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Allergisches Kontaktekzem

Hautkrank bis zur Berufsunfähigkeit

07.12.2010
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Von Brigitte M. Gensthaler, Stuttgart / Nickel, Kobalt, Chromate, Duftstoffe, Terpentin: Die Liste der Chemikalien, die eine Kontaktallergie auslösen können, ist lang. Doch auch Arzneistoffe können das Immunsystem aus dem Gleichgewicht bringen und Hautausschläge auslösen.

Allergische Spätreaktionen auf peroral oder parenteral gegebene Arzneimittel zeigen sich meist als makulo-papulöses Arzneimittelexanthem. Häufig passiere dies bei Amoxicillin und Ampicillin, wenn diese fälscherweise bei einem viralen Infekt gegeben werden, informierte Professor Dr. Johannes Weiss beim 33. Fortbildungskongress der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg Mitte November in Heidelberg. Apotheker sollten auch aufpassen, wenn ein Patient, der Allopurinol einnimmt, mit einem Rezept über Betalactam-Antibiotika kommt.

Vor allem bei Senioren komme es leicht zu Hautreaktionen. Hautallergien sind nicht nur unangenehm; schwere Formen wie das Stevens-Johnson-Syn­drom können zum Tod führen. Praktisch jedes Arzneimittel kann bei einem Teil der Pati­en­ten allergische Reaktionen aus­lösen, warnte der Dermatologe von der Universitätskli­nik Ulm. Bekannte Kandidaten sind neben den Betalactamen auch andere Antibiotika, Analgetika, nichtsteroidale Antirheumatika, Herz-Kreislauf-Medikamente, Schilddrüsenhormone sowie die alten Bekannten Bufexamac und Perubalsam. Das Antipruriginosum Bufexamac wurde im Mai 2010 vom Markt genommen, da es schwere Kontaktallergien auslösen kann, die mitunter mit der Grundkrankheit verwechselt wurden. Da seine Wirksamkeit nicht ausreichend belegt ist, wurde die Zulassung widerrufen.

 

Die Sensibilisierung erfolgt bei Spättypreaktionen (siehe Kasten) nicht nur über Hautkontakt, sondern bei peroral oder par­enteral verabreichten Arzneimitteln auch auf hämatogenem Weg.

Allergie von I bis IV

Allergische Reaktionen werden eingeteilt als solche vom Soforttyp (Typ I), vom zytotoxischen Typ (Typ II), immunkomplexbedingte Reaktionen (Typ III) und zellulär vermittelte allergische Reaktionen (Typ IV). Letztere treten verzögert auf und werden durch Antigen-spezifische T-Lymphozyten ausgelöst. Vorausgegangen ist eine Sensibilisierung, die auf verschiedenen Wegen ablaufen kann. Beispielsweise gelangt ein Allergen in die Epidermis und wird dort von Antigen-präsentierenden dendritischen Zellen erkannt. Diese induzieren in den Haut-drainierenden Lymphknoten die Aktivierung von Antigen-spezifischen T-Lymphozyten, die zirkulieren und sich auch in der Haut absetzen (Sensibilisierungsphase). Kommt das Allergen erneut auf die Haut, entsteht innerhalb von 24 bis 48 Stunden eine Entzündungsreaktion: das allergische Kontaktekzem. Bei häufigem Allergenkontakt kann das Ekzem chronifizieren.

Die Hautsymptome bezeichnet man als allergisches Kontakt­ekzem oder allergische Kontaktdermatitis. Die auslösenden Allergene sind meist nicht Proteine, sondern chemisch hoch reaktive Substanzen, die mit Proteinen kovalente Bindungen eingehen, sogenannte Haptene.

 

Auf der Liste der häufigen Spättyp-Allergene stehen Stoffe wie Nickel, Kobalt, Dichromat, Kolophonium und Duftstoffe, aber auch Propolis und Teebaumöl. Letzteres wird beim Stehen am Licht oxidiert. »Ranziges« Teebaumöl sei so reaktiv wie Terpentin, das früher berüchtigt war als Auslöser von Hautekzemen bei Malern, warnte Weiss. Bis zu 20 Prozent der jungen Frauen haben eine Nickel-Allergie. »Vorsicht: Die Ein-Euro-Münze enthält eine Nickellegierung.« 1 bis 2 Prozent der Bevölkerung reagieren auf Duftstoffe. Typischerweise entsteht das Kontakt­ekzem an der Stelle, an der das Allergen auf die Haut trifft. Der Dermatologe warnte ausdrücklich vor Tattoos mit »Black Henna«, die an manchen fernöstlichen Urlaubsorten angeboten werden. Das Urlaubsmitbringsel könne durch den Inhaltstoff Phenylendiamin eine schwere Kontaktallergie auslösen, zeigte er am Beispiel einer jungen Frau.

 

Allergische Kontaktekzeme gehören zu den häufigsten Berufskrankheiten, sagte Weiss. Mehr als ein Drittel der Fälle von Berufsunfähigkeit gehe auf das Konto von Hautkrankheiten. Häufig liegt ein Hand­ekzem vor. Betroffen sind vor allem Friseure, Bäcker, Galvaniseure, Köche, Floristen, Dentallaboranten und Textilarbeiter.

 

Für allergische Hautreaktionen gibt es keine ursächliche Therapie. Nach positivem Epikutantest ist die sofortige Meidung des Allergens die wichtigste Maßnahme. Eine gute Hautpflege stabilisiert das Hautorgan. Ansonsten werden akute und chronische Ekzeme stadiengerecht antientzündlich behandelt, oft mit lokalen Steroiden. /

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