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Sturzgefahr im Alter
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Bewegung ist die beste Medizin

Als Auslöser für Stürze bei Senioren sind Arzneimittel nicht zu unterschätzen. Das Apothekenteam kann den Medikationsplan prüfen und auf kritische Wirkstoffe hinweisen. Auch die Anpassung des Wohnraums und vor allem Training helfen älteren Menschen, wieder sicherer auf den eigenen Beinen zu stehen.
AutorKontaktNicole Schuster
Datum 14.05.2021  11:00 Uhr

Psychopharmaka erhöhen Risiko für Hüftfrakturen

Auch Psychopharmaka bergen Gefahren. Vor allem trizyklische Antidepressiva stehen in Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für Hüftfrakturen (14). SSRI sind nicht unbedingt eine bessere Alternative für Senioren, denn auch hier gibt es Hinweise auf ein erhöhtes Sturzrisiko (15, 16).

Viele ältere Menschen bekommen Antipsychotika verschrieben. Ziel ist es, verwirrte agitierte Senioren und auch Demenzkranke zu beruhigen. Kritisch sind anticholinerge und sedative Effekte sowie extrapyramidale Nebenwirkungen wie Spätdyskinesien und Parkinsonismus. Für einige Substanzen wie Haloperidol besteht ein erhöhtes Risiko für Hüftfrakturen (14).

Hypoglykämien und Kreislaufprobleme

Auch Langzeitmedikationen wie Antidiabetika oder Antihypertensiva können dazu führen, dass Senioren häufiger stürzen (Tabelle 2). Bei Antidiabetika sollte das Apothekenteam vor allem an das Hypoglykämie-Risiko denken. Folgen können kardiovaskuläre Komplikationen, Schwindel und Bewusstlosigkeit, Krampfanfälle und Koma sein (17, 18). In den USA empfehlen Geriater daher, den Zielwert für HbA1c an die Lebenserwartung der älteren Patienten anzupassen und diesen je nach körperlichem Allgemeinzustand weniger streng einzustellen. Bei Diabetes-Patienten in sehr schlechter Verfassung schlagen sie einen Ziel-HbA1c unter 8,5 Prozent vor. Niedrigere Zielwerte machen den US-Amerikanern zufolge nur dann Sinn, wenn sich diese ohne wiederkehrende, schwere Hypoglykämien erreichen lassen (19, 18).

Bei älteren Menschen scheinen Antihypertensiva das Risiko für schwere Stürze zu erhöhen. Darauf wiesen Autoren einer US-amerikanischen Studie 2014 hin. Besonders gefährdet waren Senioren, die bereits einen Sturz in der Vorgeschichte hatten (20). Der Kausalitätszusammenhang erscheint plausibel: Ein zu starker Abfall des Blutdrucks begünstigt Kreislaufprobleme und orthostatische Dysregulation. Zudem können Blutdruckschwankungen im Alter nicht mehr so gut ausgeglichen werden.

Besonders zu beachten sind Diuretika. Sie können Patienten zu häufigeren, überhasteten Toilettengängen verleiten. Ein weiteres Problem tritt vor allem in der warmen Jahreszeit auf. »Senioren, die häufig wenig trinken, entwickeln bei höheren Temperaturen schnell Hyponatriämien, wenn sie Diuretika einnehmen«, erklärt Heppner. Der Natriummangel äußert sich mit Symptomen wie Schwindel, niedrigem Blutdruck und Orthostase-Reaktionen – alles Faktoren, die zu Stürzen führen können. Fixkombinationen von Diuretika mit anderen Antihypertensiva sind daher für Ältere in der Regel nicht ideal (21).

Das Apothekenteam sollte Betroffene erinnern, immer ausreichend zu trinken und regelmäßig den Blutdruck zu messen. Änderungen der Medikation oder Dosisanpassungen sind mit dem Arzt zu besprechen.

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