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Rabattverträge

Unerwünschte Mittelstandsförderung

22.01.2008
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Rabattverträge

Unerwünschte Mittelstandsförderung

Von Daniel Rücker

 

Die AOK sieht in ihren Rabattverträgen eine Art Mittelstandsförderung. Doch gerade der hält nicht viel von diesen Vereinbarungen zwischen Kassen und Pharmaunternehmen.

 

Der Konflikt zwischen der AOK und einer großen Zahl der Arzneimittelhersteller bleibt. Die Freude der Ortskrankenkassen über den Erfolg der Rabattverträge kann der Vorsitzende des Bundesverbands der Arzneimittelhersteller (BAH), Hans-Georg Hoffmann, nicht wirklich teilen. Da nützt es auch nichts, wenn die AOK sagt, von den Vereinbarungen hätten vor allem die mittelständischen Pharmaunternehmen profitiert. Der BAH vertritt in erster Linie die zumeist mittelständischen Hersteller von Selbstmedikationsarzneimitteln. Dem Verband gehören auch einige der Unternehmen an, die gegen die Rabattverträge geklagt haben.

 

Trotz der aktuellen juristischen Probleme ist die AOK grundsätzlich mit den von ihr geschlossenen Rabattverträgen zufrieden. Die Vereinbarungen mit Generikaherstellern hätten im vergangenen Jahr den Markt erheblich verändert. »Erst durch unsere Verträge ist massive Bewegung in den Generikamarkt gekommen«, sagt der AOK-Verhandlungsführer Dr. Christopher Hermann in Stuttgart. Davon habe vor allem die mittelständische Industrie profitiert. Zum Start der Rabattverträge hatten laut AOK fünf Generikahersteller einen Anteil von 70 Prozent am deutschen Markt. In den folgenden Monaten verloren die Großen jedoch erheblich an Umsatz. Sie waren allesamt nicht an den AOK-Rabattverträgen beteiligt. Heute liegen die großen Fünf nach AOK-Angaben nur noch bei 43 Prozent. Die AOK hat in Deutschland einen Anteil von rund 40 Prozent am Gesamtmarkt. Die AOK rechnet für das vergangene Jahr mit rund 100 Millionen Euro Einsparungen. Hermann, der zu Beginn der Rabattverträge noch einen aggressiven Kurs gegenüber den Apothekern fuhr, ist heute weitaus stärker um Kooperation bemüht. So dankte er den Apothekern, »die nicht nur ihrer gesetzlichen Verpflichtung zur Abgabe rabattierter Arznei nachgekommen sind, sondern auch durch fachkompetente Beratung der AOK-Patienten die Umstellung unterstützend begleitet haben«. In diesem Jahr wird die AOK nach eigenen Angaben mit den Rabattverträgen für 22 Wirkstoffe rund 175 Millionen Euro einsparen. Bis Ende Februar möchte Hermann jedoch weitere Vereinbarungen für die 61 Wirkstoffe abschließen, die von juristischen Auseinandersetzungen betroffen sind. Dann könnten sich die Einsparungen auf eine Milliarde Euro steigern.

 

Hoffmann kann Hermanns Begeisterung für die Marktveränderungen nicht einmal im Ansatz nachvollziehen. Der Arzneimittelmarkt werde in Zukunft nur noch von den großen Pharmaherstellern beherrscht, prognostizierte der BAH-Chef bei einer Pressekonferenz am 16. Januar in Bonn. Im Wettbewerb mit Großunternehmen um Rabattverträge seien die mittelständischen Hersteller wegen ihrer kleineren Sortimente im Nachteil. Die Mittelständler hätten nicht die Möglichkeit, über eine Mischkalkulation mit verschiedenen Produkten oder Märkten, den Kassen günstige Angebote zu machen. Große Hersteller könnten Niedrigstpreise bei einzelnen Arzneimitteln über einen längeren Zeitraum durchhalten als kleine Unternehmen.

 

Der BAH-Vorsitzende kritisierte auch, dass es sich bei den Rabattverträgen nicht tatsächlich um wettbewerbliche Elemente handele. Die Hersteller müssten sich den Wünschen der Krankenkassen unterwerfen, ohne dass sie die Möglichkeit hätten, sich diesen Zwängen zu entziehen. Das System der Rabattverträge ziele allein darauf ab, die Krankenkassen zu begünstigen.

 

Als Alternative zu den Rabattverträgen schlägt der BAH eine Festsetzung der Arzneimittelpreise nach einer Kosten-Nutzen-Bewertung vor. In diese sollten die Herstellungs- und Forschungskosten ebenso eingehen wie der jeweilige Nutzen des Medikaments. Dieser Preis sollte dann verbindlich sein und weder unter- noch überschritten werden dürfen. Als Konsequenz könnte auf alle anderen heute existierenden Instrumente der Preis- und Erstattungsfestsetzung verzichtet werden.

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