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Therapie und Prävention

Erste Erfolge bei Zika-Infektionen

16.11.2016
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Von Daniela Hüttemann / Gleich mehrere Forschergruppen haben kürzlich Erfolge bei der Behandlung und Prävention von Zika- Infektionen vermeldet. Eine Gruppe fand einen Antikörper, der ungeborene Mäuse vor Fehlbildungen schützt. In Tierversuchen erwies sich eine DNA-Vakzine als wirksam. Außerdem startete die erste klinische Impfstoffstudie mit inaktivierten Viren.

Das Zika-Virus löst bei Erwachsenen meist nur eine milde Infektion aus, ledig­lich einer von fünf Infizierten zeigt überhaupt Symptome. Infizieren sich jedoch Schwangere, greift das Virus auch den Fetus an und kann zu Behinderungen wie Mikrozephalien führen. Zudem persistiert das Virus in bestimmten Organen des Körpers wie in den Augen und Hoden und kann zumindest bei Mäusen dort zu Langzeitschäden führen. An Impfstoffen und Behandlungsmöglichkeiten wird seit Ausbruch einer großen Epidemie in Latein­amerika 2015 intensiv geforscht.

 

Impfstoff dringend benötigt

In den USA startete vergangene Woche eine Phase-I-Studie mit einem potenziellen Impfstoff gegen das Zika-Virus, meldet die US-Gesundheitsbehörde NIH. Die sogenannte ZPIV-Vakzine (Zika Purified Inactivated Virus) enthält ganze Viruspartikel, die inaktiviert wurden und sich somit nicht mehr replizieren und die Erkrankung auslösen können. Die Wissenschaftler vom Walter Reed Army Institute for Research (WRAIR), das zum US-Verteidigungsministerium gehört, setzen auf die gleiche Technologie wie beim Impfstoff gegen Japanische Enzephalitis, die genau wie Zika durch ein Flavivirus ausgelöst wird. Die Virushülle bleibt dabei intakt, sodass das menschliche Immunsystem die Oberflächenproteine erkennen kann.

 

Nachdem die Vakzine in präklinischen Tests und Tierversuchen mit Primaten eine Immunantwort auslösen konnte, wird der Impfstoffkandidat nun zunächst an 75 gesunden Personen im Alter zwischen 18 und 49 Jahren getestet, die sich zuvor noch nicht mit einem Flavivirus infiziert hatten. Zu den Flaviviren gehören neben den Erregern von Zika und Japanischer Enzephalitis auch Gelbfieber-, Dengue- und West-Nil-Viren. Antikörper gegen einen dieser Erreger weisen eine hohe Kreuz­reaktivität zu anderen Flaviviren auf. In der Studie bekommen 25 Probanden zwei intramuskuläre Injektionen der ZPIV-Vakzine oder Placebo im Abstand von 28 Tagen. In den anderen beiden Gruppen erhalten jeweils 25 Probanden zunächst eine Impfung gegen Japanische Enzephalitis oder Gelbfieber und im Anschluss zwei Dosen ZPIV. Laut dem Armee-Institut werden viele Soldaten vor ihren Einsätzen gegen diese Erkrankungen immunisiert. Mit den letzten beiden Studienarmen soll daher getestet werden, wie sich eine eventuelle Kreuzreaktion auswirkt.

 

Die Studie soll im Herbst 2018 beendet werden. Parallel sollen in den kommenden Monaten vier weitere vom WRAIR initiierte Phase-I-Studien zu Dosis­findung und Impfintervall, Immunogenität bei Patienten mit vorangegangener Dengue-Infektion sowie zur Kombination mit einem experimentellen Zika-Impfstoff auf DNA-Basis anlaufen. Das an der Entwicklung beteiligte National Institute of Allergy and Infectious Diseases hatte bereits im August den Start einer klinischen Untersuchung mit der DNA-Vakzine VRC-ZKADNA085-00-VP verkündet.

 

An einer synthetischen DNA-Vakzine arbeitet auch eine Forschergruppe aus den USA und Kanada. Vergangene Woche berichtete die Gruppe um Professor Dr. David B. Weiner vom Wistar-Institut in Philadelphia, Pennsylvania, in »NPJ Vaccines«, dass ihr Impfstoffkandidat bei Mäusen und Primaten eine antigenspezifische zelluläre und humorale Immun­antwort auslöst. Der synthetisch hergestellte Impfstoff enthält ein Plasmid, in dem sich die Gene für das sogenannte Prämembran- und Envelope- Protein (prME) des Zika-Virus befinden (DOI: 10.1038/npjvaccines.2016.21).

 

Antikörper schützt Fetus

 

Einen humanen Antikörper zur Behandlung bereits infizierter Personen haben US-Forscher gefunden. Der neutralisierende Antikörper ZIKV-117 konnte bei schwangeren Mäusen eine Übertragung des Virus auf den Fetus verhindern. Auch die erwachsenen Tiere waren durch die Antikörpergabe vor tödlichen Dosen des Erregers geschützt, berichten die Wissenschaftler um Dr. Gopal Sapparapu von den Vanderbilt Vaccine Centers in Nashville, Tennessee, in der aktuellen Ausgabe von »Nature« (DOI: 10.1038/nature 20564). Die Forscher isolierten 29 Antikörper gegen Oberflächenproteine des Zika-Virus aus dem Blut erkrankter Menschen. Anhand von In-vitro-Studien suchten sie mit ZIKV-117 den potentesten Antikörper aus, der gegen fünf Virus­stämme aus Afrika, Asien und Amerika wirkt. Diesen injizierten sie schwangeren Mäusen einen Tag vor oder einen Tag nach einer Infektion mit dem Zika-Virus. In beiden Fällen reduzierte ZIKV-117 die Virus­level sowohl bei den Müttern als auch bei den Feten und in den Plazenten.

 

»Diese natürlich vorkommenden menschlichen Antikörper stellen die erste medizinische Intervention dar, die eine Zika-Infektion und Schädigung von Feten verhindert«, kommentiert Dr. James Crowe, einer der zwei Seniorautoren der Studie und Direktor des Vanderbilt Vaccine Centers. Damit könnte eine Antikörperbehandlung für schwangere Frauen entwickelt werden. »Das ist ein Machbarkeitsnachweis, dass eine Zika-Infektion während der Schwangerschaft behandelbar ist, und wir haben bereits einen humanen Antikörper, zumindest in Mäusen«, so der andere Seniorautor, Dr. Michael Diamond, Professor an der Washington University in St. Louis, Missouri. Die Forscher hoffen auch auf eine langfristige Immunität der Behandelten. Derzeit planen sie Studien mit ZIKV-117 an Affen und hoffen, innerhalb eines Jahres Studien mit menschlichen Probanden beginnen zu können.

 

Der Antikörper müsste, wenn er sich in klinischen Untersuchungen als sicher und effektiv erweist, bei Schwangeren in Endemiegebieten prophylaktisch über die gesamte Schwangerschaft gegeben werden, so die Forscher. Einfacher und billiger wäre es, eine Vakzine gegen das Virus zu entwickeln und Schwangere beziehungsweise Frauen im gebärfähigen Alter zu impfen, um Fehlbildungen bei Ungeborenen zu verhindern. /

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