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Pharmaindustrie

Mehr Transparenz für Patienten

06.04.2016
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Von Jennifer Evans, Berlin / Die Zuwendungen der Pharmaindustrie an Patientenorganisationen sind jetzt erstmals in einer Datenbank zusammengefasst und vergleichbar. Das teilte der Verein Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie (FSA) mit. Ende Juni sollen zudem die Zahlungen an Ärzte und andere medizinische Fachkreise veröffentlicht werden.

Ziel des neuen Transparenzangebots für Patienten ist dem Verein zufolge, Vertrauen zu schaffen und die Neutralität von Patientenorganisationen zu sichern. »Im vergangenen Jahr wurden die Patientenorganisationen in Höhe von rund 5,8 Millionen Euro unterstützt«, sagte FSA-Geschäftsführer Holger Diener vergangene Woche in Berlin. 

 

Aufgrund der neuen, übersichtlichen Aufstellung seien die Informationen über die Zuwendungen an die mehr als 70.000 Patientenselbsthilfegruppen jetzt interpretier- und vergleichbar. »Zweck, Unternehmen, Datum, Betrag und Empfänger sind tabellarisch aufgeführt und können nach Bedarf gefiltert werden. Auch die Gesamtsumme ist ersichtlich«, erläuterte Diener. Demnach spendete etwa Sano­fi Pasteur mit 140.000 Euro den höchsten Einzelbetrag, Abbvie Deutschland insgesamt rund 730.000 Euro und Bayer Healthcare mit etwas über 1 Million Euro die größte Summe insgesamt.

 

 

Transparenz und Ethik

 

Seit 2004 überwacht der FSA die Zusammenarbeit zwischen Pharmaunternehmen und Angehörigen medizinischer Fachkreise wie Ärzte und Apotheker sowie den Organisationen der Patientenselbsthilfe. Die Mitgliedskonzerne des Vereins müssen in Hinblick auf Transparenz und Ethik bestimmte Verhaltensregeln einhalten. Die Kodizes regeln etwa die Abgabe von Arzneimittelmustern, Werbungeinschränkungen, Verwendung von Logos, Verbote redaktioneller Einflussnahme, Sponsoring von Fortbildungsveranstaltungen, Spenden, Bewirtungen und Geschenke. Verstöße werden von der FSA mit Abmahnungen und Geldbußen geahndet. Derzeit haben sich 58 Pharmaunternehmen dem Verein angeschlossen, 26 unterwerfen sich zudem freiwillig den Regelungen. Laut Diener repräsentieren diese Unternehmen »75 Prozent des deutschen Pharmaumsatzes mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln«.

 

Der Austausch sei für Patienten und Industrie eine Win-win-Situation. Durch die Zuwendungen der Pharmakonzerne könnten viele Veranstaltungen überhaupt erst stattfinden, die Unternehmen bekämen im Gegenzug Einblicke in Krankheitsbilder und Praxiserfahrung bei der Anwendung von Arzneimitteln. »Die Offenlegung fördert Vertrauen und sichert die Unabhängigkeit der Organisationen. Gewinner sind die Patienten«, so Diener.

 

Die Kontroll- und Sanktionierungsinstanz FSA geht noch einen Schritt weiter: Ende Juni soll nach Angaben des Vereins auch eine erste Linkliste über Zuwendungen der Pharmaindustrie an Ärzte und Zugehörige anderer medizinischer Fachkreise sowie Organisationen des Gesundheitswesens veröffentlicht werden. Diener versicherte: »Wir schonen unsere Mitglieder nicht.«

 

Kurz vor der Verabschiedung des sogenannten Antikorruptionsgesetzes, das künftig Vorteilsnahme und Bestechung im Gesundheitswesen unter Strafe stellt, erscheint diese Offenlegung seitens der Pharmaindustrie besonders spannend. In der ersten Etappe geht es dem Verein zufolge um die Veröffentlichung von Spendengeldern, geldwerten Leistungen im Zusammenhang mit Fortbildungsveranstaltungen, Dienstleistungs- und Beratungshonorare sowie Zuwendungen in Forschung und Entwicklung. Das Aufsetzen einer Datenbank analog zu der der Patientenorganisationen sei eine Option für die Zukunft, hieß es. /

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