Pharmazeutische Zeitung online
Govi-Podiumsdiskussion

Apotheker verzweifelt gesucht

07.12.2009
Datenschutz bei der PZ

Von Sven Siebenand, Frankfurt am Main / Das Spektrum möglicher Tätigkeitsfelder für Apotheker ist groß. Auf einer Podiumsdiskussion an der Uni Frankfurt stellte der Govi-Verlag zusammen mit der Fachschaft verschiedene Arbeitsbereiche vor und gab Studierenden die Möglichkeit, über die Berufschancen mit zukünftigen Kollegen zu diskutieren.

Offizin oder Krankenhausapotheke? Pharmazeutische Industrie oder Unikarriere? Oder doch etwas ganz anderes? In vielen verschiedenen Bereichen haben Pharmazeuten gute Berufsaussichten. »Wichtig ist letztlich, das zu machen, was einem Spaß bereitet«, so Privatdozent Dr. Axel Helmstädter vom Govi-Verlag, der die Veranstaltung moderierte. Im Falle von Henrik May stand schon während der Famulatur fest, dass es die Arbeit in der öffentlichen Apotheke ist, die ihm Spaß macht. »Dort wird es nie langweilig und es ist das Beste, was es gibt«, brach der Inhaber der Falken-Apotheke in Wiesbaden eine Lanze für die öffentliche Apotheke. Sein Ratschlag: Für wen klar ist, dass er den gleichen Weg einschlagen will, der sollte das Praktische Jahr nutzen, jeweils sechs Monate in zwei vollkommen unterschiedlichen Apotheken zu verbringen. Zwar hat man in jeder Apotheke viel mit Menschen zu tun, jedoch unterscheiden sich die Abläufe in einer Innenstadtapotheke und einer Landapotheke doch sehr, so May.

Aus dem Auditorium wurde der Apotheker gefragt, wie gut man sich mit Betriebswirtschaft auskennen muss, um eine eigene Apotheke zu leiten. May räumte ein, dass man sich heute um mehr kaufmännische Angelegenheiten zu kümmern hat als früher. Zudem empfahl er, zumindest ein gewisses betriebswirtschaftliches Interesse zu besitzen. Ansonsten gilt: »Man wächst in die Sache rein«, so May, der nach der Approbation nie als Angestellter tätig war, sondern zwei Wochen nach dem Examen gleich die eigene Apotheke eröffnet hat.

 

Apotheke kaufen – ja oder nein

 

Auch für diejenigen, die keine neue Apotheke eröffnen wollen, sondern eine bestehende kaufen wollen, hatte May einige Tipps. Wichtig sei es, beim Kauf darauf zu schauen, welche Perspektiven die angebotene Apotheke besitzt. »Nicht nur das Engagement, sondern auch die Rahmenbedingungen müssen stimmen«, betonte der Apotheker. »Punkten sie mit pharmazeutischer Kompetenz und Ehrlichkeit«, gab er weitere Ratschläge. »Lohnt sich heute überhaupt noch der Kauf einer Apotheke«, lautete eine zweite Frage. Mays Meinung nach sollte man von Apotheken unter einer Million Euro Jahresumsatz besser die Finger lassen. »Als Faustgröße werden häufig etwa 30 Prozent des Umsatzes als Verkaufspreis verlangt«, so May.

Bei einer Durchschnitts-Apotheke mit einem Umsatz von etwa 1,2 Millionen Euro seien das etwa 400 000 Euro. Hinzu komme dann noch die Finanzierung des Warenlagers. Bei einer Apotheke der genannten Größe seien das schätzungsweise rund 100 000 Euro. Hat die Apotheke gute Standortbedingungen werden Banken den Kauf einer solchen Apotheke wahrscheinlich finanzieren – auch ohne Eigenkapital, mutmaßte May. Und: »Sie sind in der Lage, so einen Kredit auch abzubezahlen.«

 

Als Apotheker im Krankenhaus

 

»Mit BWL muss ich mich nicht herumschlagen«, sagte indessen Dr. Vanessa Kaiser vom Uni-Klinikum Mainz. Auch sie hat in ihrer Famulaturzeit schon die Entscheidung getroffen, später in einer Krankenhausapotheke arbeiten zu wollen. Im Anschluss an das PJ, das sie zur Hälfte folglich auch in der Krankenhausapotheke verbracht hat, folgte dann auch die Promotion am Uni-Klinikum. Wichtig für eine Stelle in einer Krankenhausapotheke sei die Weiterbildung zum Fachapotheker für klinische Pharmazie beziehungsweise für Arzneimittelinformation. Kaiser empfahl bei der Bewerbung, auch auf die Größe der Einrichtung zu achten. In kleinen Krankenhausapotheken arbeiten die Pharmazeuten häufig in allen Bereichen, also zum Beispiel in der Analytik, Herstellung, Arzneimittelinformation und Defektur. Wer sich auf ein bestimmtes Gebiet spezialisieren will, der sollte sich Kaiser zufolge besser in eine größere Krankenhausapotheke begeben. Denn dort gibt es meistens unterschiedliche Abteilungen. »Ein Wechsel von einer in die andere Abteilung ist dann immer noch möglich«, informierte die Apothekerin.

 

Als Apotheker in der Pharmaindustrie

 

Während für die beiden ersten Referenten relativ frühzeitig klar war, wo sie hinwollten, war bei Dr. Claudia Carolin Weber von der cell pharm GmbH mehr der Zufall im Spiel. »Eigentlich wollte ich Jura studieren«, sagte die Apothekerin. Dann wurde es doch das Fach Pharmazie. Nach dem Praktischen Jahr in einer öffentlichen Apotheke und einer Krankenhausapotheke stand bei Weber jedoch nur fest, dass es das schon mal nicht ist. Erst während der Promotionszeit, in der sie sich parallel zur Fachapothekerin für Arzneimittelinformation weiterbildete, entdeckte sie ihr Interesse für Fragen der Arzneimittelzulassung, sodass ihr Weg in die pharmazeutische Industrie führte. »Die Arbeit in der Zulassungsabteilung ist deshalb spannend, weil man mit allen Abteilungen, also zum Beispiel Analytik, Herstellung, Präklinik und klinische Forschung, in Kontakt steht«, nennt Weber einen Vorteil. Bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber kümmert sich Weber auch um Fragen der Pharmakovigilanz und beantwortet medizinisch-wissenschaftliche Anfragen, die zum Beispiel von Ärzten hereinkommen. Eine Promotion sieht die Apothekerin nicht als zwingende Voraussetzung für eine Stelle in der Industrie. Jedoch hat man ihrer Meinung nach mit dem Doktortitel auf der Visitenkarte einfach bessere Chancen.

 

Forschen an der Uni

 

»Wer sich für eine Promotion interessiert, der sollte sich frühzeitig um eine Stelle kümmern«, empfahl Professor Dr. Jennifer Dressman von der Uni Frankfurt am Main. Im siebten, spätestens Anfang des achten Semesters sollte man Kontakt zu den Arbeitskreisen an der Uni aufnehmen. Wer sich nicht sicher ist, ob die Arbeit an der Universität das Richtige für ihn ist, der kann anfragen, ob er in den Semesterferien für ein paar Wochen ein Praktikum in einem Arbeitskreis absolviert. Ferner sei es möglich, schon die zweite Hälfte des Praktischen Jahres an der Uni zu verbringen und mit der Promotion zu beginnen. Auch Interessenten, die an einem anderen Institut oder im Ausland promovieren wollen oder die sich für ein Stipendium bewerben wollen, sollten Dressman zufolge Kontakt zu den Professoren an der eigenen Uni aufnehmen und diese bitten, eine Empfehlung zu schreiben. Wer seinen Wissensdurst auch nach dem Studium und einer möglichen Promotion noch nicht gestillt hat, für den ist sicher die Forschungstätigkeit an einer universitären Einrichtung eine gute Alternative, so Dressman.

 

Im Anschluss an die Veranstaltung hatten die Studierenden bei einem Imbiss noch die Möglichkeiten, den Referenten weitere Fragen zu stellen. So wurden neue Anreize für Famulatur, Praktisches Jahr und den späteren Berufsweg geschaffen. Das kann Pharmaziestudentin Christine Achtziger gegenüber der PZ bestätigen. »Für mich als Studentin im Hauptstudium war diese Veranstaltung ein wichtiger Beitrag zur Entscheidung, wie ich meine berufliche Zukunft gestalten möchte. Es war schön, neben den Tätigkeitsfeldern auch etwas über den beruflichen Werdegang der Referenten zu erfahren. Natürlich ist die Frage, was nun mein Plan für die Zukunft ist, nicht mit einer einzigen Veranstaltung beantwortet. Umso wichtiger ist es, immer neue Aspekte und Ideen in die Entscheidung mit einzube- ziehen.« / 

Mehr von Avoxa