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Urtikaria
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Auslöser finden, vermeiden und behandeln

Der ganze Oberkörper übersät mit roten Quaddeln, dazu ein fieser Juckreiz: So kann sich eine Nesselsucht (Urtikaria) zeigen. Was löst sie aus? Und was hilft Betroffenen?
AutorKontaktdpa
Datum 27.02.2026  15:00 Uhr

Was hilft bei akuter Nesselsucht?

Gut ist natürlich zu wissen, was die Erkrankung ausgelöst hat. Arzt oder Ärztin stellen dazu Fragen, um mögliche Trigger herauszufinden. Gleichzeitig müssen die Symptome gelindert werden, um aus dem Teufelskreis des Juckreizes herauszukommen. Denn Kühlen oder Ähnliches hilft bei Nesselsucht kaum. Das Mittel der Wahl sind sogenannte Antihistaminika. Eine Salbe hilft nur ungenügend, hilfreicher sind Tabletten oder Tropfen. »Meistens steht auf dem Beipackzettel: «eine Tablette täglich»«, sagt Ulrich Ohnemus. »Das reicht bei einer Urtikaria meist nicht aus, deshalb kann man auch über den Tag verteilt bis zu vier Tabletten nehmen.«

Manchmal ist auch eine Kombination mehrerer Antihistaminika erforderlich – hier sollte man aber nicht auf eigene Faust experimentieren, sondern Rücksprache mit Arzt oder Ärztin halten. Als nächste Stufe können vorübergehend Corticoide zum Einsatz kommen. »In sehr seltenen, extrem akut ausgeprägten Formen muss man Cortison auch intravenös geben«, sagt der Dermatologe. »Das gilt vor allem bei Gesichtsschwellungen, dem Angioödem, wenn man schon ein Kloßgefühl im Hals hat.«

Was kann man tun bei chronischer Urtikaria?

Zuerst einmal sind auch hier Antihistaminika und gegebenenfalls vorübergehend Corticoide angeraten. »Antihistaminika kann man bedenkenlos dauerhaft einnehmen«, sagt Hautarzt Ohnemus. Anders sieht es bei Cortison-Tabletten aus. Für Fälle, die mit Antihistaminika und gelegentlichem Cortison nicht beherrschbar sind, stehen andere Arzneimittel zur Verfügung.

»Seit einigen Jahren gibt es Antikörpertherapien mit einem sogenannten IgE-Antikörper, Omalizumab«, sagt Ohnemus. »Dabei behandelt man die Urtikaria mit einer Immuntherapie mittels Spritzen.« Demnächst könnte auch erstmals ein Kinasehemmer bei chronisch rezidivierender Urtikaria auf den Markt kommen. Remibrutinib von Novartis hat just am heutigen Freitag eine Zulassungsempfehlung der Europäischen Arzneimittelagentur bekommen.

Gerade die chronischen Formen der Nesselsucht sind psychisch belastend. Hier kann Sonja Lämmel zufolge der Austausch mit anderen helfen, etwa in einer Selbsthilfegruppe. Zudem können chronisch an Nesselsucht Erkrankte psychologische Beratung suchen, wie sie unter anderem auch der DAAB anbietet. »Es geht einfach darum, in Krisenzeiten mit jemandem zu sprechen, und vielleicht individuell kleine Hilfen zu erarbeiten, die den Alltag gestaltbarer und die Situation nicht so belastend machen«, so Lämmel.

Spezielle Diäten sind nicht unbedingt sinnvoll – außer, es gibt einen begründeten Verdacht, dass ein Nahrungsmittel der Auslöser für die Nesselsucht sein könnte. Nach Ansicht von Ernährungswissenschaftlerin Lämmel schieben Patienten und Patientinnen eine Nesselsucht oft zu schnell auf die Ernährung. »Genug Studien haben ergeben, dass die Ernährung wirklich nur bei einem winzigen Teil der Patienten eine Rolle spielt«, sagt sie. Zu schnell könne man in einen Diätenwahn geraten und immer mehr Dinge weglassen, ohne dass es hilft. 

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