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Chloroquin und Hydroxychloroquin

Bei Covid-19 tatsächlich schädlich?

Dass es unter den aktuellen Umständen durchaus schwierig ist, eine aussagekräftige Studie mit Hydroxychloroquin aufzulegen, zeigt eine weitere Publikation, die jetzt im »New England Journal of Medicine« erschien (DOI: 10.1056/NEJMoa2016638). Eine Gruppe um Professor Dr. David Boulware von der University of Minnesota untersuchte darin in einem randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Design, ob Hydroxychloroquin bei Personen, die ohne Mund-Nasen-Schutz mindestens zehn Minuten lang im Abstand von weniger als 6 Fuß (1,8 m) Kontakt mit einem SARS-CoV-2-Infizierten hatten, eine Covid-19-Erkrankung verhindert.

Die Teilnehmer, die vorwiegend über soziale Medien rekrutiert worden waren, sollten die Hydroxychloroquin- oder Placeboeinnahme innerhalb von vier Tagen nach einem solchen Kontakt beginnen. Im Laufe der folgenden 14 Tage entwickelten 49 von 414 Probanden in der Verumgruppe Covid-19-artige Symptome (11,8 Prozent) und in der Placebogruppe 58 von 407 (14,3 Prozent). Der absolute Unterschied von 2,4 Prozentpunkten war nicht statistisch signifikant, weshalb die Autoren den Schluss ziehen, dass diese Form der Postexpositions-Prophylaxe mit Hydroxychloroquin keinen Schutz vor einer Covid-19-Erkrankung bietet.

Damit sind jedoch bei Weitem noch nicht alle offenen Fragen zum präventiven Einsatz von Hydroxychloroquin beantwortet, betont Professor Dr. Myron Cohen von der University of North Carolina at Chapel Hill in einem begleitenden Editorial (DOI: 10.1056/NEJMe2020388). Neben methodischen Schwächen der Untersuchung, die deren Autoren selbst eingeräumt hätten, sei auch fraglich, ob das Malariamittel in dieser Studie nicht ganz einfach zu spät gegeben worden sei. Cohen verweist auf eine kleine Studie mit Mäusen, in der Hydroxychloroquin durchaus eine Infektion oder auch eine schwere Covid-19-Erkrankung verhindert habe, aber nur, wenn es kurz nach oder sogar noch vor einer Infektion gegeben worden sei. Die Ergebnisse von Boulware und Kollegen seien »eher provokant als definitiv« und das wahre Potenzial des Arzneistoffs für die Prävention von Covid-19 somit weiter ungeklärt, schließt Cohen.

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