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AMK warnt

Biotin-Präparate können Bluttests beeinflussen

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) lässt prüfen, inwiefern die Einnahme Biotin-haltiger Präparate manche klinischen Laboruntersuchungen beeinflusst, zum Beispiel den Troponin-Test zur Herzinfarkt-Diagnose. Darüber informiert jetzt die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK).
Daniela Hüttemann
13.03.2019
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Bereits in der Dezember-Ausgabe des »Bulletins für Arzneimittelsicherheit« hatte das BfArM nach mehreren Fallberichten über die Problematik informiert. Im Januar nahm dann der Pharmakovigilanz-Ausschuss der Europäischen Arzneimittelagentur (PRAC) das Thema auf. Dieser kam zu dem Schluss, dass tatsächlich ein Interferenzrisiko besteht, wenn Personen täglich oral verfügbare Produkte mit Biotin in einer Dosis von mindestens 150 µg aufnehmen. Gleiches gilt für parenterale Präparate mit mehr als 60 µg Biotin pro Dosis. Die Hersteller betroffener Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel müssen nun einen entsprechenden Warnhinweis in die Beipackzettel aufnehmen.

Biotin ist ein B-Vitamin, dass als Coenzym bei der Gluconeogenese, der Lipogenese und beim Abbau einiger Aminosäuren eine wichtige Rolle spielt. »Biotin-haltige Arzneimittel in Dosierung bis zu 10 mg sind unter anderem zur Prophylaxe und Therapie von seltenen Biotin-Mangelzuständen indiziert«, informiert die AMK. Biotin-haltige Nahrungsergänzungsmittel sollen den Stoffwechsel und neurologische Funktionen unterstützen und werden von vielen Menschen eingenommen, um Haut, Haare und Nägel zu stärken.

Darüber hinaus ist Biotin aber auch an Immunoassays beteiligt, die für labormedizinische Untersuchungen eingesetzt werden. »Hier kann exogen zugeführtes Biotin Biointerferenzen verursachen, wenn das System auf einem Biotin-Streptavidin-Testprinzip beruht«, warnt die AMK. Dabei konkurriere das als Arzneistoff aufgenommene Biotin in der Blutprobe mit dem in den Assays enthaltenen biotinylierten Reagenzien um Bindungsstellen. Bei Sandwichassays könne dies zu falsch niedrigen Ergebnissen führen; bei kompetitiven Immunassays könnten falsch erhöhte Ergebnisse verursacht werden.

Relevant ist dies zum Beispiel für Troponin-Tests, die zur Herzinfarktdiagnose eingesetzt werden, aber auch bei der Bestimmung von Estradiol und Schilddrüsenwerten wie Parathormon und TSH. Es liegen Fallberichte vor, bei denen beispielsweise bei einem Patienten in den USA aufgrund falsch negativer Troponin-Werte ein Herzinfarkt nicht erkannt wurde oder TSH-Werte höher waren als vom Test angezeigt.

Was ist nun zu tun? Der PRAC und die AMK empfehlen Apothekern und Ärzten, Patienten, die Biotin einnehmen, auf das Risiko verfälschter Laborergebnisse hinzuweisen. Patienten sollten, wenn entsprechende Tests anstehen, ihren Arzt und der wiederum das Laborpersonal darüber informieren, welches Biotin-Produkt sie in welcher Dosierung anwenden. Gegebenenfalls weist der Arzt den Patient vorher an, das Biotin-Präparat vor der Blutentnahme abzusetzen.

Der PRAC weist darauf hin, dass auch Nahrungsergänzungsmittel für Haut, Haare und Nägel sowie Multivitamin-Präparate betroffen sein können.

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