Pharmazeutische Zeitung online
Diabetestherapie

Arzt und Apotheker gemeinsam

19.11.2013
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Von Sven Siebenand, Berlin / Die Apotheke kann in der Versorgung von Diabetikern einiges leisten. Für den Berufstand ist das klar, für viele Ärzte nicht unbedingt. Der Mediziner Dr. Alexander Risse aus Dortmund brach auf der Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) eine Lanze für die interdisziplinäre Zusammenarbeit.

»Wem erzählt der Patient seine Probleme und wo fragt er nach Informationen? Bestimmt nicht dem Arzt und in der Praxis«, so Risse. Ein großer Teil der Beratungsleistung finde in den Apotheken statt. Der Mediziner ist Vorsitzender der Kommission »Einbindung der Apotheker in die Diabetikerversorgung« (EADV), eine gemeinsame Kommission der DDG und der Bundesapothekerkammer. Obwohl es EADV schon seit mehreren Jahre gibt, sei er immer wieder erstaunt, dass viele Ärzte die Kommission nicht kennen. 

 

Die zertifizierte Fortbildung zum »diabetologisch qualifizierten Apotheker DDG« haben mittlerweile schon etwa 5000 Apotheker absolviert. Auf der Website der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände gibt es unter www.abda.de/kommission-eadv.html viele Informationen und Arbeitsmaterialien dazu. Risse kritisierte, dass das Engagement der Apotheker vonseiten der Ärzte oft vertuscht werde. In vielen Regionen werde keine Liste zur Verfügung gestellt, wo sich zertifizierte Apotheken befinden.

 

Wissen zunutze machen

 

Für den Mediziner liegen die Vorteile einer interdisziplinären Zusammenarbeit klar auf der Hand. Das Wissen der Apotheker über die Wirkung von Medikamenten, über Nebenwirkungen und Interaktionen sollte man sich unbedingt zunutze machen, so der Referent. Auch multiple Verschreibungen, unter Umständen von verschiedenen Fachärzten, werden Risse zufolge eher in den Apotheken entdeckt. Positiv hob er auch die gute regionale Feldkenntnis der Apotheken hervor und dass die Apotheken außerhalb der ärztlichen Konkurrenz agieren können.

 

Sowohl in der Diabetesprävention als auch in der Versorgung von Menschen mit Diabetes können Apotheken wichtige Aufgaben aufnehmen. Die Rolle in der Prävention können Apotheker zum Beispiel durch die Identifizierung von Personen mit hohem Erkrankungsrisiko und durch die Motivation zur Teilnahme an Präventionsangeboten erfüllen. Bei der Versorgung von Diabetikern können sich die Apotheker bei der pharmazeutischen Betreuung hervortun. Konkret nannte Risse folgende Tätigkeitsfelder: Überprüfung des Medikationsplanes auf Vollständigkeit und Plausibilität, Hinweise auf potenzielle Arzneimittel-bezogene Probleme oder Ereignisse und Vorschläge zur Lösung für Arzt und Patient, Erklärung der Anwendung und Lagerung von Arzneimitteln und Optimierung des Selbstmanagements des Patienten.

 

»Viele Apotheken sind sehr nah an Selbsthilfegruppen dran«, sagte Manfred Krüger, Apotheker aus Krefeld. Aus diesem Verständnis heraus könne auch viel Unterstützung für Menschen mit Diabetes kommen. Krüger räumte ein, dass Diabetiker eine intensive und zeitaufwendige Beratung benötigen. Er habe sein Personal deutlich aufstocken müssen. Dennoch zahle sich dieses Engagement unter dem Strich durchaus aus. /

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