Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Nahrungsergänzung
-
Biotin kann Laborwerte verfälschen

Haut, Haaren und Nägeln Gutes tun: Wer Biotin einnimmt, hofft oft genau darauf. Bei Blutuntersuchungen kann das Nahrungsergänzungsmittel allerdings zum Problem werden, warnt die Verbraucherzentrale. Wie sich das vermeiden lässt.
Autordpa
AutorPZ
Datum 21.04.2026  12:30 Uhr

Steht eine Blutuntersuchung an, sollte eine Biotin-Einnahme in den zwei bis drei Tagen vor dem Termin pausiert werden. Dazu rät das Portal »Klartext Nahrungsergänzung« der Verbraucherzentralen. Ebenfalls wichtig: der Arztpraxis Bescheid sagen, dass man regelmäßig Biotin einnimmt – am besten welches Präparat in welcher Dosierung.

Durch die Einnahme von Biotin können Labortests verfälscht werden, was im schlechtesten Fall zu falschen oder verzögerten Diagnosen führen kann. Das betrifft insbesondere Untersuchungen von Schilddrüsenhormonen wie Parathormon, Sexualhormonen wie Estradiol und Herz-Kreislauf-Markern wie Troponin, das Aufschluss darüber geben kann, ob ein Herzinfarkt stattgefunden hat.

Vereinfacht gesagt ist das Problem: Einige Labortests machen sich die Bindung von Biotin und einem bestimmten Protein (Streptavidin) zunutze, um die Menge bestimmter Moleküle zu bestimmen. Ist eine größere Menge freien Biotins in der Probe vorhanden, kann das Ergebnis verfälscht werden, so das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Auch einige Point-of-Care-Tests nutzen dieses Testprinzip.

Biotin ist ein B-Vitamin, dass als Coenzym bei der Gluconeogenese, der Lipogenese und beim Abbau einiger Aminosäuren eine wichtige Rolle spielt. Es wird aber auch für Immunassays genutzt. In Biotin-Streptavidin-basierten Tests konkurriert das aufgenommene Biotin in der Blutprobe mit dem in den Assays enthaltenen biotinylierten Reagenzien um Bindungsstellen. Bei Sandwichassays könne dies zu falsch niedrigen Ergebnissen führen, warnte 2019 die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK); bei kompetitiven Immunassays könnten falsch erhöhte Ergebnisse verursacht werden. 

Im Januar 2019 hatte der Pharmakovigilanzausschuss (PRAC) der Europäischen Arzneimittelagentur ein Inteferenzrisiko festgestellt, wenn Personen täglich oral verfügbare Produkte mit Biotin in einer Dosis von mindestens 150 µg aufnehmen. Gleiches gilt für parenterale Präparate mit mehr als 60 µg Biotin pro Dosis. Die Hersteller wurden daraufhin verpflichtet, entsprechende Hinweise in die Gebrauchsinformationen aufzunehmen. Ein Rote-Hand-Brief folgte im Mai 2019.

Die Verbraucherzentralen bewerten übrigens die Studienlage zu Biotin zur Haut- und Haargesundheit als schwach. Die festigende Eigenschaft bei Nägeln bleibe wissenschaftlich unbelegt.

Mehr von Avoxa