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Zuwendungen

Industrie beschließt Transparenzkodex

03.12.2013
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Von Ev Tebroke / Keine Kugelschreiber und keine Schreibblöcke mehr: Diese und andere Geschenke der Pharmabranche an Mediziner sollen zukünftig tabu sein. Das haben die Mitglieder des Verbands der forschenden Pharmaunternehmen (VFA) in ihrem Zusammenschluss Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie (FSA) beschlossen.

In einem 14-seitigen Kodex verpflichtet sich die Pharmaindustrie zudem grundsätzlich zu mehr Transparenz bei unmittelbaren und mittelbaren Zuwendungen an Ärzte, Fachkreisangehörige sowie an medizinische oder wissenschaftliche Organisationen. So müssen die Hersteller verschreibungspflichtiger Arzneimittel Geld­flüsse wie etwa Beratungshonorare, Spenden oder die Finanzierung von Fortbildungsveranstaltungen zukünftig veröffentlicht werden.

 

»Mit dem neuen Transparenzkodex macht die Industrie einen weiteren großen Schritt zu mehr Offenheit und Transparenz und setzt neue Standards für ihr Handeln«, sagte die VFA-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer. Das Zusammenwirken von Ärzten und Pharmaindustrie werde schnell unter den Generalverdacht der Beeinflussung und Manipulation gestellt, so Fischer. Dem soll die Transparenzinitiative nun entgegenwirken. Geplant ist, dass die Arzneimittelhersteller die entsprechenden Informationen im Internet auf ihrer jeweiligen Homepage offenlegen. Erstmals sollen im Jahr 2016 dann online die Zuwendungen aus dem Vorjahr für jedermann einsehbar sein. Die Zeit bis dahin benötigen die Unternehmen nach Angaben des FSA-Geschäftsführers Holger Diener für die technischen Vorbereitungen. Das Geschenkeverbot soll aber bereits im zweiten Halbjahr 2014 gelten.

 

Das Selbstkontrollorgan FSA wurde bereits 2009 gegründet. Bislang legen die Mitgliedsunternehmen einmal jährlich offen, welche Patientenorganisationen sie wie unterstützen. Der nun verabschiedete Kodex setzt europaweit die Vorgaben des europäischen Pharma-Dachverbands EFPIA um. Dieser hatte im Juni dieses Jahres ein Transparenz-Regelwerk verabschiedet. Die dort formulierten Mindeststandards müssen alle Mitglieder des EFPIA in insgesamt 33 Ländern bis Ende 2013 umsetzen. Sobald hierzulande die kartellrechtliche Genehmigung vorliegt, treten die FSA-Regeln in Kraft.

 

Die Einflussnahme auf medizinische Entscheidungen durch Geschenke und Zuwendungen ist auch der Politik ein Dorn im Auge. Union und SPD planen daher ein neues Gesetz: »Wir werden einen neuen Straftatbestand der Bestechlichkeit und Bestechung im Gesundheitswesen im Strafgesetzbuch schaffen«, heißt es im Koalitionsvertrag. /

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