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Nachwuchs für Apotheken

»Begeisterung an die nächste Generation weitergeben«

Wie gewinnt man junge Pharmazeutinnen und Pharmazeuten für die Tätigkeit in den öffentlichen Apotheken? Wie ebnet man dem Nachwuchs den Weg in die Standesvertretung? Welche Chancen und Risiken birgt die neue Approbationsordnung für das Pharmaziestudium? Um diese Fragen drehte sich eine politische Diskussionsrunde mit der Standesvertretung beim PZ-Management-Kongress.
Anne Orth
28.03.2023  08:10 Uhr
»Begeisterung an die nächste Generation weitergeben«

Viele Apothekenleiterinnen und -leiter suchen schon jetzt händeringend Fachkräfte, und in den kommenden Jahren wird dies noch schwieriger werden. Bis 2030 werden in den Apotheken voraussichtlich mehr als 10.000 Approbierte fehlen, prognostiziert Berit Winter, Leiterin der ABDA-Abteilung Berufe und Apothekenpraxis. Erschwerend hinzu kommt, dass ein Großteil der jungen Pharmazeutinnen und Pharmazeuten lieber eine Stelle in der Industrie, Verwaltung, Wissenschaft oder einer Krankenhausapotheke annimmt als in einer Vor-Ort-Apotheke. Wie sich dieses Dilemma lösen lässt, darüber diskutierten Thomas Benkert, Präsident der Bundesapothekerkammer (BAK), Hans-Peter Hubmann, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes (DAV), Laila Haroon, Beauftragte für Lehre und Studium beim Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD) und Björn Schittenhelm von der ABDA-Nachwuchsinitiative AByou. Die Moderation übernahmen die PZ-Redakteurinnen Daniela Hüttemann und Ev Tebroke.

Famulanten für öffentliche Apotheke gewinnen

Nach Angaben der BPhD-Vertreterin Laila Haroon wissen etwa 25 Prozent der Pharmaziestudierenden zu Beginn des Studiums noch nicht, in welchem Bereich sie nach ihrem Abschluss arbeiten wollen. »Diese Gruppe gilt es zu umwerben«, empfahl sie. Gute Gelegenheiten, um Studierenden die Tätigkeit in einer öffentlichen Apotheke schmackhaft zu machen, böten die Famulatur und das Praktische Jahr. Haroon plädierte dafür, Studierende für ihren Einsatz im Praktischen Jahr mit dem Mindestlohn zu entlohnen, damit sie sich wertgeschätzt fühlten. Ihr zufolge ist der Nachwuchs vor allem am interprofessionellen Austausch interessiert und möchte im Beruf sein pharmazeutisches Wissen anwenden. »Die pharmazeutischen Dienstleistungen machen für die künftigen Approbierten die Tätigkeit in einer öffentlichen Apotheke erst attraktiv«, betonte Haroon. Ihrer Ansicht nach steigert auch die Umstellung auf digitale Abläufe die Attraktivität des Berufs. »Die Digitalisierung hilft, Zeit zu sparen. Dadurch bleibt mehr Raum für pharmazeutische Tätigkeiten«, so die Studierendenvertreterin.

Und was tun die Standesvertretungen für die Nachwuchsgewinnung? »Wir sind gefordert, unsere Begeisterung für die Vor-Ort-Apotheken an die nächste Generation weiterzugeben«, erklärte BAK-Präsident Thomas Benkert. Er wies der jungen Generation aber auch eine Hol-Schuld zu. DAV-Vize Hans-Peter Hubmann sieht hingegen die Standesvertretung in der Verantwortung, den Jungen eine wirtschaftlich gesunde Apotheke zu bieten. Die Tätigkeit in der öffentlichen Apotheke sei nur bei besserer Honorierung attraktiv. »Je mehr wir als Standesvertretung dafür tun, desto eher werden wir junge Leute für den Beruf finden«, machte Hubmann deutlich. Zudem müsse dringend Bürokratie reduziert werden. »Wichtig ist außerdem, dass wir selbst von unserem Beruf begeistert sind«, so Hubmann.

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