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Die Zukunft beginnt jetzt

12.01.2016  13:44 Uhr

Die Bundesregierung hat das Jahr 2015 mit einem Feuerwerk an gesundheitspolitischen Reformgesetzen beendet. Was Gesundheitsminister ­Hermann Gröhe (CDU) und die Große Koalition zündeten, erzeugte bei Deutschlands Apothekern nicht gerade ausgelassene Feierstimmung. Im nüchternen Rückblick ist gleichwohl Positives zu vermerken: Mit der strikten Einhaltung der Sektorengrenzen und der Stärkung der apotheker­lichen Rolle im Entlassmanagement wurde ein wichtiger strategischer Pflock gesetzt. Mit dem Rechtsanspruch auf eine Medikationsliste für gesetzlich Versicherte, die regelmäßig mindestens drei rezeptpflichtige Arzneimittel einnehmen, wurden die entscheidende Datenbasis für kognitive pharmazeutische Leistungen geschaffen und die Idee eines systematischen Medikationsmanagements gestärkt. Der OTC-Switch bei Notfallkontrazeptiva untermauert die heilberufliche Kompetenz der Apotheker. Und die Liste der positiven Entwicklungen ließe sich noch fortsetzen.

 

Doch die bestimmende Frage nach dem Jahreswechsel ist: Was passiert in den nächsten zwölf Monaten und danach? 2016 ist das letzte Jahr, in dem die Politik noch gestaltend tätig wird, bevor das Getöse des Bundestagswahlkampfs einsetzt (lesen Sie dazu 2016: Letzte Chance auf ein Vergütungsplus). Auf dem Tisch liegt bereits der Referentenentwurf für ein viertes Arzneimittelrechtsänderungsgesetz. Der Berufsstand nutzt diese Gelegenheit, seine kurzfristigen Vergütungsziele in den versorgungswichtigen Bereichen der Rezeptur­arzneimittel und der Betäubungsmittelabgabe einzubringen.

 

Spätestens ab Sommer dieses Jahres wird man das politische Geschehen nach der nächsten Bundestagswahl in den Blick nehmen müssen. Was Parlament und Regierung gesundheitspolitisch ab 2018 tun, wird der Koalitionsvertrag Ende 2017 umreißen. Was in den Vertrag Eingang findet, wird durch die Positionierung der Parteien im Wahlkampf bestimmt. ­Deren Wahlprogramme werden bereits im Herbst dieses Jahres vorbe­reitet und im Frühjahr 2017 beschlossen. Die Apothekerschaft muss ihre strategischen Ziele möglichst früh in diesen Prozess einbringen – sowohl die bewahrenden, die auf den Erhalt des freiberuflich geprägten Versorgungssystems abzielen, als auch die gestaltenden, die auf Planungssicherheit über ein leistungsgerechtes Vergütungssystem und eine verbindliche Rolle des Apothekers in einer hochwertigen Arzneimittelversorgung ­bauen. Die Berufsorganisationen richten ihre politischen Gespräche und ihre Kommunikation darauf aus (Imagekampagne: Neues Jahr – neue Ausrichtung). Denn die Zukunft der Gesundheitspolitik beginnt schon jetzt.

Friedemann Schmidt

Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände

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