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Sturzgefahr im Alter
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Bewegung ist die beste Medizin

Als Auslöser für Stürze bei Senioren sind Arzneimittel nicht zu unterschätzen. Das Apothekenteam kann den Medikationsplan prüfen und auf kritische Wirkstoffe hinweisen. Auch die Anpassung des Wohnraums und vor allem Training helfen älteren Menschen, wieder sicherer auf den eigenen Beinen zu stehen.
AutorKontaktNicole Schuster
Datum 14.05.2021  11:00 Uhr

Im Alter gebrechlicher

Für den Großteil der Stürze sind jedoch intrinsische Faktoren verantwortlich. Dazu zählen sämtliche altersbedingten körperlichen Veränderungen wie Haltungsstörungen, muskuläre Defizite, Sarkopenie, Verschlechterung des Balancereflexes, Seh- und Hörstörungen sowie eine zunehmende Gebrechlichkeit (Frailty). Arzneimittel und deren Nebenwirkungen können diese Probleme verstärken.

Eine Vielzahl von Krankheiten erhöht die Sturzgefahr weiter (6). Beispielsweise beeinträchtigen Katarakt, Glaukom oder eine Makuladegeneration das Sehvermögen. Patienten, die unter starkem Schwindel leiden, haben eine schlechtere Balancefähigkeit. Das Gangbild verändert sich durch Krankheiten wie ein Parkinson-Syndrom oder infolge eines Schlaganfalls. Arthrose, Muskelschwäche, Fußdeformitäten oder Gefühlsstörungen der Füße (periphere Polyneuropathie) wiederum beeinträchtigen den Bewegungsapparat, während die orthostatische Hypotonie zu Problemen wie kurzzeitiger Bewusstlosigkeit (Synkope) führen kann (Tabelle 1). Fehl- und Unterernährung verschärfen das Problem.

Erkrankungen und Zustände Beispiele
neurologische Störungen Schlaganfall, Parkinsonismus und andere Bewegungsstörungen, Gangstörungen, vestibuläre Störungen (Gleichgewichtsprobleme), Demenz, Delirium
Störung des Bewegungsapparats Arthrose, Gelenkdeformitäten, Kyphose (Krümmung der Wirbelsäule), Muskelschwäche, podologische Erkrankungen
sensorische Anomalien Sehbehinderung, Schwerhörigkeit, periphere Neuropathie
Herz-Kreislauf-Erkrankungen orthostatische Hypotonie, Arrhythmien, Synkope
chronische Erkrankungen Anämie, Diabetes mellitus, Lungenerkrankungen, Schlafstörungen, Depression
weitere Gründe Polypharmazie (vier und mehr Medikamente), Alkoholkonsum, kürzliche Hospitalisation
Tabelle 1: Erkrankungen und weitere Faktoren als Sturzursachen (23)

Grunderkrankungen können Stürze nicht nur mitbedingen, sondern auch deren Folgen verschlimmern. Osteoporose-Patienten können sich bei einem Sturz mehrere der porösen Knochen brechen. Bei Diabetes können Wundheilungsstörungen den Genesungsprozess verzögern. Gebrechliche Menschen liegen nach einem Sturz mitunter mehrere Stunden in der Wohnung, da sie allein nicht mehr aufstehen können (5, 7, 8). Dies kann ein Sturzangst-Syndrom fördern, das die Genesung und Rehabilitation erschwert.

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