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IQWiG-Chef fordert Alternative zur Bestandsmarktprüfung

10.12.2013
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Von Ev Tebroke / Die Nutzenbewertung für bereits auf den Markt befindliche Arzneimittel sollte nicht ersatzlos gestrichen werden. Davor warnt der Chef des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Jürgen Windeler. Eine Art Bestandsmarktprüfung, wie sie bislang im Rahmen des Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetzes (AMNOG) vorgesehen ist, hält er im Interesse der Patienten auch in Zukunft für unerlässlich.

 

»Ich halte es für vertretbar, die Bewertung des Bestandsmarkts aufzugeben, also bereits auf dem Markt befindliche Medikamente nicht länger nach den Regeln des AMNOG zu prüfen. Allerdings nur dann, wenn diese Nutzenbewertung nicht ersatzlos wegfällt, sondern an anderer Stelle erfolgt«, sagte Windeler gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung. Hier könnten entweder die bestehenden Möglichkeiten des Sozialgesetzbuchs (SGB) V ausgeschöpft werden – so können bereits etablierte Medikamente laut Paragraf 139a grundsätzlich einer Kosten-Nutzen-Bewertung unterzogen werden. »Oder der Gesetzgeber schafft neue, zusätzliche Regelungen«, so der IQWiG-Chef.

 

Union und SPD haben im Koalitionsvertrag einen politischen Kompromiss geschlossen: So soll die Prüfung des Bestandsmarkts, wie sie die schwarz-gelbe Koalition im Zuge des AMNOG festgelegt hatte, nicht weiterverfolgt werden. Im Gegenzug soll dafür am Preismoratorium der Pharmabranche und einem erhöhten Herstellerrabatt von 7 Prozent festgehalten werden. Beide Maßnahmen zur Senkung der Arzneimittelkosten sollten ursprünglich zum Ende dieses Jahres auslaufen. In einem Gespräch mit der »Berliner Zeitung« hatte Windeler betont, es gehe bei der Bestandsmarktprüfung nicht nur darum, durch eine Senkung der Medikamentenpreise Geld einzusparen. »Vielmehr brauchen wir die Bewertung, um erstmals feststellen zu können, ob die vielen zigtausend Arzneimittel auf dem deutschen Markt überhaupt einen Nutzen für die Patienten haben«, sagte er. /

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