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Personalführung

Diese Fehler nehmen Mitarbeiter übel

27.11.2007
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Personalführung

Diese Fehler nehmen Mitarbeiter übel

Von Hartmut Volk

 

Innerlich grummelnde Mitarbeiter sind mit ihren Gedanken nicht bei der Sache. Ein gefährliches Manko für eine Apotheke, zumal die wirtschaftliche Gangart im Gesundheitswesen immer schärfer wird. Und doch prägt solcher Unmut viele Arbeitsverhältnisse. Der zweite Teil der Serie »Besser organisiert« weist Wege aus dem Motivationsloch.

 

Die Unternehmensberatung Coverdale Deutschland, München, hat nach Verhaltensweisen von Vorgesetzten gefragt, die die Leistungslust von Mitarbeitern ausbremsen. Das Ergebnis dieser Erkundungsaktion zeigt, so Coverdale-Geschäftsführer Thomas Weegen: »Die Mitarbeiter wollen keineswegs den Chef aus der Retorte. Im Gegenteil, sie wünschen sich einen Vorgesetzten zum Anfassen. Die kleinen Macken und Marotten ihres Chefs tolerieren sie gerne. Sie machen ihn erst menschlich liebenswürdig und unverwechselbar.« Aber was lässt dann den Frust aufkeimen? Allzu schnell sollte der Vorwurf »Führungsfehler« nicht erhoben werden. »Die Empfindlichkeiten sind unterschiedlich ausgeprägt, die Gemüter unterschiedlich erregbar. Was den einen nervt oder gar bis zur Weißglut reizt, berührt einen anderen nur unwesentlich. Auch die Tagesform spielt eine wichtige Rolle. Private Probleme verstärken in aller Regel die Sensibilität am Arbeitsplatz. Und dann gibt es natürlich auch das Problem, dass sich zwei einfach nicht riechen können«, sagt Weegen.

 

Er hält wenig von der automatischen Schuldzuweisung an den »bösen Chef«. Dennoch gibt es Verhaltenseigenschaften, die sich unabhängig von Alter, Geschlecht oder momentaner Gestimmtheit ganz erheblich auf die Leistungsfreudigkeit auswirken. Sie gilt es, bewusst zu machen.

 

Denn längst zählt nicht mehr nur die routinierte Aufgabenerledigung. Will eine Apotheke am Markt punkten, dann muss sie vor allem Leistungs-Kreativität zeigen. Sie entscheidet im Kampf um Kunden und Marktanteile. Und gerade sie wird durch wenig kluges Verhalten der Chefs am meisten in Mitleidenschaft gezogen.

 

Welche Verhaltensfehler wirken demotivierend?

 

1. Die Sucht, alles selbst zu bestimmen

Engagierte Mitarbeiter wollen Entscheidungs- und Handlungsfreiräume. Sie wollen einen Chef, der ihnen im Zweifelsfall mit Rat und Tat zur Seite steht, sie aber nicht bevormundet.

2. Geheimniskrämerei

Engagierte Mitarbeiter wollen wissen, was sich tut, was geplant ist, wo es Erfolge und wo es Probleme gibt. Sie verstehen ihren Vorgesetzten als Informationsbroker und erwarten von ihm Offenheit.

3. Entscheidungsschwäche

Engagierte Mitarbeiter legen Wert auf eindeutige Aussagen, zügige Entscheidungen, Risikobereitschaft und die konsequente Beseitigung von Unsicherheiten, die ihre Handlungsfähigkeit einschränken.

4. Unberechenbarkeit

Engagierte Mitarbeiter wollen eine kalkulierbare Reaktion. Wird die Tagesgestimmtheit des Chefs zur ausschlaggebenden Grundlage der allgemeinen Umgangsqualität, werden Lob und Kritik aus Launen heraus ausgesprochen, erweist sich Gunst als Maß aller Dinge, versiegt die Arbeitsfreude.

5. Sprunghafte Zielwechsel

Engagierte Mitarbeiter wollen den Sinn ihres Tuns verstehen. Springen Chefs planlos-unstet-ungeduldig von Ziel zu Ziel, fehlt den Mitarbeitern die  Basis für eine kraftvoll-kreative Leistung.

6. Taube Ohren

Engagierte Mitarbeiter haben etwas zu sagen. Doch sie wollen nicht nur berichten. Sie wollen tatsächlich Gehör finden und mitreden. Kluge  Chefs wissen deshalb: Die überlegene Leistung entwickelt sich im Dialog. Monologisierende Chefs sind Leistungsmörder.

7. Konfliktscheu

Engagierte Mitarbeiter, unorthodoxe Ideen, außergewöhnliche Vorgehensweisen und Widerspruch gehören zusammen. Chefs, die diese geballte Ladung Energie deckeln, schütten die betrieblichen Goldminen zu.

8. Misstrauen

Engagierte Mitarbeiter entwickeln ihre überdurchschnittliche Leistungsfähigkeit unter anderem aus dem Spannungsfeld von Versuch und Irrtum. Wird dieser Spannungsbogen laufend von einem auf Fehlersuche spezialisierten Vorgesetzten unterbrochen, zerbricht das Engagement.

9. Klugscheißerei

Engagierte Mitarbeiter stellen infrage und in Zweifel. Ernten sie statt Antworten aber Bevormundung, machen sie Dienst nach Vorschrift.

10. Selbstbeweihräucherung

Engagierte Mitarbeiter schöpfen und regenerieren ihre überdurchschnittliche Leistungsfähigkeit stark aus ihrem Umfeld. Sie begreifen Erfolg meist als Gemeinschaftsergebnis und reagieren mit Leistungsverweigerung, wenn sich ein Gruppenmitglied, insbesondere der Vorgesetzte, in den Vordergrund spielt.

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