»Für die meisten Menschen bleibt eine Infektion unbemerkt oder mild. Ältere Menschen und immungeschwächte Personen können jedoch schwer erkranken«, so Jelinek. Etwa jede fünfte infizierte Person entwickle Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit oder Hautausschlag. Etwa eine von 100 Personen erkranke schwer, etwa an Meningitis oder Enzephalitis.
»Wenn Patientinnen und Patienten im Spätsommer nach Aufenthalt in betroffenen Regionen mit unklarem Fieber, Hautausschlag oder neurologischen Symptomen in die Praxis kommen, sollte West-Nil-Fieber differenzialdiagnostisch mitgedacht werden«, rät Jelinek. »Das gilt nach Reisen nach Südeuropa oder in die USA, zunehmend aber auch nach Aufenthalten in betroffenen deutschen Regionen.«
Akute West-Nil-Infektionen sind meldepflichtig. In den ersten Krankheitstagen könne eine RT-PCR aus Blut oder Liquor sinnvoll sein, später stünden serologische Verfahren im Vordergrund, informiert das CRM. Wegen möglicher Kreuzreaktionen mit anderen Flaviviren oder Impfungen könne eine bestätigende Spezialdiagnostik nötig sein.
Eine spezifische antivirale Therapie gibt es derzeit nicht, daher kann nur symptomatisch behandelt werden. Auch gibt es bislang keine Impfung gegen West-Nil-Viren. Entscheidend bleibe dem CRM zufolge daher die Expositionsprophylaxe, also konsequenter Mückenschutz in den betroffenen Regionen: lange, helle Kleidung, Repellents, Insektenschutzgitter, Moskitonetze sowie geschlossene Räume am Abend und in der Nacht. Zudem sollte stehendes Wasser im Wohnumfeld, zum Beispiel auf Blumentopfuntersetzern oder in Planschbecken, entfernt werden, und Regentonnen sind geschlossen zu halten.