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Kaapke

BMG rechnet mit zweifelhaften Zahlen

09.11.2010
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Von Daniel Rücker / Das Bundesgesundheits­ministerium (BMG) stellte seine Berechnungen zu den Betriebskennzahlen der öffentlichen Apotheken womöglich auf einer ungeeigneten Datenbasis an. Dies vermutet zumindest Professor Dr. Andreas Kaapke von der Dualen Hochschule in Stuttgart.

»In Beiträgen und Gesprächen habe ich festgestellt, dass viele Koalitionspolitiker von einem durchschnittlichen Apothekenbetriebsergebnis von 160 000 Euro ausgehen«, sagt Kaapke, »dieser Wert ist aber viel zu hoch«. Tatsächlich bleibe dem Besitzer einer typischen Apotheke ein deutlich geringerer Betrag von nur 73 000 Euro. »Angesichts dieser Differenz muss man sich fragen, ob die Zahlen des BMG tatsächlich repräsentativ sind oder ob sie auf einer statistisch nicht korrekten Stichprobe basieren«, sagte der Ökonom der Pharmazeutischen Zeitung. Kaapkes Zweifel an den Zahlen des BMG nähren auch die stark von den ursprünglichen Vorgaben abweichenden Berechnungen zur Höhe der Einsparungen im Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG).

 

Eigentlich wollte die Bundesregierung 400 Millionen Euro bei Apothekern und Großhandel einsparen. Der erste Gesetzesentwurf aus dem Ministerium hätte die Branche jedoch mit 630 Millionen Euro belastet. Und auch die Regelung, die in diesen Tagen im Bundestag zur finalen Abstimmung steht, brächte der Gesetzlichen Krankenversicherung mit 500 Millionen Euro mehr als geplant, sagt Kaapke. Er fordert deshalb die Bundesregierung dazu auf, ihre Berechnungen nicht nur offenzulegen, sondern auch auf der Basis einer tatsächlich repräsentativen Stichprobe zu überprüfen. / 

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