Pharmazeutische Zeitung online

Die Strategie stimmt

21.12.2016
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»Es geht um viel mehr«, sagt ABDA-Präsident Friedemann Schmidt im Interview mit der Pharmazeutischen Zeitung (lesen Sie dazu auch ABDA-Präsident: »Es geht um viel mehr!«). Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs zu Boni auf verschreibungspflichtige Arzneimittel hat die Apotheker in Deutschland kalt erwischt. Seit Oktober dreht sich in der Apothekerschaft alles um das Luxemburger Urteil. Leider verstehen nur wenige Experten, wie viel dabei auf dem Spiel steht.

 

Mit seinem Zitat macht Schmidt dies deutlich. Es geht nur vordergründig um 2 Euro Rabatt. Tatsächlich geht es um nichts weniger als um eine wesentliche Säule der Arzneimittelversorgung – nämlich die Gleichpreisigkeit in der Gesetzlichen Krankenversicherung. Die in Deutschland immer noch gültige Preisbindung zeichnet das Arzneimittel als einen unverzichtbaren Bestandteil der Gesundheitsversorgung aus. Die jetzt drohende Aufhebung der Preisbindung hätte deshalb gravierende Folgen: Aus Arzneimitteln würden Waren und aus Apothekern Händler.

 

Es ist deshalb richtig, dass sich die ABDA mit vollem Einsatz auf den Fortbestand der Gleichpreisigkeit konzentriert. Ein Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln ist nicht die eleganteste Variante die Preisbindung zu erhalten, aber die effektivste. Ansonsten ließe sich kaum erklären, warum dem illustren Kreis der Versandhandelsbefürworter bislang keine erfolgversprechende Alternative entsprungen ist.

 

Unsinnig wäre ein Strategiewechsel auch deshalb, weil mit Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) der ranghöchste deutsche Gesundheitspolitiker mit den Apothekern an einem Strang zieht. Er macht dies ganz sicher nicht, um Wählerstimmen zu gewinnen. Im Gegensatz zum politischen Mainstream ist Gröhe ganz offensichtlich festen Willens, die Versorgungsssicherheit für Arzneimittel zu stützen. So viel Standfestigkeit kann man gar nicht hoch genug schätzen. Es kann keinen Grund dafür geben, dem Minister mit einem Strategiewechsel in den Rücken zu fallen – und dem Bundesrat gleich mit. Das wäre Selbstmord. Es gibt keine Garantie, dass die Strategie aufgeht, aber eine gute Chance. Jetzt ohne Not auf einen weniger erfolgversprechenden Plan zu setzen, wäre die schlechteste Variante. Keine Frage, 2017 wird für die Apotheker herausfordernd. Umso mehr gilt es jetzt Kurs zu halten, einig zu bleiben und sich nicht in Detaillösungen zu verzetteln.

 

Daniel Rücker

Chefredakteur

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