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Ibuprofen

Neue Daten zu einem alten Wirkstoff

17.12.2007
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Ibuprofen

Neue Daten zu einem alten Wirkstoff

Von Joachim Stier, London

 

Ein Expertenforum in London blickte anlässlich der Entdeckung von Ibuprofen vor 45 Jahren auch in die Zukunft des nicht steroidalen Antiphlogistikums.

 

45 Jahre Ibuprofen: Wissenschaftler würdigten den Arzneistoff in der Royal Society of Medicine mitten im Herzen Londons. Ibuprofen ist ein nicht selektiver Cyclooxygenasehemmer, der schmerzlindernde, fiebersenkende und antientzündliche Wirkungen aufweist. Die hohe Sicherheit von Ibuprofen geht, so Professor Dr. Kim Rainsford, Emeritus des Biomedical Research Centers der Sheffield Hallam University, auf die geringe Halbwertzeit zurück.

 

Studien legen nahe, dass Ibuprofen vermutlich das Anfangsrisiko bei Brustkrebs reduzieren kann. In einer aktuellen Studie führte die regelmäßige Anwendung von Ibuprofen bis zu drei Tage pro Woche zu einem statistisch signifikanten Rückgang des Brustkrebsrisikos (Relatives Risiko (RR) 0,56 mit einem Konfidenzintervall 95 Prozent (CI) von 0,32 bis 0,98), Auch bei Prostatakrebs wird angenommen, dass Ibuprofen  das Risiko reduzieren kann.

 

Epidemiologische Daten legen nahe, dass Ibuprofen und andere nicht steroidale Antiphlogistika (NSAID) möglicherweise das Auftreten einer Alzheimerdemenz verzögern können. Es wird vermutet, dass die Wirkstoffe die Amyloid-Bildung hemmen.

 

Entwarnung für Herz-Kreislauf-Risiko

 

Dr. Henry Purcell, Kardiologe am Royal Brompton Hospital London, sprach sich für einen gelassenen Umgang mit dem Thema Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus. Insgesamt hätten sich die klassischen NSAIDs in Bezug auf kardiovaskuläre Risiken als sicher erwiesen. So liege für Ibuprofen auch in höheren Dosen mit einer Odds-Ratio von 1,24 (CI 1,11-1,39) nur ein geringes Risiko vor. Das Myokardinfarktrisiko erwies sich bei klassischen NSAIDs insgesamt als gering. Das geringste Risiko wies dabei Ibuprofen auf. Die Daten stammen aus der Studie »Qresearch«, in der NSAID-Patienten mit solchen verglichen wurden, die über drei Jahre keine NSAIDs eingenommen hatten. Auch liege, so Purcell, kein Beleg vor, dass die kurzzeitige Gabe von NSAIDs (ein bis zwei Wochen) mit einem signifikanten Blutdruckanstieg assoziiert ist.

 

Eine US-amerikanische Studie kam zu dem Ergebnis, dass nur die dauerhafte parallele NSAID-Gabe mit ASS Letztere in der Wirkung einschränke, nicht jedoch eine kürzere. Eine Ausnahme stelle Ibuprofen dar: Es scheine mit ASS um die COX-1-Inhibition zu konkurrieren und könnte so die Wirkung von ASS einschränken. Sollte eine Gabe von Ibuprofen trotzdem erforderlich sein, sollten die Empfehlungen der US-amerikanischen Zulassungsbehörde FDA berücksichtigt werden: Wird zuerst ASS verabreicht, müssen zur Ibuprofengabe mindestens 30 Minuten Abstand liegen. Umgekehrt muss der Abstand acht Stunden betragen.

 

Weniger Nebenwirkungen

 

Es konnte nachgewiesen werden, dass das relative Risiko für Ulzera im Gastro-Intestinal-Trakt von der Halbwertszeit abhängt. Ebenfalls nachgewiesen ist eine Dosisabhängigkeit: »Hohe Risiken sind mit hohen Dosierungen und geringe Risiken mit niedrigeren Dosierungen verbunden«, fasste Rainsford zusammen.

 

Auf die gastrointestinalen Nebenwirkungen ging auch Professor Dr. Nicholas Moore ein, Direktor der Klinischen Pharmakology an der Universität Victor Segalen in Bordeaux. Ibuprofen weist das geringste Risiko gastrointestinaler Effekte von allen NSAIDs auf: »Dies gab den Ausschlag, Ibuprofen auch ohne Verschreibung verfügbar zu machen«, erinnerte Moore. Er wies auf einen Paradigmenwechsel hin: Die lange angenommene überlegene Verträglichkeit von Paracetamol gegenüber NSAIDs wurde durch Ibuprofen egalisiert. Dies belege die Pain-Studie. In einer neueren Studie wurde festgestellt, dass im Vergleich zu Patienten, die keine NSAIDs einnahmen, das relative Risiko für schwere Ulzera-Komplikationen unter Ibuprofen bei 2,22 lag (CI 1,7-2,29). Die Spanne der anderen NSAIDs reichte von 3,13 (CI 2,4-4,1) bei ASS bis 8,7 (CI 6,2-10,4) bei Piroxicam.

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