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Konzertabend Davos

Die Chance genutzt

19.11.2012
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Von Barbara Haack / Unterschiedliche Institutionen widmen sich in Deutschland mittlerweile der Entdeckung und Förderung musikalischer Hochbegabungen. Die jungen Musiker, die im Februar in Davos konzertieren, profitieren bereits seit mehreren Jahren von solchen Einrichtungen.

Die beschauliche Stadt Regensburg am südlichen Ende der Oberpfalz hat eine Reihe von Sehenswürdigkeiten zu bieten. Bekanntester Export-Schlager der »kleinen Großstadt« aber sind die »Regensburger Domspatzen«, die nicht nur innerhalb der Stadtgrenzen, sondern auch in vielen Konzerten im In- und Ausland sowie mit CD-Aufnahmen auf ihre exklusive Vokalkunst und hervorragende Nachwuchsarbeit aufmerksam machen. Julian Habermann und Alexander Wagner haben ihre Schulzeit als Domspatzen verbracht. Die Förderung beginnt hier traditionsgemäß sehr früh, lange vor dem Stimmbruch werden die Nachwuchssänger neben der schulischen Ausbildung intensiv musikalisch betreut. Hochbegabungen können so schon in den Anfangsjahren erkannt und in besonderer Weise gefördert werden.

 

»Nur nicht abheben«, lautete der Kommentar von Julian Habermanns Mutter nach der ersten Teilnahme ihres Sohnes am Bundeswettbewerb »Jugend musiziert« Pfingsten 2012. Dieser Rat allerdings war nicht ganz leicht zu befolgen, hatte der junge Sänger doch gemeinsam mit seinem Partner am Klavier nicht nur die Höchstpunktzahl erreicht, sondern gleich auch noch zwei attraktive Sonderpreise gewonnen. Einer davon ist der Sonderpreis der Bundesapothekerkammer, verbunden mit einem Konzertauftritt im Rahmen des Pharmacon-Kongresses in Davos.

 

Seine Liebe zum Gesang hat Julian schon in der Grundschule der Domspatzen entdeckt – und später im Regensburger Domspatzen-Gymnasium weiterentwickelt. Als Mitglied des Knabenchors unter Domkapellmeister Roland Büchner war er während seiner Schulzeit beim legendären Konzert in der Sixtinischen Kapelle im Oktober 2005 ebenso dabei wie beim Papstbesuch 2006 in Regensburg. 2006 nahm er außerdem an der Schweiztournee der Domspatzen gemeinsam mit der Swiss Army Brass Band teil. Inzwischen ist der junge Tenor am Pre-College der Musikhochschule Würzburg eingeschrieben und bereitet sich dort auf ein Gesangsstudium vor. »Nur nicht abheben«, musste es dann kürzlich auch heißen, als er im Junior-Wettbewerb des höchst renommierten »Bundeswettbewerbs Gesang« auf Anhieb in die Finalrunde gelangte. Seine Gesangskarriere steht erst am Anfang – und weist doch bereits große Erfolge auf.

 

Sein musikalischer Partner Alexander Wagner, ebenfalls Zögling der Regensburger Domspatzen, hat sich früh dem Klavier zugewandt. Mit fünf Jahren begann er mit dem Unterricht, bereits mit sieben Jahren schrieb er erste eigene Kompositionen. Mit gerade einmal 17 Jahren machte er sein Abitur – und hat inzwischen sowohl als Pianist wie mit seinem kompositorischen Werk Aufmerksamkeit erregt. Solo-Klavierabende hat er nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich, Frankreich und der Schweiz gegeben. Und seine erste Sinfonie, die er mit 14 Jahren komponierte, wurde von der Bulgarischen Nationalphilharmonie nicht nur aufgeführt, sondern auch auf CD eingespielt. Auf den Auftritt der beiden hochbegabten und kreativen Künstler dürfen sich die Davoser Konzertbesucher also freuen. Zu Gehör bringen sie unter anderem Lieder von Johannes Brahms, Robert Schumann und Franz Schubert.

 

Erst 14 Jahre jung sind die beiden Musiker, die die andere Konzerthälfte in Davos bestreiten werden. Beide wurden schon im jungen Alter von musikalischen Koryphäen betreut: Die Geigerin Julia Heusler aus Düsseldorf erhält Unterricht bei Krzysztof Wegrzyn, dem international bekannten Violinprofessor aus Hannover. Jun-Ho Gabriel Yeo aus Münster war Schüler des renommierten Klavierprofessors Karl-Heinz Kämmerling bis zu dessen Tod im Jahr 2012. Auch diese beiden jungen Musiker kommen in den Genuss einer besonderen Begabtenförderung: Hinter dem etwas sperrigen Titel »Institut zur Früh-Förderung musikalisch Hochbegabter« (IFF) verbirgt sich eine Institution der Musikhochschule Hannover, die Kinder schon ab dem Alter von neun Jahren fördert, wenn sie als musikalisch hochbegabt eingestuft werden. Gerade in der Musik sind Begabungen in sehr jungem Alter erkennbar – und die Förderung solcher Talente kann nicht früh genug einsetzen. In Zeiten von Ganztagsschule und G8-Gymnasium, in denen Kinder immer weniger Zeit haben, besonderen Begabungen nachzugehen, gewinnen solche Institutionen zunehmend an Bedeutung – ermöglichen sie doch einen Freiraum, den »normale« Kinder immer weniger beanspruchen können. Gabriel Yeo und Julia haben ihre Chance genutzt. Die Höchstpunktzahl bei »Jugend musiziert« in der Wertung »Duo Klavier und Geige«, die bereits in dieser Altersgruppe eine starke Konkurrenz aufweist, ist nur einer ihrer bisherigen Erfolge. In Davos dürfen sich die Konzertbesucher auf die wunderschöne Sonate für Violine und Klavier von Edvard Grieg freuen – und damit auf einen musikalischen Hochgenuss. /

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