betont: »Impfen ist ärztliche Kernaufgabe. Die Politik greift an dieser Stelle stark in bewährte medizinische Strukturen ein und untergräbt die ärztliche Expertise«. Die KV Berlin betont, sie sehe demnach die Patientinnen- und Patientensicherheit gefährdet, sollten ausgebildete Apothekerinnen und Apotheker die Impfungen verabreichen.
Auch hinsichtlich Primärversorgung hat die KV Berlin Bedenken. »Wir brauchen ein Primärversorgungssystem, das die Expertisen der verschiedenen Gesundheitsberufe sinnvoll zusammenbringt«, betont der Vorstand der KV Berlin. Dass einfache Tätigkeiten – Impfen zum Beispiel – ausgesondert werden, damit die Praxen mehr Kapazitäten haben, gehöre demnach nicht zu besagter sinnvoller Zusammenlegung.
Impfungen seien ebenso einfach wie wirksam, allerdings hapere es an der Impfbereitschaft: »Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts werden insbesondere Impfangebote für Menschen ab 60 Jahren zu selten genutzt: So lag die Influenza-Impfquote 2025 in dieser Altersgruppe mit 34 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit 17 Jahren, die Pneumokokken-Impfquote stagniert seit 2020 und liegt bei 21 Prozent«, heißt es in der Pressemitteilung. Allgemein liege demnach unter Erwachsenen keine ausreichende Immunisierung vor.
Auch bei Kindern seien zwar die Impfquoten in vergangenen Jahrzehnten in Deutschland und in der Europäischen Union gestiegen, nun verzeichne man allerdings einen Rückgang. »Mit der aktuellen Kampagne unter dem Motto ›Impfen beim Profi‹ möchten wir deshalb möglichst viele Menschen motivieren, sich jetzt gegen Influenza und andere Infektionskrankheiten in der Arztpraxis impfen zu lassen.«
Die Chance, die Impfquoten durch ein breiteres Impfangebot und einen leichteren Zugang über die Apotheken zu steigern, erkennt die KV Berlin nicht an. »Apotheken sind aus Sicht der KV Berlin wichtige Partner der Praxen und leisten einen wichtigen Beitrag zur sicheren und wohnortnahen Arzneimittelversorgung. Diagnostik, Therapie und medizinische Einschätzung – beispielsweise von Impfentscheidungen – sollten jedoch weiterhin in der ärztlichen Verantwortung bleiben«, mahnt die Berliner Standesvertretung.