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Interview

Pharmazeutische Dienstleistungen sind ein wesentlicher Bestandteil

16.12.2008
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Interview

Pharmazeutische Dienstleistungen sind ein wesentlicher Bestandteil

Von Hartmut Morck und Daniel Rücker

 

Am 1. Januar 2009 übernimmt Fritz Becker den Vorsitz des Deutschen Apothekerverbandes (DAV). Der Präsident des Landesapothekerverbands Baden-Württemberg ist bereits seit vielen Jahren im Vorstand des DAV. Den Krankenkassen will er in Zukunft mehr Angebote machen, in denen es nicht um Waren geht.

 

PZ: Was ist die wichtigste Aufgabe des DAV in den nächsten Jahren?

Becker: Unser größtes Ziel ist es, die Individualapotheke zu stärken. Im Sommer kommt das Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) auf uns zu. Egal, wie es ausfällt, es wird Veränderungen im Markt geben. Wenn wir die heilberufliche Apotheke erhalten wollen, müssen wir uns frühzeitig darauf einstellen.

 

PZ: Was wollen Sie konkret tun?

Becker: Wir müssen uns im Markt positionieren, vor allem bei den neuen Versorgungsformen. Der DAV wird deshalb intensive Gespräche und Verhandlungen mit den Krankenkassen suchen und dort die Vorstellungen der Apotheker über eine Fortentwicklung der Arzneimittelversorgung einbringen. Stichworte sind das Arzneimittelmanagement, eine Intensivierung der Beratung und natürlich die Hausapotheke. Hier haben wir deutliche Vorteile gegenüber denen, die in den Markt hineinwollen: Deshalb müssen wir uns entsprechend positionieren.

 

PZ: Welche Art von Verträgen werden Sie in Zukunft abschließen? Bleibt es bei den Kollektivverträgen oder können Sie sich auch selektive Vereinbarungen vorstellen, an denen dann nicht mehr alle Apotheken teilnehmen werden?

Becker: Ganz klar: Wir streben immer Kollektivverträge an. Ich glaube aber, dass die Zeiten vorbei sind, in denen jede Apotheke alles anbieten kann. Deshalb wird die eine Apotheke dem Vertrag A beitreten und die andere dem Vertrag B. Ein Beispiel dafür sind heute schon Hilfsmittelverträge, bei denen manche Apotheken nicht mitmachen, weil sie sich in diesem Markt nicht engagieren.

 

PZ: Welche Chance geben Sie in näherer Zukunft Verträgen, in denen es nicht um Arznei- oder Hilfsmittel geht, sondern um Versorgungsleistungen, die nicht an Waren gekoppelt sind?

Becker: Dieser Bereich wird für uns immer wichtiger. Pharmazeutische Dienstleistungen aus der Apotheke sind ein wesentlicher Bestandteil unseres Angebotes. Wir sind auf diesem Gebiet ja schon seit einiger Zeit aktiv. Nehmen Sie den neuen Vertrag des DAV mit der Barmer Ersatzkasse über die Diabetesbetreuung. Hier bieten wir vor allem Dienstleistungen, wie Blutzuckerbestimmung, Erläuterung der Blutzuckermessgeräte und eine intensive Betreuung der Diabetiker, an. Das muss qualitätsgesichert sein. Genauso gehört Fortbildung dazu.

 

PZ: Bedeutet das für Sie zwingend ein Qualitätsmanagementsystem (QMS) oder kann gleichbleibende Qualität auch auf anderem Weg erreicht werden.

Becker: Ich denke, dass ein QMS für Apotheken mittelfristig zwingend ist. Andere Marktteilnehmer sind heute schon zertifiziert. Wir hätten deshalb ohne QMS kaum eine Chance in Verhandlungen mit den Krankenkassen.

 

PZ: Sie haben es schon angesprochen: Qualitätssicherung und Fortbildung dürften in Zukunft Bestandteile von Verträgen mit Krankenkassen werden. Bedeutet dies, dass demnächst die Bundesapothekerkammer (BAK) mit am Verhandlungstisch sitzt?

Becker: Die Verträge wird weiterhin der DAV machen, aber natürlich müssen wir ganz intensiv mit der BAK zusammenarbeiten. Schließlich sind die Kammern für Qualität und Fortbildung zuständig.

 

PZ: Die BAK hat hier schon Vorarbeit geleistet und das einheitliche bundesweite Qualitätssiegel auf den Weg gebracht. Wie ist Ihre Erfahrung, wird es von den Kassen akzeptiert?

Becker: Das einheitliche Qualitätssiegel ist eine fundamentale Voraussetzung für die anstehenden Verhandlungen. Wenn wir mit den Kassen im Geschäft bleiben wollen, dann müssen wir eine einheitliche Qualität bieten. Das garantiert nur dieses Siegel, es schließt QMS light aus.

 

PZ: Wir sprechen jetzt schon einige Zeit über Verhandlungen mit den Krankenkassen. Mit wem werden Sie ab dem kommenden Jahr eigentlich verhandeln? Mit dem neuen GKV-Spitzenverband oder mit den einzelnen Kassen?

Becker: Mit beiden. Mit dem Spitzenverband Bund werden wir die Leitplanken, also Rahmenverträge, vereinbaren. Es wird aber auch weiter Verhandlungen mit einzelnen Kassen geben. Durch den Fonds sind die Unterschiede zwischen den Kassen kleiner geworden. Sie müssen sich aber im Wettbewerb differenzieren. Wir sehen hier für unsere Angebote Chancen.

 

PZ: In drei Monaten startet die dritte Runde der AOK-Rabattverträge. Womit rechnen Sie?

Becker: Ich würde gerne an einen reibungslosen Start glauben. Aber nach allem, was ich in den vergangenen Tagen und Monaten gehört habe, ist Chaos wohl das wahrscheinlichere Szenario. Im Januar werden wir mit der AOK noch einmal sprechen, vielleicht gelingt es uns ja doch noch, die Bedingungen für die Apotheken und die Patienten zu verbessern.

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