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Denosumab bei Osteoporose

In postmenopausaler Therapie etabliert

03.12.2014  10:22 Uhr

Von Brigitte M. Gensthaler, München / Der Antikörper Denosumab kann die Knochendichte bei postmenopausalen Frauen mit Osteoporose anhaltend steigern. Dies zeigen Langzeitdaten über acht Jahre. Die neuen Erkenntnisse finden Eingang in den Entwurf zur neuen DVO-Leitlinie: der RANK-Ligand-Inhibitor erhielt den höchsten Empfehlungsgrad.

In der aktualisierten Osteoporose-Leitlinie vom November 2014* ist erstmals auch Denosumab als Therapieoption für postmenopausale Frauen enthalten. Das Medikament, das alle sechs Monate subkutan gespritzt wird, erhielt dreimal den Empfehlungsgrad »A«, berichtete Professor Dr. Christopher Niedhart von der Orthopädischen Gemeinschaftspraxis Heinsberg bei einem von Amgen unterstützten Pressegespräch in München. Dies bedeutet, dass Denosumab sowohl die Rate von Brüchen von Wirbelkörpern und Oberschenkelknochen (Femurfrakturen) als auch von peripheren Brüchen nachweislich senken kann. Gleiches gilt auch für die Bisphosphonate Alendronat, Risedronat und Zoledronat sowie für Estrogene. Neu in der Leitlinie ist Bazedoxifen, das jedoch in Deutschland nicht auf dem Markt ist, informierte der Arzt.

 

Knochendichte signifikant gestiegen

 

Problematisch ist, dass bislang kein Vorteil einer Langzeittherapie mit Bisphosphonaten nachgewiesen ist. Dagegen lägen für Denosumab Acht-Jahres-Daten vor, erklärte Niedhart. Diese resultieren aus der offenen Verlängerung der Zulassungsstudie FREEDOM, in der etwa 7800 Frauen nach den Wechseljahren entweder Denosumab (60 mg subkutan alle sechs Monate) oder Placebo erhielten. Nach drei Jahren konnten alle Frauen in einer offenen Verlängerungsstudie den Antikörper bekommen. Nach insgesamt acht Jahren war die Knochendichte an der Lendenwirbelsäule in der Langzeitgruppe um 18,4 Prozent gestiegen im Vergleich zu 13,8 Prozent bei den Frauen, die zuvor in der Placebogruppe waren. An der Gesamthüfte lag der Zuwachs bei 8,2 versus 4,8 Prozent (jeweils gegenüber den Ausgangs­werten).

Noch wichtiger ist die Rate an Knochenbrüchen: Sie lag in den Jahren 4 bis 8 unverändert bei etwa 1,1 bis 1,3 Prozent. Wie Niedhart betonte, gab es keinen Anstieg an Infektionen oder Malignomen. Laut Fachinformation traten acht gesicherte Fälle von Kieferosteonekrosen und zwei atypische Femurfrakturen während der Verlängerungsphase auf.

 

Niedhart wies zudem auf eine Studie aus Japan hin, in der Denosumab mit Placebo (verblindet) sowie mit Alendronat (offen) über 24 Monate verglichen wurde. In den Verumgruppen stieg die Knochendichte vergleichbar an. Die Rate an Wirbelkörperfrakturen lag in der Placebogruppe bei 10,3 Prozent gegenüber 3,6 Prozent unter Denosumab und 7,2 Prozent unter Alendronat. Trotz methodischer Mängel der Studie könne dies als »starker Hinweis auf eine Überlegenheit von Denosumab« gewertet werden, sagte Niedhart. So war die Bisphosphonat-Dosis mit 35 mg pro Woche nur halb so hoch wie in Deutschland empfohlen.

 

Vitamin D supplementieren

 

Zum Basisprogramm für gesunde Knochen gehört neben Bewegung und ausreichender Kalorienzufuhr auch eine gute Calcium- und Vitamin-D-Versorgung. Die Leitlinie rät zu einer täglichen Gesamtzufuhr von etwa 1000 mg Calcium (vorzugsweise über die Ernährung) und einer medikamentösen Supplementierung von 800 bis 1000 Einheiten Vitamin D3 täglich bei Personen mit hohem Sturz- und/oder Frakturrisiko und geringer Sonnenlichtexposition. Ebenfalls wichtig ist die ausreichende Zufuhr von Vitamin B12 und Folsäure über die Ernährung. /

 

*) Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei Männern ab dem 60. Lebensjahr und bei postmenopausalen Frauen. S3-Leitlinie des Dachverbands der Deutschsprachigen Wissenschaftlichen Osteologischen Gesellschaften e. V., 2014

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