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Noweda ruft zum Protest auf

15.11.2011
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Von Daniela Biermann und Uta Grossmann / Von dem Streit um Skontokürzungen des Pharmakonzerns Novartis ist auch der Großhändler Noweda betroffen. Er fordert die Apotheker auf, gegen das Verhalten des Schweizer Herstellers zu protestieren.

Der Pharmagroßhändler Gehe droht Novartis mit einer Klage. Seit dem 15. Oktober beliefert Novartis den deutschen Pharmahändler nicht mehr mit dem verschreibungspflichtigen Sortiment. Gehe sieht darin eine kartellrechtlich relevante Diskriminierung und seinen Versorgungsauftrag gefährdet. Der Hintergrund des Streits liegt in den Konditionsverhandlungen.

 

Drastische Skontokürzung

 

Diese finden turnusmäßig statt. Diesmal hat Novartis die Daumenschrauben aber wohl zu eng angelegt. Laut Informationen der »Financial Times Deutschland« will Novartis den Skonto für schnelle Zahlungen von 1,5 auf 0,55 Prozent kürzen. Ein Gehe-Sprecher sprach gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung von einer »Qualität, die wir bis jetzt so noch nicht hatten«. Gehe stehe weiter mit Novartis in Verhandlungen, bereite jedoch rechtliche Schritte vor. Seine Kunden habe Gehe bereits zum Großteil über den Lieferengpass informiert.

Einen Lösungsvorschlag, wie betroffene Apotheken einstweilen an entsprechende Produkte kommen, macht der Großhandel nicht. Faktisch bleibt den Apotheken wohl keine andere Möglichkeit, als bei anderen Großhändlern oder direkt zu bestellen. Novartis weist indes den Schwarzen Peter von sich. »Selbstverständlich beliefern wir den vollversorgenden Großhandel und damit auch Gehe weiter gemäß unserer gültigen Zahlungsbedingungen und kommen damit unserer gesetzlichen Verpflichtung nach«, heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens. Mit »gültig« meint Novartis aber wohl seine neuen, selbst gesetzten Lieferkonditionen. Die alten Skontoregelungen bezeichnet das Unternehmen als »nicht mehr zeit- und marktgemäß«. Andere Großhändler hätten sich angepasst und würden demnach auch beliefert.

 

Apotheker geben Kontra

 

Der genossenschaftliche Großhandel Noweda aus Essen steht mit Novartis ebenfalls in harten Verhandlungen um eine zukünftige Skontoregelung, bestätigte eine Noweda-Sprecherin der Pharmazeutischen Zeitung. Bis jetzt habe man sich noch nicht geeinigt.

 

Der Streit solle nicht auf dem Rücken der Apotheker ausgetragen werden: Noweda habe deshalb für den Verhandlungszeitraum die Belieferung sichergestellt. Der Großhändler ruft die Apotheker zum Protest auf und hat ein entsprechendes Schreiben verschickt. Weit über tausend Apotheker haben es nach Angaben der Sprecherin bereits an Novartis gesendet. In ihrem eigenen Interesse – denn sie werden die Leidtragenden sein, wenn Novartis bei seinen Kürzungsabsichten bleibt. /

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