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Apothekerzukunft

Lebensretter und Lifestyleberater

07.12.2010  17:08 Uhr

Christiane Berg, Hamburg / In zehn Jahren werden Apotheker und Ärzte mehr Rollen als heute innehaben und sich auf andere Angebote einstellen müssen. Das geht aus dem aktuellen »Trend-Report Gesundheitsmarkt 2020« der Hypo-Vereinsbank hervor. Das Geldinstitut will sein Angebot für Heilberufler ausbauen.

Der zunehmende Kosten- und Wettbewerbsdruck im Gesundheitswesen bei gleichzeitiger Beschränkung des Budgets in der Gesetzlichen Krankenversicherung mache eine inhaltliche Spezialisierung und Schärfung der Angebotsprofile von Apothekern, Ärzten und Zahnärzten unumgänglich, sagte Dr. Helga Frank, Branchenexpertin Heilberufe der Hypo-Vereinsbank (HVB) und Autorin des »Trend-Reports Gesundheitsmarkt 2020«, bei der Präsentation der HVB-Hypothesen zur Entwicklung des Gesundheitsmarktes in den kommenden zehn Jahren.

Nahezu 100 Prozent der Deutschen sind kran­ken­versichert. Das Geld für die gesundheitliche Versorgung der Bundesbürger sei da, sagte Frank. Doch die Herausforderung der Zukunft werde die Verteilung der verfügbaren Mittel sein. Denn die Krankenkassen könnten neue Angebote zur Diagnose und Therapie nur zurückhaltend in ihre Kataloge der Basisleistungen aufnehmen.

 

Es werde eine schärfere Trennung zwischen dem ersten und zweiten Gesundheitsmarkt geben, also zwischen der Gesetzlichen Krankenver­sicherung und Selbstzahlern sowie Zusatz­ver­sicherten. Deshalb sei eine Differenzierung apothekerlicher und ärztlicher Leistungen in beiden Märkte genauso gefragt wie das Bilden von Nischenkompetenzen.

 

Apotheker und Ärzte müssten »Kostenvorteile« im ersten und »Kompetenzvorteile« im zweiten Gesundheitsmarkt bieten, erklärte die Fachfrau. Heilberufler, die hohe regionale Marktanteile besitzen, und Anbieter, die sich mit anderen Leistungserbringern im Gesundheitswesen zusammenschließen, seien zukünftig klar im Vorteil.

 

Demografischer Wandel, Migration, medizinisch-technischer Fortschritt: Im nachhaltig wachsenden Gesundheitsmarkt werde das strukturelle Handlungsfeld für Heilberufler komplexer, sagte Frank. Die Rollen- und Angebotsvielfalt von Ärzten und Apothekern nehme zu und reiche vom Lebensretter bis zum Lifestyleberater oder Seelsorger für Patienten und Mitarbeiter. Frank: »Vor allem die Bedeutung der Rolle von Ärzten und Apothekern als Unternehmer, also als Manager und Führungskraft, als Marketingleiter, Stratege und Controller, steigt.«

 

Angebotsprofil schärfen

 

Um sich neu zu positionieren, müssten Heilberufler unter anderem interne Prozesse überprüfen und optimieren. Der Trend-Report hebt den Einsatz allgemeiner operativer Erfolgsfaktoren wie Patientenbindung, Fortbildung, schlanke Betriebsabläufe und Controlling als zukunftsweisend hervor.

 

Eine gute Patientenbindung lasse sich zum Beispiel durch das Angebot spezieller Sprechzeiten erreichen oder durch eine gute Serviceorientierung und eine persönliche Ansprache, die ein »Anrufbeantwortermanagement« vermeidet. Um Patienten zu binden, könnten auch professionelle Informationen durch Patientenzeitschriften oder Patientenbriefe sowie durch Anzeigen und Pressearbeit helfen.

 

Individuelle Gesprächstermine mit Patienten, um sie zu informieren und zu beraten, vor allem aber das Darstellen der eigenen Leistungen auf Patientenportalen im Internet werden in Zukunft unumgänglich sein, damit Kundenkontakte gelingen, glaubt Frank. Welchen Arzt oder Apotheker ein Patient wählt, werde künftig die Beurteilung in Patientenforen und auf Bewertungsportalen bestimmen.

 

Controlling ist ein Muss

 

»Erfolgreiches Unternehmertum beinhaltet nicht nur die Investition in regelmäßige Fortbildung, der allerdings auch die tatsächliche Implementierung des Erlernten in den Praxisablauf folgen muss. Es umfasst auch das regelmäßige Controlling fest definierter Erfolgskennzahlen, die betriebswirtschaftliche Auswertung und Bilanzierung monatlicher beziehungsweise quartalsweiser Gewinn-und-Verlust-Rechnungen, die professionellen Kapitalflussberechnungen sowie straffes Kostenmanagement«, sagte Frank. Durch das Anpassen der Angebotsstrukturen im Gesundheitsmarkt lasse sich die Profitabilität von Arztpraxen und Apotheken erhalten und steigern.

 

Die Hypo-Vereinsbank kündigte an, ihr Angebot für Heilberufler auszubauen und in Hamburg und Frankfurt spezialisierte Niederlassungen zu eröffnen. In München und Berlin gibt es bereits Niederlassungen für Heilberufler.  /

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