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Apotheken in der Coronavirus-Pandemie

Belgien: Apotheken verteilten Masken an alle

In Teil 4 der Mini-Serie »Apotheken in der Coronavirus-Pandemie« wird die Situation der Pharmazeuten in Belgien erläutert. Dort spielen die Apotheker insbesondere bei der Durchführung der Coronavirus-Tests eine Rolle. Auch Masken verteilten die Pharmazeuten dort im Auftrag der belgischen Regierung.
Charlotte Kurz
05.01.2021  18:00 Uhr

Rund 11,5 Millionen Einwohner leben in unserem Nachbarland Belgien. Die Coronavirus-Pandemie traf das Land im vergangenen Jahr besonders hart. Rund 20.000 Menschen sind dort bislang an Covid-19 gestorben. Im Vergleich zu den knapp 35.000 Todesfällen in Deutschland (rund 83 Millionen Einwohner) ist unser Nachbarland umgerechnet auf die Einwohnerzahl von der Pandemie um einiges stärker betroffen.

Um die Pandemie einzudämmen, spielt die richtige Teststrategie eine große Rolle. Sowohl in Großbritannien als auch in der Schweiz dürfen Pharmazeuten gegen Covid-19 testen. Sowohl PCR-Tests als auch Point of Care (PoC) Tests, wie beispielsweise Antigenschnelltests, dürfen die Apotheken dort in ihrer Offizin durchführen. In Belgien spielen die Apotheker bei der Teststrategie ebenfalls eine wichtige Rolle. Allerdings gilt hier eine Sonderregelung. Laut belgischem Gesetz dürfen Apotheker nicht in ihren Offizinen testen, sondern lediglich beispielsweise in Testzentren mithelfen, Proben zu entnehmen und zu sammeln. Dies gelte aber nicht nur für Pharmazeuten, sondern auch für weiteres Personal des Gesundheitswesens, erklärte ein Sprecher des belgischen Apothekerverbands Association Pharmaceutiqe Belge (APB) auf Nachfrage der PZ. Demnach dürfen Apotheker auf Covid-19 testen, wenn sie von einem Arzt entsprechend geschult worden sind. Zusätzlich müssen die Tests, die von einem Apotheker durchgeführt werden, von einem Arzt angewiesen werden. Zwar forderten die Apothekerverbände APB und Ophaco Anfang November einen niedrigschwelligen Zugang in der Apotheke für alle asymptomatischen Personen, die sich auf SARS-CoV-2 testen lassen wollen. Diese Forderung verlief jedoch im Sande, Apotheker dürfen in Belgien in der eigenen Offizin nicht auf das Coronavirus testen.

In Deutschland verteilen die Apotheker seit Mitte Dezember FFP2-Masken an Risikopatienten, bezahlt werden die Masken vom Bund. In Belgien hat es bereits im Sommer eine ähnliche Maskenaktion gegeben, allerdings nicht mit Atemschutzmasken wie FFP2-Masken, die den Träger vor einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 schützen soll, sondern mit alltagsüblichen Mund-Nasen-Bedeckungen. Da auch in Belgien an vielen Orten des öffentlichen Lebens, wie beispielsweise im öffentlichen Nahverkehr die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung besteht, verteilte die Regierung ebendiese an die Einwohner. In dieser Strategie waren ähnlich wie in Deutschland die Apotheker mit eingebunden. Demnach konnten die Stoffmasken ab dem 15. Juni in den Apotheken vor Ort abgeholt werden. Pro Einwohner war eine kostenlose Stoffmaske aus wasch- und wiederverwendbarem Material vorgesehen. Apotheker überprüften die Abgabe der Masken per Ausweis. Zwar sah die Regierung die Masken für alle Bewohner Belgiens vor, allerdings erfolgte die Verteilung der Masken stufenweise. Zuerst sollten die Über-75-Jährigen die Masken abholen können. Nach und nach durften auch Jüngere in die Apotheken, um die Masken zu erhalten. Diese gestaffelte Abgabe war jedoch in kurzen Zeitabständen geregelt, ab Ende Juni waren die Masken demnach für alle Belgier zugänglich.

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