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Jubiläum

125 Jahre DPhG

10.11.2015  15:21 Uhr

Von Daniel Rücker, Berlin / Mit mehr als 10 000 Mitgliedern ist die Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft (DPhG) eine der großen wissenschaftlichen Gesellschaften. Zudem ist sie eine traditionsreiche Organisation. Am 6. November 2015 feierte sie in Berlin ihr 125. Jubiläum.

Die Gründungsveranstaltung der DPhG fand vor 125 Jahren in Berlin statt. Initiiert wurde sie vom Apotheker Hermann Thoms, der sich über eine ansehnliche Resonanz auf seine Einladung freuen konnte. »In den folgenden fünf Jahren musste die wissenschaftliche Gesellschaft der Apothekerschaft allerdings noch ohne den heutigen Namen auskommen«, informierte Pharmaziehistoriker Professor Dr. Axel Helmstädter auf der Jubiläumsfeier. Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft hieß sie erst seit 1895.

Immer am Puls der Zeit

 

Wie Helmstädter berichtete, bekam die DPhG deutlichen Gegenwind vom Deutschen Apothekerverband, der eine Aufsplitterung der Apothekerschaft fürchtete. Anfangs war die DPhG eine reine Männergesellschaft; erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Frauen zugelassen. In den folgenden Jahren gründeten sich laut Helmstädter zahlreiche regionale DPhG-Gruppen, später kamen Fachgruppen hinzu. Ein weiteres wichtiges Datum ist der Zusammenschluss der DPhG mit der Ostdeutschen Scheelegesellschaft, die bis heute ihren Namen weiterführt, aber faktisch eine Regionalgruppe der DPhG ist. Die Tatsache, dass die DPhG ihr Jubiläum mit fast 100 Gästen in Berlin feiern konnte, belegt ihre Bedeutung für die Apotheker und die pharmazeutischen Wissenschaftler.

 

»125 Jahre DPhG bedeuten 125 Jahre pharmazeutische Wissenschaft«, konstatierte DPhG-Präsident Professor Dr. Dieter Steinhilber in seiner Begrüßungsrede. Die DPhG sei immer mit der Zeit gegangen und habe den wissenschaftlichen Wandel stets begleitet. Deshalb sei es selbstverständlich, dass heute Disziplinen wie die Gentechnik eine wesentliche Rolle haben. Die Pharmazie sei eine umfassende Wissenschaft, sagte Steinhilber. Sie müsse alle Facetten der Arzneimittelforschung unter ihrem Dach versammeln. »Pharmazie light« dürfe es jetzt und in Zukunft nicht geben.

 

Dabei ist die DPhG beileibe keine Elfenbeinturm-Gesellschaft. Mehr als die Hälfte der Mitglieder sind Leiter oder Mitarbeiter in einer öffentlichen Apotheke. In einem Grußwort griff ABDA-Präsident Friedemann Schmidt die Rolle der DPhG als wissenschaftliche Institution für alle Pharmazeuten und Apotheker auf. Er bedankte sich für das Engagement in der Fortbildung der Apotheker zusammen mit den Apothekerkammern.

 

Eine wichtige Rolle habe die DPhG auch bei der Apotheker-Ausbildung, sagte Schmidt. Deshalb sei sie bei der Umsetzung des Medikationsmanagement ein wichtiger Partner der ABDA. Steinhilber und sein designierter Nachfolger Professor Dr. Stefan Laufer sehen dies ähnlich. Es gebe keinen Zweifel daran, dass beim Medikationsmanagement die Apotheker in der ersten Reihe stünden. Für Steinhilber ist es essenziell, dass die DPhG auf wissenschaftliche Exzellenz setzt. Die Pharmazie müsse sich auch im Wettbewerb mit anderen Naturwissenschaften durchsetzen können.

 

Staatsexamen statt Master

 

Auch Laufer will die Pharmazie im Wettbewerb der Naturwissenschaften voranbringen. Die Pharmazeuten müssten in der Forschung noch präsenter sein, sagte er. Das Renommee einer Universität hänge ab vom Erfolg in Wissenschaft und Lehre. Die Pharmazie habe nur dann eine gute Position an einer Hochschule, wenn sie mit ihrer Forschung dazu beitragen kann. Die Pharmazeuten müssten deshalb ihre Zukunft selbst erschaffen. Als Arzneimittelexperten seien sie von keiner anderen wissenschaftlichen Disziplin zu ersetzen, sagte Laufer. Die molekulare Grundlage für die Wirkung von Arzneimitteln kenne nur der Pharmazeut.

 

Nicht zuständig seien die Universitäten für das Erlernen von Berufsfertigkeiten, beispielsweise Kommunikationstechniken für Beratungsgespräche. Wenn diese Teil der Apothekerausbildung sein sollten, komme dafür nur der dritte Ausbildungsabschnitt infrage, sagte Laufer. Einig war er sich mit Steinhilber, dass das Pharmazie­studium ein Staatsexamensstudium bleiben muss. Mit Bachelor und Master sei die Ausbildung nicht kompatibel. /

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