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Passive Immunisierung

Ultrapotenter Antikörper gegen das Zikavirus

Eine Infektion mit dem Zikavirus während der Schwangerschaft stellt für das ungeborene Kind eine große Gefahr dar. Denn bei bis zu 14 Prozent der Säuglinge, die von infizierten Müttern geboren werden, verursacht die Infektion neurologische Entwicklungsstörungen. Ein Schutz durch eine passive Immunisierung mit einem Antikörper könnte dieses Problem lindern.
Theo Dingermann
22.11.2022  12:55 Uhr
Ultrapotenter Antikörper gegen das Zikavirus

Das Zikavirus (ZIKV) wird durch infizierte Aedes-aegypti-Mücken übertragen. Schwangere, die sich mit dem Virus infizieren, geben den Erreger an den ungeborenen Fetus weiter. Während der Erreger bei Erwachsenen in der Regel nur leichte Erkrankungen verursacht, kann er bei ungeborenen Kindern durch mütterliche Infektionen für schwere Geburtsfehler verantwortlich sein. Insbesondere wenn sich die werdende Mutter in den ersten sechs Monaten der Schwangerschaft infiziert, kann dies beim Fetus zu Fehlbildungen des Gehirns führen. Außerdem werden neurologische Auffälligkeiten, Fehlentwicklungen wie Plazentainsuffizienz und intrauterine Wachstumsretardierung bis hin zum Tod des Kindes mit der Infektion in Verbindung gebracht. Da es derzeit noch keinen zugelassenen Impfstoff gegen ZIKV gibt, wird mit Nachdruck nach anderen Interventionsoptionen gesucht.

Eine Möglichkeit stellt ein Team um Dr. Tulika Sing von der University of California in Berkeley nun vor. Diese Forschenden isolierten aus dem Blut einer mit dem Zikavirus infizierten schwangeren Frau einen pentameren, ZIKV-spezifischen IgM-Antikörper (DH1017.IgM), der abhängig vom IgM-Isotyp eine ultrapotente Virus-Neutralisierung zeigte. Die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit wurden nun im Fachjournal »Cell« publiziert.

Die Frau, deren Blutproben in Brasilien während des Zika-Ausbruchs im Jahr 2015 entnommen wurden, hatte ein scheinbar gesundes Baby geboren, obwohl bei ihr über fast zwei Monate Zikaviren im Blut nachweisbar gewesen waren. Dies ist eine ungewöhnlich lange Expositionszeit mit dem Virus.

Die Forschenden identifizierten im Blut dieser Frau B-Zellen, die einen IgM-Antikörper produzierten, der in der Lage ist, sehr effizient virale Partikel zu binden und diese dann daran zu hindern, in Zellen einzudringen. In Experimenten mit Mäusen stellten die Forschenden fest, dass der Antikörper die Tiere nicht nur vor ansonsten tödlichen Infektionen schützte, sondern den Virustiter auch so weit reduzierte, dass ZIKV im Blut der Tiere nicht mehr nachweisbar war.

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