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Medikationsmanagement

Mehr Verantwortung für Apotheker

19.11.2014
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Von Annette Mende, Konstanz / Das Medikationsmanagement als neue Dienstleistung der Apotheker war Thema der Jahres­tagung der Deutschen Gesellschaft für Klinische Pharmazie (DGKPha) in Konstanz. Dabei wurde deutlich: Apotheker wollen und müssen hier mehr Verantwortung übernehmen.

Eines der aktuellsten und zugleich spannendsten Themen nannte Karin Graf, Vizepräsidentin der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg, das Medikationsmanagement in ihrem Grußwort. Berufspolitisch birgt das Thema einigen Sprengstoff, denn viele Ärzte haben Vorbehalte gegen ein größeres Engagement der Apotheker in diesem Bereich und auch die Krankenkassen sind zurückhaltend, vor allem was die damit verbundenen Honorarforderungen der Apotheker angeht. Doch »in der öffentlichen Apotheke der Zukunft kann es nicht darum gehen, in erster Linie Packungen abzugeben«, betonte Graf.

 

Besser vernetzen

 

Die klinische Pharmazie bildet die Grundlage für das Medikations­management. »Da sind die Krankenhausapotheker den Kollegen in öffent­lichen Apotheken um Jahre voraus«, sagte Graf. Wünschenswert sei daher ein verstärkter Wissenstransfer vom Krankenhaus in die Offizin. Die Forderung nach einer besseren Vernetzung der Apotheker untereinander, aber auch mit Ärzten und Pflegekräften unterstrich Dr. Thilo Bertsche, Professor für klinische Pharmazie an der Universität Leipzig und Vorsitzender der DGKPha.

 

Viele Kollegen legten beim Thema Medikationsmanagement und Arzneimitteltherapiesicherheit bereits großes Engagement an den Tag. »Das müssen wir in die Fläche tragen und vor allem sichtbar machen«, so Bertsche. Eine intensive Zusammenarbeit mit alle beteiligten Heilberufen sei im Sinne des Patienten. »Das sollte uns motivieren, Differenzen zu überwinden.«

 

Mangelnde Kommunikation ist auch ein Grund dafür, dass beim Übergang zwischen ambulantem und stationärem Sektor nach wie vor eine Lücke klafft. Das machte Dr. Roberto Frontini deutlich, Leiter der Krankenhausapotheke der Uniklinik Leipzig und Präsident der europäischen Gesellschaft der Krankenhausapotheker (EAHP). Eine Möglichkeit diese Lücke zu überwinden, sei die elektronische Patienten­akte, gespeichert auf der elektronischen Gesundheitskarte. Dass dies wegen datenschutzrechtlicher Bedenken momentan noch nicht umgesetzt werde, könne er nicht nachvollziehen. »Wir machen uns Gedanken über den Datenschutz und verstehen nicht, dass das ein großer Fehler ist, weil wichtige Informationen verloren gehen.«

 

Besser werden müssten die (Krankenhaus-) Apotheker auch in der Dokumentation ihrer Leistungen. Eine Umfrage der EAHP habe 2010 ergeben, dass in Deutschland nur rund die Hälfte der Leistungen von Krankenhausapotheken dokumentiert wird. »Das bedeutet, dass wir nicht sichtbar sind. Denn wenn man seine Leistung nicht dokumentiert, heißt das, dass man sie nicht erbracht hat«, so Frontini.

 

Die Apotheker in Deutschland sollten anstreben, die Verantwortung für die Medikation ihrer Patienten zu übernehmen. »Wenn der Arzt die Verantwortung trägt, ist man als Apotheker mit einem Änderungswunsch immer auf dessen Wohlwollen angewiesen«, sagte Frontini. Nur wer die Verantwortung trage, könne selbst etwas entscheiden. Dazu gehöre aber auch, im Zweifelsfall zu seinen Fehlern zu stehen.

 

Eine solche Aufteilung der Zuständigkeiten ist hierzulande größtenteils Zukunftsmusik, in Großbritannien dagegen Realität. Dort hat Dr. Birgit Jandok Erfahrungen als klinische Pharmazeutin gesammelt, die sie jetzt am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel einbringt. Jandok berichtete von ihrer Tätigkeit im ABS-Team der Klinik, wobei ABS für Antibiotic Stewardship steht.

 

Apps entwickelt

 

»Ein Problem ist, dass es in Deutschland kein elektronisches Datenmanage­mentsystem gibt, das sich zur Unterstützung bei der Arbeit eignet«, sagte Jandok. Daher geht teilweise ein Großteil der Visitenzeit des interdisziplinären ABS-Teams für die Übertragung von Daten aus der Patientenakte in eine Excel-Tabelle verloren. Zusammen mit Informatik-Studenten der Uni Kiel entwickelten Jandok und ihre Kollegen mehrere Apps für diese Aufgabe. Die Zusammenarbeit war für beide Seiten bereichernd, denn die Studenten freuten sich, dass ihre Arbeit gebraucht und später auch angewendet wird. »Und wir haben durch die Fragen der Studenten Anregungen bekommen, wie wir unsere Arbeitsabläufe optimieren können«, so Jandok. Wie gut sich die Apps in der Praxis bewähren, wird sich jetzt in der Testphase herausstellen. /

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