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Sturzgefahr im Alter
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Bewegung ist die beste Medizin

Als Auslöser für Stürze bei Senioren sind Arzneimittel nicht zu unterschätzen. Das Apothekenteam kann den Medikationsplan prüfen und auf kritische Wirkstoffe hinweisen. Auch die Anpassung des Wohnraums und vor allem Training helfen älteren Menschen, wieder sicherer auf den eigenen Beinen zu stehen.
AutorKontaktNicole Schuster
Datum 14.05.2021  11:00 Uhr

Immer weitertrainieren

»So schlimm Stürze und ihre Folgen auch sind: Völlig verhindern lassen sie sich nicht«, sagt Karin Deseive vom Regionalverband Südost des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK) in München gegenüber der PZ. Solange sich ältere Menschen selbstständig bewegen, besteht das Risiko, dass sie auch mal hinfallen. »Fixierung scheint zwar das Fallrisiko zu senken, erhöht aber tatsächlich die Gefahr einer Verletzung.« Außerdem ist Fixierung eine freiheitsentziehende Maßnahme, die nur im Notfall gerechtfertigt ist und im Einzelfall genehmigt werden muss.

Um der Sturzgefahr entgegenzuwirken, seien im Gegenteil Bewegung und gezieltes Training essenziell. »Viele Seniorenbegegnungsstätten und Heime bieten Programme zur Bewegungsförderung an«, erklärt die Sprecherin vom DBfK. Auch Volkshochschulen oder Vereine bringen Senioren in Bewegung.

Am besten geeignet ist ein an die individuellen Möglichkeiten angepasstes Kraft- und Bewegungstraining, um Gleichgewicht, Muskelkraft und Reaktionsvermögen zu stärken. »Wer einen Pflegegrad bewilligt bekommen hat, kann darüber auch Leistungen wie eine Begleitung zum Spazierengehen anfordern«, informiert Deseive. »Ansonsten Nachbarn oder Bekannte fragen, ob man gemeinsam ein paar Schritte gehen kann.«

Sicherheit in den eigenen vier Wänden erhöhen

Wichtig ist, die Umgebung so sicher wie möglich zu gestalten. Zugestellte Flure, herumliegende Stromkabel, lose Teppiche und andere offensichtliche Stolperfallen sollten beseitigt werden. Dabei können Ergotherapeuten helfen. »Wichtig ist bei allen Veränderungen das richtige Augenmaß«, sagt Deseive. »Ältere Menschen, vor allem Demenzkranke, kann es stark verunsichern, wenn sich in ihrem Umfeld etwas verändert. Das kann dann erst recht Stürze provozieren.«

Eine weitere Maßnahme besteht darin, die Beleuchtung zu verbessern und schummrige Ecken aufzuhellen. Angehörige sollten die Patienten ermutigen, rutschfeste Schuhe mit niedrigem Absatz zu tragen (23). »Schuhwerk, das offen oder abgetreten ist oder einen höheren Absatz hat, aber auch Barfußgehen erscheinen auf den ersten Blick eher ungeeignet. Es kann aber sein, dass sich Senioren so am wohlsten fühlen und dann auch am gangsichersten sind«, erklärt die Expertin. Eine individuelle Beratung ist das A und O.

Schließlich können Hilfsmittel wie Protektoren für Hüfte und Kopf, Gehstöcke oder ein Rollator die Sturzangst reduzieren und die Mobilität fördern. »Hierbei sollten Betreuer darauf achten, dass die Hilfsmittel zum älteren Menschen passen und richtig eingestellt sind«, rät Deseive. Haltegriffe in Bad und Toilette können für mehr Sicherheit in den eigenen vier Wänden sorgen, ebenso ein Notfallknopf, über den ältere Menschen bei Bedarf schnell Hilfe rufen können.

Schlussendlich ist alles geeignet, was die Mobilität fördert. »Bewegung ist die beste Medizin gegen Stürze«, bestätigt Deseive.

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