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Starkes Zeichen

29.11.2017
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Deutschland 2006, die Apotheker sind in maximaler Aufruhr und das zu Recht. Der saarländische Gesundheitsminister Josef Hecken plant, die deutsche Arzneimittelversorgung aus den Angeln zu heben oder zumindest erheblich zu verändern. Hecken will dem niederländischen Arznei­versender Doc Morris entgegen deutschen Rechts eine Dependance in Saarbrücken erlauben. Für die Apotheker eine Katastrophe. Für ­Hecken der Beginn einer langen Fehde mit den Pharmazeuten.

 

Deutschland 2017, Josef Hecken ist ein Mensch, der sich nicht scheut, Fehler einzugestehen. Das ist ein starkes Zeichen. Von der industriellen Arzneimittelversorgung à la Doc Morris hat er sich längst distanziert. »Es gibt keine Alternative zum Rx-Versandverbot. Es sollte alles getan werden, um gesetzlich nachzuschärfen«, sagt der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses, dem Gremium, das dafür zuständig ist, den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung zu definieren (lesen Sie dazu Josef Hecken: Apotheker wären ein Gewinn im G-BA). Er stehe auf der Seite des Bundesgesundheitsministers.

 

Hecken ist ein absolutes Schwergewicht in der deutschen Gesundheitspolitik. Das kann den Apothekern nicht schaden. Was er sagt, hat ­Relevanz. Natürlich wird er nicht die Werbetrommel für die Apotheker rühren. Ob seiner Vergangenheit ist er aber weitgehend unverdächtig, die Apotheker zu überhöhen. Vielleicht erkennt mancher Apotheken-Skeptiker, dass es auch Gesundheitsexperten gibt, die Regulierung im Gesundheitswesen nicht grundsätzlich ablehnen, aber keine Lobbyisten sind.

 

Im Interview mit der PZ macht Hecken deutlich, dass er sich eine noch aktivere Apothekerschaft wünscht. Apotheker sollten sich mehr ­Gedanken über neue Strukturen machen, sagt Hecken. Auch bei AMTS könnten sich die Apotheker stärker engagieren, das gelte auch für die Polymedikation, die Wirksamkeit von Biologika und anderer hochpreisiger Arzneistoffe. »Apotheker wären ein Gewinn für den G-BA«, sagt ­Hecken. Bislang war die Begeisterung der Apotheker zum G-BA jedoch überschaubar. Von einer guten Zusammenarbeit mit dem G-BA und anderen Leistungserbringern könnten aber auch die Apotheker profitieren.

Daniel Rücker

Chefredakteur

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