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SPD

Beratungshonorar statt Versandverbot

21.12.2016
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Von Anna Pannen, Berlin / SPD-Fraktionsvize Professor Karl Lauterbach ist gegen das geplante Versandverbot für rezeptpflichtige Medikamente. Er will Apotheker stattdessen für Beratungen und Notdienste besser bezahlen. Mit einem Schreiben an die Mitglieder der SPD-Bundestagsfraktion wirbt er um Unterstützung für sein Vorhaben.

Viele Mitglieder der SPD-Fraktion im Bundestag lehnen das von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) geplante Versandverbot für Rx-Arzneimittel ab. Insbesondere Karl Lauterbach, Arzt, Professor und Gesundheitsexperte seiner Partei, ist strikter Gegner von Gröhes Plänen. Das machte er Mittwoch vergangener Woche in einem Pressegespräch deutlich.

 

Etablierter Versandhandel

Ein Verbot sei der falsche Weg und passe nicht in die Zeit, sagte Lauterbach. Man könne die Bürger schließlich nicht zwingen, in die Apotheke zu gehen. Der Versandhandel mit Rx-Medikamenten habe sich etabliert, er sei gerade für Chroniker angenehm und bequem. Lauterbach erklärte, es habe ihn überrascht, wie rasch sich Minister Gröhe dem »Lobbydruck« gebeugt habe. »Das ist nicht das richtige Signal.« Beim Bürger entstehe so der Eindruck, die Interessen einzelner Lobbyverbände seien wichtiger als ihre eigenen Interessen. »Warum der Minister das getan hat, weiß ich nicht, das müssen Sie ihn selbst fragen«, so der SPD-Politiker.

 

Lauterbach zeigte aber auch Verständnis für die Sorgen der Apotheker, die seit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus dem Oktober eine wachsende Konkurrenz durch Versandhändler fürchten. »Auch wir wollen kein Apothekensterben«, erklärte er. Statt den Versandhandel zu verbieten, will Lauterbach die Apotheker aber lieber besser bezahlen. Ihre Vergütung müsse grundsätzlich erneuert werden, forderte er. Immer mehr Patienten wollten ausführlich zu ihren Medikamenten beraten werden – eine Kernkompetenz der Apotheker, die bislang aber weder dokumentiert noch honoriert werde. »Wir verschenken die gute Qualifikation der Pharmazeuten«, so Lauterbach.

 

Dabei würde es den Beruf aufwerten, wenn gerade diese Leistung bezahlt würde, sagte der Politiker. Apotheker könnten Patienten etwa viel häufiger aktiv ansprechen und zu Nebenwirkungen aufklären. Vielen Nutzern von Protonenpumpenhemmern sei zum Beispiel nicht bewusst, dass diese das Demenzrisiko erhöhen können, so Lauterbach. »Wenn Apotheker dazu aufklären würden, hätte das einen hohen Wert.«

 

Auch Notdienste sollen Lauterbach zufolge besser vergütet werden, um so vor allem Apotheken in dünn besiedelten Regionen zu stärken. Dass der Versandhandel die Existenz dieser Apotheken bedroht, glaubt der Gesundheitsexperte nicht. Apotheken auf dem Land müssten vor allem deshalb schließen, weil es dort immer weniger Arztpraxen gebe, betonte er.

 

Seine Argumente gegen ein Rx-Versandverbot brachte Lauterbach zusätzlich in einem Schreiben an seine Fraktionskollegen am vergangenen Mittwoch vor. Mit einer Stärkung der Landärzte sei den Apothekern mehr gedient als mit einem Versandverbot, wiederholte er darin. Dass ausgerechnet der Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten die Zahl der Apotheken gefährde, könne ohnehin nicht belegt werden. Lauterbach kündigte an, die Bundes-SPD werde zügig einen Alternativvorschlag zu Gröhes Gesetz vorlegen.

 

Kritik aus Bayern

 

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) macht sich derweil weiter für ein Rx-Versandverbot stark. Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa kritisierte sie die Pläne von Lauterbach. »Der Vorstoß der Bundes-SPD ist nur ein Herumdoktern am Symptom, anstatt das Problem an der Wurzel zu packen«, sagte sie. Es könne nicht sein, dass ausländische Versandapotheken den Verkauf teurer Arzneien an sich ziehen, ohne im Gegenzug auch Dienstleistungen wie Notdienste zu übernehmen. Im November hatte der Bundesrat auf Initiative Humls mit knapper Mehrheit für ein Versandhandelsverbot gestimmt. Auch SPD-Politiker sprachen sich auf Länderebene für ein solches Verbot aus. /

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