Pharmazeutische Zeitung online
Studentenbefragung

Erwartungen an den Arbeitsplatz

10.11.2015  15:50 Uhr

Von Uwe Hüsgen / An elf Universitäten ließ die Noweda im Sommersemester 2015 eine Befragung unter Pharmaziestudenten durchführen. Damit wollte der Pharmagroßhändler herausfinden, welche Wünsche und Vorstellungen sie im Hinblick auf ihre berufliche Zukunft haben. Insgesamt wurden die Fragebögen von 531 Teilnehmern ausgewertet.

Wie im Gesundheitswesen generell feststellbar, ist auch bei den Pharmaziestudierenden der Frauenanteil sehr hoch. Ihr Anteil im Rahmen der vorliegenden Studie machte 78,2 Prozent aus. Weiblichen Geschlechts waren über 80 Prozent aller Studierenden der Universität Jena (88 Prozent), der Universität Berlin (82,5 Prozent) und der Universität Halle-Wittenberg (81,3 Prozent). Am niedrigsten fiel der Frauenanteil an der Universität Düsseldorf aus (71 Prozent). Der Frauenanteil der in öffentlichen Apotheken tätigen Pharmazeuten betrug im Jahre 2014 nach Angaben der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände übrigens 71,3 Prozent.

Das Durchschnittsalter der Teilnehmer lag im Erhebungszeitraum bei knapp 24 Jahren, wobei rund drei Viertel der Befragten (72,9 Prozent) zwischen 21 und 24 Jahren alt waren. Dabei war die angestrebte Zielgruppe, nämlich Studenten des sechsten bis achten Semesters, sehr gut vertreten. Der Anteil dieser Studierenden an der Gesamtzahl der Seminarteilnehmer lag bei 85,5 Prozent.

 

Interessiert hat auch das Thema, in-wieweit die Teilnehmer bei der Wahl des Studiums vom Elternhaus geprägt wurden. So kam jeder siebte Befragte (14,1 Prozent) aus einer Apotheker- beziehungsweise Arztfamilie. Der Anteil an der Universität Münster lag hier mit 23,1 Prozent am höchsten, während an der Universität Mainz kein Studierender aus einer Apotheker- oder Arzt- familie stammte.

 

Praktische Erfahrungen

 

Von insgesamt 516 Studierenden, die die Frage nach der Praxiserfahrung beantwortet und zugleich Angaben zum Geschlecht gemacht haben, konnten 441 Studierende (83,9 Prozent) bereits praktische Erfahrungen in einer öffentlichen Apotheke sammeln. Während 86,3 Prozent der weiblichen Teilnehmer bereits Praxiserfahrung in einer öffentlichen Apotheke hatten, war dies bei 75,9 Prozent der männlichen Teilnehmer der Fall.

 

Auf die Frage, welche weiteren praktischen Erfahrungen bereits gemacht worden sind, konnten insgesamt 166 Antworten registriert werden (Mehrfachnennungen möglich). So haben von den 108 Studierenden, die Erfahrung in einer Krankenhaus-Apotheke gesammelt haben, 106 auch Erfahrung in einer öffentlichen Apotheke gemacht; nur zwei Studierende waren ausschließlich in einer Krankenhaus-Apotheke. Und von den 42 Studierenden, die Erfahrung in Großhandel und/oder Industrie gesammelt haben, haben 36 auch Erfahrung in einer öffentlichen Apotheke gemacht; nur sechs Studierende haben dies ausschließlich in Großhandel und/oder Industrie getan. Noch keine praktischen Erfahrungen hatten 13,6 Prozent der Befragten machen können.

 

Pläne nach dem Studium

 

Auf die Frage »Welche Pläne haben Sie nach bestandenem Staatsexamen?« haben insgesamt 528 Studierende geantwortet. Gut die Hälfte der Befragten (53,2 Prozent) will nach Studienende einen Arbeitsplatz außerhalb der Universität annehmen. Nach Studienorten gegliedert, liegt die Universität Braunschweig bei dieser Antwort mit 66,7 Prozent an der Spitze, gefolgt von der Universität Greifswald (65,7 Prozent) und der Universität Halle-Wittenberg (65,6 Prozent). An der Universität Bonn streben dagegen nur 30,3 Prozent der Befragten einen Arbeitsplatz außerhalb der Universität an.

 

An der Universität promovieren wollten 14,1 Prozent der Befragten. Bei den männlichen Studenten machte der Anteil 29,7 Prozent aus, während der Anteil bei den Studentinnen mit 9,9 Prozent niedriger ausfiel. Am deutlichsten verbreitet war der Promotionswunsch an der Universität Bonn, wo fast jeder Vierte (24,2 Prozent) Promotionsabsichten hegte, während der Anteil an der Universität Leipzig mit 6,9 Prozent am unteren Ende der Auswertung lag.

 

Noch keine konkreten Zukunftspläne hatten 30,3 Prozent der Studierenden. Hier lag der Anteil der Studentinnen (28,6 Prozent) deutlich unter dem ihrer männlichen Kollegen (36,0 Prozent). Den höchsten Anteil an Unentschiedenen wies die Universität Münster (47,6 Prozent) aus. Ganz anders die Situation in Braunschweig; hier lag der Anteil der Unentschiedenen bei nur 18,8 Prozent.

 

Mobilität hinterfragt

 

Insgesamt 522 der 531 Befragten haben auf die Frage der Mobilität mit Blick auf die zukünftige Arbeitsstelle geantwortet. Mit 27,4 Prozent sind jene Studierenden, die sich als auslandsmobil einstuften, der kleinsten von drei möglichen Gruppen zuzuordnen. Während bei den männlichen Studierenden mehr als jeder Dritte (36,7 Prozent) angab, er sei auslandsmobil, war es bei den Kommilitoninnen nur etwa jede Vierte (24,4 Prozent).

 

Zwar nicht als auslandsmobil, aber immer noch als mobil bezeichneten sich 44,3 Prozent der Befragten. Hier lag der Anteil bei den Frauen mit 45,9 Prozent deutlich über dem der Männer (39,4 Prozent).

 

Insgesamt gaben 28,4 Prozent der Studierenden an, sie seien ortsgebunden. Während 29,7 Prozent der Studentinnen diese Angabe machten, waren es bei ihren männlichen Kommilitonen nur 23,9 Prozent.

 

Wunscharbeitsplatz

 

Die Frage »Wo möchten Sie nach Ihrem Studienabschluss arbeiten?« haben 510 Seminarteilnehmer beantwortet. Bei dieser Frage konnten mehrere Antworten angekreuzt werden. Drei Studierende (0,6 Prozent) hatten zum Zeitpunkt der Befragung bereits eine konkrete Arbeitsplatzzusage. 300 Teilnehmer (58,8 Prozent) gaben als Wunsch­arbeits­platz die öffentliche Apotheke an. Dabei lag der Anteil der Studentinnen (63,9 Prozent) deutlich über dem ihrer männlichen Kollegen (42,1 Prozent).

 

Bei dieser Frage Spitzenwerte erzielten die Universitäten in Greifswald (69,4 Prozent), Leipzig (69 Prozent) und Halle-Wittenberg (68,8 Prozent) die Spitzenwerte. Jena (42,3 Prozent) und Bonn (43,8 Prozent) bildeten bei dieser Frage sozusagen die Schlusslichter.

 

An zweiter Stelle bei den Wunsch-arbeitsplätzen lag die Krankenhaus-Apotheke mit 42,2 Prozent Zustimmung, äußerst knapp gefolgt von dem Wunsch nach einem Arbeitsplatz beim pharmazeutischen Großhandel beziehungsweise der pharmazeutischen Industrie (42,0 Prozent).

 

Während sich beim Arbeitsplatzwunsch Krankenhaus-Apotheke die geschlechtsspezifische Verteilung ähnlich darstellte wie bei der öffentlichen Apotheke, verkehrte sich das Verhältnis beim Arbeitsplatzwunsch Großhandel/Industrie ins genaue Gegenteil. 58,9 Prozent der Männer möchten nach Studienende offensichtlich in Großhandel oder Industrie tätig werden, während der Anteil bei den Frauen nur 37,1 Prozent ausmachte.

 

Interessant, zugleich aber auch – standortbedingt – nachvollziehbar ist, dass an der Universität Mainz fast 70 Prozent der Befragten als zukünftigen Arbeitsplatzwunsch pharmazeutischer Großhandel und/oder pharmazeutische Industrie angaben. Der niedrigste Wert wurde an dieser Stelle in Greifswald (mit 24,2 Prozent) erreicht.

 

Attraktivität des zukünftigen Arbeitsplatzes

 

Interessant war auch, welche Anforderungen den angehenden Pharmazeuten mit Blick auf den zukünftigen Arbeitsplatz wichtig sind. An erster Stelle steht für die junge Generation die Vereinbarkeit von Beruf und Familie (82,4 Prozent), mit deutlichem Abstand (65,4 Prozent) gefolgt von der Möglichkeit, Karriere zu machen (Übernahme von Verantwortung). Auf den Plätzen drei und vier rangieren die »Angemessene Vergütung« (55,3 Prozent) und das »Familiäre Betriebsklima« (53,8 Prozent). Auf dem fünften Rang folgt die »Arbeitsplatzsicherung bei Schwangerschaft« (48,7 Prozent). Dieser hohe Wert kommt dadurch zustande, dass 61,0 Prozent der Studentinnen dieses für wichtig hielten, während bei den Männern gerade einmal 4,5 Prozent der Befragten diese Antwort für wichtig empfanden. Auch eine »Flexible Arbeitszeit« wünschten sich mehr weibliche als männliche Studierende. Während der Anteil bei den Studentinnen 43,7 Prozent betrug, lag er bei den männlichen Kommilitonen bei 31,8 Prozent, sodass der Gesamtwert mit 41,2 Prozent anzugeben ist (Abbildung 1).

Der Anteil der angehenden Pharmazeuten, die später als selbstständige Apotheker-Unternehmer tätig sein wollen, lag gerade einmal bei 20,1 Prozent. Bei zur Zeit etwa 1800 Approba­tionen pro Jahr würden demnach jährlich rund 360 Pharmazeuten neu als Apotheken-Unternehmer starten. Bei derzeit etwa 16 260 Apotheken mit einer Betriebserlaubnis nach § 2 Apothekengesetz liegt der »Ersatzbedarf« allein rechnerisch deutlich darüber. Unter Berücksichtigung der aktuellen Altersstruktur der Apotheken-Inhaber reicht die Zahl der Studierenden, die später eine Apotheke übernehmen wollen, bei Weitem nicht aus.

 

Arbeitsplatz Apotheke

 

Schließlich wurde die Frage gestellt »Für den Fall, dass Sie eine Stelle in einer Apotheke anstreben: Was ist im Rahmen Ihrer zukünftigen Tätigkeit für Sie persönlich wichtig?« Vorbemerkung: Von den 300 Studierenden, die nach Studienende einen Arbeitsplatz in einer öffentlichen Apotheke, und von den 215 Studierenden, die einen solchen in einer Krankenhaus-Apotheke anstreben, haben 128 angehende Pharmazeuten beides angegeben, sodass in Summe 387 Studierende zukünftig in einer öffentlichen Apotheke oder in einer Krankenhaus-Apotheke tätig sein wollen. Und dennoch haben – überraschenderweise – 471 Studierende auf die oben genannte Frage geantwortet. Das lässt die Vermutung zu, dass auch jene, die keinen Arbeitsplatz in einer Apotheke, sei sie nun öffentlich oder zu einem Krankenhaus gehörig, anstreben, bereit sind, in einer Apotheke tätig zu werden, wenn sich ihr ursprünglicher Berufswunsch nicht erfüllen sollte.

 

Ganz vorne, mit 81,1 Prozent der Nennungen, stand bei den angehenden Pharmazeuten das »Patientenorientierte Arbeiten«. Dabei war dieser Wunsch bei den Studentinnen mit 84,4 Prozent wesentlich ausgeprägter als bei ihren männlichen Kollegen (66,3 Prozent).

An zweiter Stelle folgte mit 71,8 Prozent der Nennungen der Wunsch nach einem angemessenen »Fort- und Weiterbildungsangebot der Apotheke«. Das gaben 78,4 Prozent der Studentinnen und 45,3 Prozent der Studenten an.

 

Direkt hinter der Fort- und Weiterbildung folgte der Wunsch nach einem »kooperativen Arzt-Apotheker-Verhältnis« mit 70,3 Prozent Zustimmung. Hier gab es zwischen den Geschlechtern nur sehr geringe Unterschiede.

 

Während der Wunsch nach einem »familiären Betriebsklima« mit Blick auf die Attraktivität des zukünftigen Arbeitsplatzes (nicht zwingend Apotheke!) für 53,8 Prozent der Teilnehmer wichtig war, scheint das »familiäre Betriebsklima« bei einer Beschäftigung in einer Apotheke den Betroffenen noch wichtiger. Denn immerhin hielten 61,6 Prozent der Befragten dies mit Blick auf die Attraktivität des Arbeitsplatzes Apotheke für sehr bedeutend. Und auch hier waren es wieder die Frauen (63,5 Prozent), denen sehr an einem familiären Betriebsklima gelegen scheint. Die Männer kamen hier auf einen Wert von 53,7 Prozent.

Beim »Wissenschaftsorientierten Arbeiten«, das 28 Prozent der Befragten für wichtig hielten, kehrte sich das Verhältnis um. Für die Studentinnen ist das in 24,5 Prozent der Fälle wichtig; bei den männlichen Kollegen dagegen für 41,1 Prozent. Der »Bürokratieabbau« war insgesamt 27,8 Prozent der Befragten ein Anliegen. Hier gab es zwischen den Geschlechtern nur sehr geringe Unterschiede (Abbildung 2).

 

Bewertung der universitären Ausbildung

 

Da vonseiten der Berufsorganisation eine Änderung der Approbationsordnung angestrebt wird, wurde den Studierenden die Frage gestellt »Wie bewerten Sie die universitäre Ausbildung im Fach Pharmazie mit Blick auf Ihre zukünftigen Aufgaben?« Diese Fragen haben 520 der insgesamt 531 Teilnehmer beantwortet. Mit der Durchschnittsnote von 2,82 können die Universitäten zufrieden sein. Die Analyse der Abweichungen zwischen den einzelnen Universitäten könnte dabei für den Prozess der Änderung der Approbationsordnung unter Umständen hilfreich sein.

 

Fazit

 

Eine solche Analyse, wie sie die Noweda aktuell vorgelegt hat, war überfällig. Das Interesse der Abiturienten am Fach Pharmazie ist offensichtlich ungebrochen. Vor allem junge Frauen fühlen sich zu diesem Beruf hingezogen. Damit der Nachwuchs nicht wegbricht, sollten die »alten Hasen« positiv(er) über die Tätigkeit in der Offizin berichten. Patienten­orientiertes Arbeiten steht bei den angehenden Pharmazeuten immer noch an erster Stelle ihrer persönlichen Prioritäten. Der Wunsch nach dem persönlichen Kontakt mit den Patienten prägt nach wie vor die heilberufliche Vorstellung der Pharmaziestudierenden. Jetzt müssen die Rahmenbedingungen geschaffen werden, die Attraktivität der heilberuflichen Tätigkeit des Apothekers in seiner Offizin zu stärken. /

Gastkommentar

Selbstständigkeit attraktiver machen

Die Förderung des pharmazeutischen Berufsnachwuchses ist für die Noweda eine Herzensangelegenheit. Bereits 1997 starteten wir die Seminarreihe »Praxisnahe betriebswirtschaftliche Ausbildung für Pharmaziestudierende« an der Martin-Luther-Universi­- tät Halle-Wittenberg, die aktuell an 13 Universitäten in Deutschland angeboten wird.

 

Vor dem Hintergrund des demogra­fischen Wandels und angesichts der erkennbaren Nachwuchsprobleme in Apotheken wurden die Seminarteilnehmer zu ihren Zukunftsperspek­tiven befragt. Und die Ergebnisse lassen aufhorchen.

 

Auf die Frage, welche Anforderungen den angehenden Pharmazeuten bezüglich ihres zukünftigen Arbeitsplatzes wichtig sind, wurde an erster Stelle die »Vereinbarkeit von Beruf und Familie« genannt. Auf die Frage, was den angehenden Pharmazeuten im Rahmen ihrer zukünftigen Tätigkeit in einer Apotheke persönlich wichtig ist, stand das »Patientenorientierte Ar­beiten« an erster Stelle. Ich denke, wir können heute stolz auf die Pharmaziestudierenden sein, die einerseits Wert legen auf ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Familie und Beruf, andererseits die Priorität ihrer zukünftigen Tätigkeit in der heilberuflichen Betreuung der ihnen anvertrauten Patienten sehen.

 

Nachdenklich stimmt allerdings das Ergebnis, dass nur jeder Fünfte der befragten Studierenden später Apotheken-Inhaber werden möchte. Man muss wohl konstatieren, dass die fehlende Anerkennung für die gesellschaftliche Leistung seitens der Politik Wirkungen zeigt. Große, gemeinsame Anstrengungen sind notwendig, um den Beruf des selbstständigen Apothekers attraktiver darzustellen. Das Berufsbild des Pharmazeuten muss bereits Gymnasiasten vor deren Berufsentscheidung vermittelt werden, so wie es die Noweda mit einem Oberstufentag umsetzt.

 

Mit Blick auf den gesetzlichen Auftrag für eine wohnortnahe und schnelle Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln sucht die Noweda den öffentlichen Dialog und bietet Engagement und innovative Ideen als Unterstützung an.

 

Wilfried Hollmann, Vorsitzender des Vorstandes der Noweda eG Apothekergenossenschaft

Mehr von Avoxa