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Rabattverträge I

Nur die Kassen freuen sich

17.04.2012
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Von Daniel Rücker / Am 1. April 2007 scharte die AOK elf kleinere Generika-Unternehmen um sich. Mit dem zu diesem Zeitpunkt in Kraft getretenen GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz boten sich den Krankenkassen neue Möglichkeiten, Preisnachlässe für Arzneimittel auszuhandeln. Feierlaune stellt sich zum fünften Geburtstag der Rabattverträge aber nur bei den Kassen ein.

Ab dem 1. April 2007 versorgten Unternehmen wie Corax, Biomo oder Dr. Friedrich Eberth Arzneimittel die rund 30 Millionen AOK-Versicherten bundesweit mit 43 Wirkstoffen. Der Vertrag mischte den Arzneimittelmarkt in einer Art auf, die damals auch Experten kaum für möglich gehalten haben.

 

Überschaubarer Erfolg

 

Was die AOK vor fünf Jahren mit Generikaherstellern hatte, war nach heutigen Maßstäben ein überschaubarer Erfolg. Ursprünglich waren 89 Wirkstoffe geplant, am Ende wurden es nur 43. Nach damaligen Angaben der AOK lagen die ausgehandelten Preisnachlässe bei bis zu 37 Prozent. Heute bekämen Hersteller für solche Angebote kaum noch einen Zuschlag. Bis zu 90 Prozent Nachlass soll es heute geben. Allerdings reden Pharmaunternehmen und Krankenkassen ungern über Details.

Heute gehören Rabattverträge bei allen Krankenkassen zum Standardrepertoire. Die AOK als Wegbereiter hat Anfang April bereits ihre achte Runde gestartet. Die Einsparungen gehen in die Milliarden. Dem stehen allerdings immer wieder Lieferschwierigkeiten gegenüber, vor allem bei der AOK, die grundsätzlich nur einem Hersteller den Zuschlag für ein Gebietslos erteilt. Besonders problematisch war dies bei der im vergangenen Juni gestarteten sechsten Rabattrunde. Wegen juristischer Streitigkeiten konnte die Kasse erst kurzfristig die Zuschläge erteilen. Die Hersteller hatten nicht ausreichend Zeit, sich zu bevorraten. Extrembeispiel war Metoprololsuccinat von Teva, das über viele Monate überhaupt nicht verfügbar war.

 

Während sich die Krankenkassen über Einsparungen freuen, sind die Rabattverträge für die Apotheker häufig das nackte Grauen. Sie bedeuten vor allem Verwaltungsaufwand, langwierige Diskussionen mit umzustellenden Patienten und viel Aufwand bei der Beschaffung der Rabattarzneimittel.

 

Ohne Rücksicht auf die Marktpartner

 

Der Spiritus Rector der Rabattverträge, AOK-Chefunterhändler Christopher Hermann, erlangte in den vergangenen fünf Jahren zwar bundesweite Bekanntheit, aber wenig Sympathien. Bei den Apothekern und den Generikaherstellern gehört er sicherlich nicht zu den beliebtesten Kassenfunktionären. Er hat für die AOK sicher das Maximum herausgeholt, dabei aber die Interessen der Marktpartner mit großer Konsequenz ignoriert. Ob die von den Krankenkassen angestoßenen Marktveränderungen für die Krankenkassen langfristig positiv sind, ist allerdings noch offen. Hermann hatte in der Vergangenheit immer wieder betont, die Rabattverträge böten kleinen Herstellern Chancen im Wettbewerb mit den großen Generika-Unternehmen. Vor fünf Jahren dominierten Stada, Ratiopharm und Hexal den Markt.

 

Die Realität ist aber eine andere. Zwar erhielten vor allem in der ersten AOK-Rabattrunde 2007 kleine Unternehmen Zuschläge. Das lag aber auch daran, dass viele Große sich an der Ausschreibung nicht beteiligt hatten. In den Jahren danach überdachten die Hersteller ihre Strategie. Seit Anfang April dieses Jahr hat nun auch Hexal seinen Widerstand aufgegeben und ist an der achten AOK-Rabattrunde mit elf Wirkstoffen beteiligt.

 

Schlechte Chancen

 

Mittlerweile haben sich die Chancen für kleine Unternehmen deutlich verschlechtert. Nach einer Untersuchung des Iges-Instituts haben die Rabattverträge in den vergangenen Jahren nicht zu mehr, sondern zu weniger Wettbewerb geführt. Insgesamt sei die Marktkonzentration gestiegen, vor allem in den von der AOK favorisierten Ausschreibungen, in denen nur ein Anbieter den Zuschlag erhält. Wenig Wettbewerb gibt es laut Iges heute auch bei Rabattverträgen mit Originalanbietern nach dem Patentablauf. Hier gebe es heute häufig Rabattverträge des Originalanbieters, die über den Patentablauf hi-nausgehen. Dies erschwere den Markteintritt für Generikahersteller erheblich.

 

Für den Geschäftsführer des Branchenverbandes Progenerika, Bork Bretthauer, sind die Rabattverträge ein klares Markthindernis: »Das Iges zeigt auf, dass die Beeinträchtigung durch die Rabattverträge von Erstanbietern nach Patentablauf im Jahr 2011 weiter zugenommen hat.« Wer intensiven Wettbewerb wolle, der dürfe solche Schutzmauern nach dem Patentablauf nicht zulassen. /

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