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Examensfeier Uni Mainz

Endlich geschafft

03.11.2014  16:41 Uhr

Von Mathias Schneider, Mainz / Am 16. Oktober ging für 25 Pharmaziestudenten der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz der universitäre Teil des Studiums zu Ende. An der Examensfeier im Max-Planck Institut nahmen die Absolventen ihre Zeugnisse nach Bestehen des Zweiten Staatsexamens entgegen. Nun beginnt der Praxisteil der Ausbildung.

Zu Beginn begrüßte Professor Dr. Thomas Efferth vom Institut für Pharmazie die Absolventen und ihre Angehörigen, beglückwünschte sie zu ihren Leistungen und wünschte ihnen alles Gute für ihren Einstieg ins Berufsleben. Die nun ehemaligen Studenten seien dazu aufgerufen, jederzeit an die Universität zurückzukehren. Efferth hob den Begriff der Solidarität als wichtigen Aspekt hervor und ermunterte auch die ehemaligen Studenten, sich solidarisch zu verhalten. Solidarität, welche bereits im römischen Recht verankert war, definierte er als Verbundenheit zur Erzielung auch nicht-monetärer, ideeller Dinge.

 

Gute Berufsaussichten

 

Pharmazierat Peter Stahl, Vizepräsident der Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz, zitierte einen jungen Medizinstudenten von der Medizinischen Fakultät Graz. Dieser sagte, dass für ihn der weiße Kittel das Sinnbild der Gleichheit sei. Stahl erläuterte in diesem Sinn, man könne dies ebenso auf den Apothekerberuf ummünzen, denn sowohl Ärzte und Apotheker sind im Ziel einer gleichmäßigen Patientenversorgung vereint. Am Schluss seiner Rede beglückwünschte Stahl die Absolventen auch im Namen der Apothekerkammer.

»Endlich geschafft« so begann Cécile Lepper-Hasche, Leiterin des Landesprüfungsamtes für Studierende der Medizin und Pharmazie in Rheinland-Pfalz, ihre Rede und gratulierte den Pharmazeuten zur Beendigung eines anspruchsvollen Studiums, worauf sie mit Recht stolz sein könnten. Lepper-Hasche hob die Vielseitigkeit des Apothekerberufs und die guten Berufsaussichten hervor. Durch den demografischen Wandel nehme der Bedarf an Apothekern in den kommenden Jahren zu. Doch auch in anderen Bereichen als der öffentlichen Apotheke kann der Pharmazeut tätig werden. Die Absolventen sollten deshalb die Möglichkeiten des sich nun ans Studium anschließenden Praktischen Jahres nutzen, um unterschiedliche Tätigkeitsfelder kennenzulernen.

 

Der Geschäftsführer der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG), Dr. Michael Stein, sprach den Studenten wie seine Vorredner Glückwünsche aus und machte sie darauf aufmerksam, dass sie durch ihr Studium sowohl sehr detailverliebt arbeiten können als auch interdisziplinär geschult sind, was ihnen später zugutekommen werde. Zuletzt ermunterte er die jungen Pharmazeuten dazu, an Fortbildungen teilzunehmen, um ihr Wissen aktuell zu halten. Gerade der Standort Mainz biete ein vielfältiges Angebot für die DPhG-Vortragsreihe.

 

Faszinosum Doping

 

Professor Dr. Perikles Simon vom Institut für Sportwissenschaft der Universität Mainz begrüßte die Anwesenden und gratulierte den Absolventen. Anhand der »letzten Vorlesung« könnten sich die Angehörigen ein Bild des Studentenalltags machen. Simon leitete seinen Vortrag »Faszinosum Doping: Raubbau oder Wundertüte?« mit einer Definition für Doping ein. Diese sei schwierig festzulegen, weshalb die Weltdopingagentur einen pragmatischen Ansatz wählt und Dopingsubstanzen auflistet. Zurzeit sei der Begriff des Dopings nicht nur auf den Bereich Sport beschränkt, sondern weitet sich auch auf andere aus. So greifen zum Beispiel immer mehr Studenten zum sogenannten Hirndoping, also zu Substanzen, welche ihnen das Lernen erleichtern. Man gehe aktuell von einem Anteil von bis zu einem Fünftel »Hirndopingsünder« innerhalb der Mainzer Studentenschaft aus.

 

Die Darstellung von Doping in der Öffentlichkeit variiert, so Simon, von der Charakterisierung als Krankheit hin zur Beschreibung von Doping als Epidemie. Als Bestätigung der zweiten Annahme sieht Simon die Entwicklung sportlicher Rekorde in den vergangenen Jahren. Während Ereignisse wie die Einführung von Erythropoetin zu massiven Steigerungen der Bestleistungen führten, leiteten die Einführungen von schärferen Kontrollen eine Phase der Stagnation ein. Auch die Einführung von IGF-1 korreliert mit der Entwicklung von Läuferrekorden. Auch wenn die analytischen Methoden zur Aufklärung von Doping, zum Beispiel die Massenspektroskopie, immer besser würden, stehe man gerade im Bereich von Peptidhormonen, körpereigenen Substanzen und Blutproben vor erheblichen Problemen beim Nachweis. Dennoch betonte Simon, dass es ein medial ausgemachtes Märchen sei, dass die Wissenschaft den aktuellsten Dopingmitteln immer hinterherhinkt. Ein viel wichtigerer Punkt sei hierbei das Ungleichgewicht der wirtschaftlichen Möglichkeiten zwischen dem Elite-Sport und der Ausgaben für die wissenschaftliche Arbeit, zum Beispiel an den Universitäten.

 

Eine Erschwerung des Problems ergibt sich für die neuere Variante des Gendopings. Hierbei werden für spezielle Proteine kodierende Gene mit einem viralen Vektor in den Wirtsorganismus eingefügt. Der Wirtsorganismus kann in der Folge durch die Gabe von bestimmten Substanzen zur Produktion eben dieser Proteine angeregt werden. So waren mit dem IGF-1-Gen behandelte Mäuse in der Lage, nahezu erschöpfungsfrei in einem Wasserbecken zu schwimmen. Auf die Frage hin, ob auch Athleten zu Gendoping greifen würden, erläuterte Simon, dass sich der ehemalige Leichtathletiktrainer Thomas Springstein frühzeitig nach einer entsprechenden EPO-Variante erkundigt hatte. Eine Möglichkeit zum Nachweis von Gendoping bilden die noch lange im Blut zirkulierenden DNA-Fragmente.

 

Im Anschluss an die Grußworte erhielten die Absolventen ihre Zeugnisse und Dominic Jakob bedankte sich im Namen aller ehemaligen Studierenden bei den Professoren und Mitarbeitern des Instituts. /

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