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AOK-Rabattverträge

Ein Viertel der Einsparungen ist sicher

03.12.2007  13:47 Uhr

AOK-Rabattverträge

Ein Viertel der Einsparungen ist sicher

Von Daniel Rücker

 

Die meisten Rabattverträge der AOK liegen noch auf Eis. Für lediglich 22 der ausgeschriebenen 83 Wirkstoffe gibt es rechtskräftige Vereinbarungen mit Herstellern. Sie machen rund ein Fünftel des ursprünglich geplanten Umsatzes aus.

 

Die 83 im August ausgeschriebenen Wirkstoffe hatten im Jahr 2006 bei den Ortskrankenkassen ein Umsatzvolumen von rund 2,7 Milliarden Euro. Knapp eine Milliarde Euro Rabatt wollte die AOK für die kommenden beiden Jahren bei den Herstellern aushandeln. Nach dem Stopp der Verträge durch die Vergabekammern des Bundeskartellamts und der Bezirksregierung Düsseldorf ist dieser Betrag erst einmal in weite Ferne gerückt. Ganz leer wird die AOK jedoch nicht ausgehen.

 

Für 22 Wirkstoffe, die nicht von dem verhängten Zuschlagsverbot betroffen sind, haben die Ortskrankenkassen mit 30 Herstellern verbindliche Vereinbarungen ab dem 1. Januar 2008. Nach Berechungen von IMS Health entfielen auf diese Wirkstoffe von Januar bis Oktober immerhin 10 Prozent der ärztlichen Verordnungen zu Lasten der AOK. Gemessen am Umsatz liegt der Anteil zwar nur noch bei rund 3 Prozent, doch war auch dies ein Umsatz von immerhin 187 Millionen Euro in den ersten zehn Monaten dieses Jahres. Das sind 19 Prozent der AOK-Ausgaben für alle 83 ausgeschriebenen Wirkstoffe in diesem Zeitraum. Der Verordnungsanteil liegt mit 24 leicht darüber.

 

Zu vernachlässigen ist dabei der Umsatz der fünf Wirkstoffe aus der zweiten Runde. Sie haben zusammen lediglich einen Anteil von 1 Prozent am AOK-Markt. Der Abschluss vor drei Wochen war also eher ein politischer als ein ökonomischer Erfolg.

 

Wie es mit den anderen 61 Wirkstoffen weitergeht, ist noch offen. Zurzeit streiten sich die Gerichte noch um die Zuständigkeit. In Nordrhein-Westfalen haben sich zwei Vergabekammern für zuständig erklärt, dagegen sieht das Oberlandesgericht Karlsruhe die Sozialgerichte als richtige Stelle. Noch in diesem Monat werden weitere Entscheidungen erwartet. Ob sie endgültige Klarheit bringen, ist jedoch unwahrscheinlich.

 

Unterdessen scheinen andere Kassen aus den Problemen der AOK gelernt zu haben. In der vergangenen Woche haben die IKK gesund plus, die IKK Sachsen und die IKK Baden-Württemberg und Hessen gemeinsam Wirkstoffe europaweit ausgeschrieben. Die Vergabekammern hatten bei der AOK unter anderem moniert, dass dies nicht geschehen ist. Die drei Innungskrankenkassen rühmen sich nun damit, die erste europaweite Ausschreibung im Verbund auf den Weg gebracht zu haben.

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