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Schatten und Licht

22.12.2015  09:13 Uhr

So viel ist sicher: Das Jahr 2015 hat keine Chance, Lieblingsjahr der Apotheker in Deutschland zu werden. Ein Katastrophenjahr war 2015 für die meisten Apotheker zwar nicht, dennoch dominiert der Schatten das Licht.

 

Vor allem die ökonomische Entwicklung der vergangenen zwölf Monate hat den Apothekern keine Freude gemacht. Es bleibt bei dem vor mehr als drei Jahren festgesetzten 8,35 Euro Fixhonorar. Bis zur Bundestagswahl 2017 wird sich daran nichts ändern, weil Bundesgesundheitsminister ­Hermann Gröhe sich fast zwei Jahre dafür Zeit nehmen will, den dringend benötigten Anpassungsmechanismus für das Fixhonorar zu überarbeiten. Eine erfreuliche Perspektive sieht anders aus. Das Plus an Arzneimittel­packungen im Jahr 2015 und eventuell mehr Honorar für Rezepturen im Jahr 2016, sind da nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

 

Der Gesundheitsminister hat sich bei den Apothekern noch weitere Minus­punkte eingehandelt. Kaum nachvollziehbar ist dabei die ebenso sinnfreie wie strikte Weigerung, die Apotheker am Medikationsplan über Marginalien hinaus zu beteiligen und ihnen eine Honorierung zu versagen. Es stört ihn nicht, dass Apotheker, Ärzte, Gesundheitsexperten der Bundesländer und Bundestagsabgeordnete diese Entscheidung für falsch halten. Ähnlich sieht es bei der Berufsordnung der Apotheker aus. Die Bundesländer hatten eine weite Definition des Apothekerberufs gefordert. Gröhe beharrte auf einer engen Variante mit der Konsequenz, dass sich viele Pharmazeuten darin nicht wiederfinden.

 

Die Politik war den Apothekern gegenüber im Jahr 2015 nur dann aufgeschlossen, wenn es nicht um Geld ging. Licht gab es nur dort, wo es nichts kostet. Ökonomisch war das der Gau. Der Wert stabiler Rahmenbedingungen lässt sich aber kaum unterschätzen. Im Vergleich zur Situa­tion vor einigen Jahren hat sich das regulatorische Umfeld für die Apotheken deutlich verbessert. Fremd- und Mehrbesitz erscheinen bis auf Weiteres ebenso weit weg wie die Freigabe der Rx-Preise oder die Aufhebung der Apothekenpflicht für die Selbstmedikation.

 

Mehr als eine durchwachsene Bilanz kann 2015 also nicht vorweisen. Schön, wenn 2016 deutlich mehr Licht zu bieten hätte. Dazu sollte es mit ARMIN und den zahlreichen regionalen AMTS-Projekten vorangehen. Eine deutliche Anpassung der Rezepturhonorare und eine finale und faire Regelung für Null-Retax sowie eine Anhebung der Notdienstgebühr könnten 2016 zu einem guten Apothekerjahr machen.

 

Daniel Rücker 

Chefredakteur

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