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Metformin

Kein Herzschutz bei Menschen ohne Diabetes

12.11.2013
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Von Ulrike Viegener / Metformin ist nicht in der Lage, Statin-behandelte Patienten ohne Diabetes vor kardiovaskulären Ereignissen zu schützen. Das ist das ernüchternde Ergebnis einer aktuellen Studie. Das letzte Wort ist aber noch nicht gesprochen.

 

Metformin hatte in den 1990er-Jahren in der United Kingdom Prospective Diabetes Studie (UKPDS) bei Typ-2-Diabetikern zu einer überzeugenden Reduktion des Herzinfarktrisikos geführt. Das orale Antidiabetikum senkte das Risiko um etwa 40 Prozent. Zudem gibt es Hinweise, dass dieser Effekt nicht allein durch Senkung des Blutzuckers zustande kommt. So senkt Metformin außerdem das Serumcholesterol und hat einen positiven Einfluss auf Entzündungsmarker und Blutgerinnungsparameter. Weiterhin ist für Metformin ein präventiver Effekt im Hinblick auf Typ-2-Diabetes nachgewiesen.

Vor diesem Hintergrund führte ein Forscherteam um Dr. David Preiss von der Universität Glasgow eine placebokontrollierte Doppelblindstudie an Nicht-Diabetikern mit koronarer Herzkrankheit und bauchbetontem Übergewicht durch. Die Ergebnisse veröffentlichten die schottischen Forscher im Fachmagazin »The Lancet Diabetes & Endocrinology« (doi: 10.1016/S2213-8587(13)70152-9). In die CAMERA-Studie wurden insgesamt 356 mit einem Statin behandelte Patienten in einem mittleren Alter von 63 Jahren eingeschlossen. Die Patienten erhielten 18 Monate lang randomisiert entweder Metformin (850 mg zweimal täglich) oder Placebo.

 

Als Atherosklerose-Surrogatparame­ter wurden Veränderungen der Intima-Media-Dicke in den Carotis-Arterien herangezogen. In beiden Gruppen war am Studienende ohne signifikanten Unterschied eine Zunahme der Wanddicke zu verzeichnen. Auch hinsichtlich der sekundären Studienendpunkte zeigte Metformin keine signifikanten Effekte. Das galt für den mittleren Plaque Score ebenso wie für das Serumcholesterol und das C-reaktive Protein als Entzündungsmarker.

 

Signifikant günstige Effekte von Metformin wurden dagegen hinsichtlich aller Adipositas-Parameter wie Body-Mass-Index und Taillenumfang beobachtet. Außerdem lagen unter Metformin die Werte von HBA1c und Insulin niedriger als unter Placebo, was im Hinblick auf das Typ-2-Diabetes-Risiko von Vorteil ist.

 

Wie Studienautor Preiss in einer Pressemitteilung erklärt, sind bereits weitere großangelegte Studien auf dem Weg, die den Einfluss von Metformin auf das kardiovaskuläre Risiko von Nicht-Diabetikern überprüfen sollen. Die eigene Studie schließe solche Effekte nicht aus, da die Ergebnisse streng genommen nur für die Situation einer gleichzeitigen Statin-Therapie gälten. In dieser Konstellation allerdings sei ein Zusatznutzen von Metformin nicht zu erwarten. /

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