| Sven Siebenand |
| 26.08.2026 12:00 Uhr |
ASS? Clopidogrel? DOAK oder vielleicht Phenprocoumon? Hinter dem umgangssprachlichen Sammelbegriff »Blutverdünner« verbirgt sich eine ganze Reihe von Wirkstoffen mit unterschiedlichen Angriffspunkten. / © PZ/KI-generiert
Mancher Patient könnte sich vorstellen, dass sein »Blutverdünner« dafür sorgt, dass das Blut dünnflüssiger durch seine Gefäße strömt. Das ist natürlich nicht der Fall. Die Arzneimittel greifen vielmehr in Prozesse ein, die für die Bildung von Blutgerinnseln verantwortlich sind. Der Begriff »Blutverdünner« fasst dabei vor allem zwei große Gruppen zusammen: Thrombozytenaggregationshemmer und Antikoagulanzien.
Thrombozytenaggregationshemmer bremsen das Zusammenlagern der Blutplättchen. Eine zentrale Rolle spielt Acetylsalicylsäure (ASS). Sie hemmt in Thrombozyten irreversibel die Cyclooxygenase-1 (COX-1) und damit die Bildung von Thromboxan A₂. Da Thrombozyten keinen Zellkern besitzen und das Enzym nicht nachbilden können, hält der Effekt über ihre Lebensdauer an.
Einen anderen Angriffspunkt haben die P2Y₁₂-Rezeptorantagonisten. Zu ihnen gehören Clopidogrel, Prasugrel und Ticagrelor, daneben die heute kaum noch eingesetzte Substanz Ticlopidin sowie der intravenös applizierte Wirkstoff Cangrelor. Sie unterbrechen die ADP-vermittelte Aktivierung der Thrombozyten. Clopidogrel, Prasugrel und Ticlopidin blockieren den Rezeptor irreversibel, Ticagrelor und Cangrelor reversibel.
Eine weitere Klasse bilden die intravenös eingesetzten Glykoprotein-IIb/IIIa-Hemmer, beispielsweise Eptifibatid und Tirofiban. Sie greifen am gemeinsamen Endpunkt verschiedener Aktivierungswege an und verhindern die Fibrinogen-vermittelte Vernetzung aktivierter Thrombozyten. Auch der Wirkstoff Abciximab, dessen Vertrieb vor Jahren eingestellt wurde, zählte zu dieser Gruppe.
Thrombozytenaggregationshemmer sind vor allem bei arteriellen thrombotischen Erkrankungen gefragt. Typische Einsatzgebiete sind das akute Koronarsyndrom sowie die Sekundärprävention nach Herzinfarkt oder ischämischem Schlaganfall. Eine besondere Bedeutung haben ASS und P2Y₁₂-Hemmer nach einer perkutanen Koronarintervention mit Stentimplantation.