Meist verläuft eine West-Nil-Virusinfektion mild oder unbemerkt. Vor allem Ältere und Immungeschwächte können jedoch Fieber, Hautausschlag oder neurologische Symptome entwickeln. Bei Letzteren sollte man unbedingt zum Arzt gehen. / © Getty Images/SeizaVisuals
In diesem Jahr wurden in Europa bis zum 5. August bereits 241 lokal erworbene West-Nil-Fieber-Infektionen gemeldet. Betroffen sind 59 Gebiete in sieben europäischen Ländern. Am stärksten betroffen ist Italien mit 36 Gebieten und auch den meisten Fällen (94), gefolgt von Griechenland (neun Gebiete, 42 Fälle mit vier Toten) und Spanien mit nur zwei Gebieten, aber gleich 16 Fällen in Sevilla. Deutschland verzeichnet bislang eine bestätigte Infektion im Rhein-Pfalz-Kreis. Am stärksten betroffen ist bislang Anatoliki Attiki in Griechenland mit 34 Fällen. Neben Italien, Griechenland und Spanien sind auch Frankreich, Rumänien und Nordmazedonien betroffen.
»West-Nil-Fieber ist derzeit eines der wichtigsten saisonalen Infektionsthemen in Europa«, sagt Professor Dr. Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin, Düsseldorf. Das CRM betont, dass das Virus auch in Deutschland heimisch geworden ist. Seit 2018 sei das Virus hierzulande bei Vögeln und Pferden nachgewiesen worden, seit 2019 auch bei lokal infizierten Menschen. Die Schwerpunkte lagen bisher vor allem in Ostdeutschland, informiert das CRM, einzelne Nachweise in weiteren Bundesländern zeigten jedoch, dass sich Risikogebiete verändern können. West-Nil-Viren werden vor allem durch Culex-Arten übertragen, zu denen auch die heimische Gemeine Hausmücke (Culex pipiens) zählt.
dpa / In Griechenland hat sich die Zahl der Infektionen mit dem West-Nil-Virus innerhalb von rund zwei Wochen mehr als verdoppelt. Bis zum 12. August wurden landesweit 110 Fälle registriert, wie die Gesundheitsbehörde EODY mitteilte. Ende Juli waren es noch 42 Fälle. Neun Menschen starben durch die Infektion. Alle Verstorbenen waren über 65 Jahre alt.
Bei 81 Betroffenen entwickelte sich eine schwere Erkrankung des zentralen Nervensystems, darunter Enzephalitis, Meningitis oder andere neurologische Komplikationen. Nach Angaben der EODY wurden Fälle vor allem im Großraum der Hauptstadt Athen festgestellt.
»Für die meisten Menschen bleibt eine Infektion unbemerkt oder mild. Ältere Menschen und immungeschwächte Personen können jedoch schwer erkranken«, so Jelinek. Etwa jede fünfte infizierte Person entwickle Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit oder Hautausschlag. Etwa eine von 100 Personen erkranke schwer, etwa an Meningitis oder Enzephalitis.
»Wenn Patientinnen und Patienten im Spätsommer nach Aufenthalt in betroffenen Regionen mit unklarem Fieber, Hautausschlag oder neurologischen Symptomen in die Praxis kommen, sollte West-Nil-Fieber differenzialdiagnostisch mitgedacht werden«, rät Jelinek. »Das gilt nach Reisen nach Südeuropa oder in die USA, zunehmend aber auch nach Aufenthalten in betroffenen deutschen Regionen.«
Akute West-Nil-Infektionen sind meldepflichtig. In den ersten Krankheitstagen könne eine RT-PCR aus Blut oder Liquor sinnvoll sein, später stünden serologische Verfahren im Vordergrund, informiert das CRM. Wegen möglicher Kreuzreaktionen mit anderen Flaviviren oder Impfungen könne eine bestätigende Spezialdiagnostik nötig sein.
Eine spezifische antivirale Therapie gibt es derzeit nicht, daher kann nur symptomatisch behandelt werden. Auch gibt es bislang keine Impfung gegen West-Nil-Viren. Entscheidend bleibe dem CRM zufolge daher die Expositionsprophylaxe, also konsequenter Mückenschutz in den betroffenen Regionen: lange, helle Kleidung, Repellents, Insektenschutzgitter, Moskitonetze sowie geschlossene Räume am Abend und in der Nacht. Zudem sollte stehendes Wasser im Wohnumfeld, zum Beispiel auf Blumentopfuntersetzern oder in Planschbecken, entfernt werden, und Regentonnen sind geschlossen zu halten.