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COPD

Bronchodilatation statt Cortison

12.11.2013
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Von Elke Wolf, Mainz / Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) erhalten häufig inhalative Corticosteroide, obwohl diese nur in wenigen Fällen indiziert sind. Besser geeignet ist die Therapie mit Bronchodilatatoren. Seit Mitte November steht dafür eine neue Fixkombination zur Verfügung.

Es scheint, als sei in der Pharmaindustrie ein regelrechter Wettstreit um die Kombination aus langwirksamen β2-Ago­nisten (LABA) und langwirksamen Muskarinrezeptor-Antagonisten (LAMA) entbrannt. Dieses Wirkprinzip könnte zu einer festen Säule im Therapieregime von COPD-Patienten werden und zusätzlich den Corticoid-Einsatz vermeiden helfen. Novartis bringt nun eine solche Fixkombination auf den Markt.

 

Ultibro® Breezhaler® enthält den LABA Indacaterol, Wirkstoff von Onbrez®, sowie das aus Seebri® bekannte Anticholinergikum Glycopyrroniumbromid. »Mit der dualen Bronchodilatation erreichen wir bei COPD-Patienten eine Verbesserung der Lungenfunktion in einem Ausmaß, das wir vor zehn Jahren nicht für möglich gehalten haben«, sagte Professor Dr. Roland Buhl von der Universität Mainz bei der Einführungspressekonferenz der Firma Novartis. »Durch die beiden sich ergänzenden Wirkmechanismen sind FEV1-Verbesserungen von 200 ml möglich.«

Beide in der neuen Fixkombination enthaltenen Arzneistoffe erweitern die Bronchien über komplementäre Signalwege: So bewirkt Indacaterol eine direkte Relaxation der Atemwege, indem es die β2-Rezeptoren auf den glatten Muskelzellen in den Bronchiolen aktiviert. Dadurch bildet sich vermehrt zyklisches Adenosinmonophosphat, das bronchodilatatorisch wirkt. Glycopyrronium blockiert dagegen die Muskarin­rezeptoren und inhibiert so die bronchokonstriktorischen Effekte von Acetylcholin. Die einmal tägliche Anwendung der Fixkombination erzielt eine stärkere Bronchodilatation als die Einzelsubstanzen.

 

Antiobstruktion das A und O

 

»Heute ist die Antiobstruktion das Maß aller Dinge in der COPD-Therapie«, sagte Buhl. So werden laut aktueller Therapieleitlinie der Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD) aus dem Jahr 2013 langwirksame Bronchodilatatoren in allen COPD-Stadien empfohlen. Kombinationen verschiedener Bronchodilatatoren sieht die Leitlinie für die Schweregrade II, III und IV vor, also in allen Stadien bis auf sehr milde Erkrankungsformen.

 

In der Praxis erhielten die Patienten nach den Ausführungen Buhls dennoch häufig Kombinationen von inhalativen Corticosteroiden und langwirksamen β2-Agonisten, obwohl Erstere nach den aktuellen Empfehlungen nur selten indiziert sind. »Die COPD-Therapie ist zur inhalativen Steroidtherapie verkommen, obwohl dazu keine Daten vorliegen.« Steroide sind nach den GOLD-Empfehlungen nur bei Risikopatienten indiziert, die trotz optimaler Bronchodilatation regelmäßig Exazerbationen erfahren.

 

Buhl wies außerdem darauf hin, dass Corticoide lokale Nebenwirkungen im Mund-Rachen-Raum wie Heiserkeit induzieren können. Zudem gebe es Hinweise, dass sie das Risiko für Atemwegsinfektionen steigern, die ihrerseits einen Trigger für Exazerbationen darstellen. Effekte auf die Prophylaxe von Exazerbationen seien begrenzt.

 

Klinisch erprobt wurde die neue Fixkombination in elf Studien mit mehr als 10 000 Probanden in 52 Ländern und mit unterschiedlichen, klinisch und für die Patienten relevanten Endpunkten. Dabei wurde sie gegen die Monotherapie mit verschiedenen LAMA und LABA sowie gegen die Kombination von LABA und inhalativen Steroiden getestet. »In jedem Fall zeigte sich der duale Broncho­dilatator als überlegen«, informierte Professor Dr. Tobias Welte von der Medizinischen Hochschule Hannover.

 

Die nachhaltige Abnahme der Überblähung verbessert die Lungenfunktion signifikant und vermindert die Symptomatik, etwa die Atemnot. Die Exazerbationsrate geht zurück. Vor allem aber profitiert der Patient von einer höheren körperlichen Belastbarkeit und schafft damit die Voraussetzung für ein weiteres wesentliches Ziel der Therapie: Die Steigerung der körperlichen Aktivität. Buhl empfiehlt die Fixkombination denjenigen Patienten, die sich unter einer Monotherapie nicht ausreichend behandelt fühlen und weiter Beschwerden haben. /

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