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Nacht- und Notdienstfonds

Positive Bilanz nach fünf Jahren

01.08.2018
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Von Jennifer Evans und Stephanie Schersch / Seit seiner Gründung am 1. August 2013 sind mit dem Nacht- und Notdienstfonds des Deutschen Apothekerverbands (DAV) 2,05 Millionen Nacht- und Notdienste mit insgesamt 565 Millionen Euro finanziell bezuschusst worden. DAV-Chef Fritz Becker bewertet den Fonds als richtungsweisend für künftige Vergütungsmodelle.

Fritz Becker zieht nach fünf Jahren eine »ganz klar positive Bilanz«. Der Nacht- und Notdienstfonds (NaNo-Fonds) funktioniere operativ reibungslos, betonte er gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung. 

 

Nach Berechnungen der Geschäftsstelle des NaNo-Fonds hat sich pro geleistetem Volldienst zwischen 20 Uhr abends und 6 Uhr morgens eine durchschnittliche Pauschale von 269 Euro ergeben. Die Finanzierung des Fonds erfolgt über einen Festzuschlag in Höhe von 16 Cent pro Rx-Medikament. Bei 3,5 Milliarden abgegebenen Packungen sind seit 2013 so Gesamteinnahmen von 565 Millionen Euro zusammengekommen. Davon sind laut DAV 554 Millionen Euro direkt an die Apotheken ausgezahlt worden. Das liegt Becker zufolge vor allem an den »extrem niedrigen Verwaltungskosten von nur 1,7 Prozent«. Über den gesamten Zeitraum belaufen sich diese auf 11 Millionen Euro.

 

Der Fonds wird seit dem Apothekennotdienst-Sicherstellungsgesetz 2013 vom Bundesgesundheitsministeriums (BMG) beaufsichtigt und vom DAV verwaltet. Die angeordneten sowie die tatsächlich geleisteten Notdienste bestätigten seitdem die Landesapothekerkammern. Ein mittlerweile zwölfköpfiges Team koordiniert die Umsetzungsprozesse, sagt Rainer Gurski, Geschäftsführer des NaNo-Fonds. Die Apotheker könnten sich da­rauf verlassen, dass ihre Meldedaten sachgerecht verarbeitet, die Finanzmittel ordnungsgemäß verwaltet und die Pauschalen zeitgerecht überwiesen würden.

 

Ursprünglich hatte die Politik für die jährliche Notdienstpauschale eine Summe von 120 Millionen Euro anvisiert, diese Zahl habe »aber nicht so exakt im Gesetz« gestanden, so Becker. Demnach sind 2016 lediglich 116,3 Millionen Euro in den Fonds eingezahlt worden. Das Erreichen der Zielmarke hängt Becker zufolge von der Zahl der abgegebenen Packungen ab, die natürlich jährlich schwanken könne. Die Apotheker fordern dennoch schon seit Jahren, den Zuschlag zu erhöhen. »Schon zwei Cent Aufschlag würden bei den Einnahmen einen erheblichen Hebel bedeuten«, betont der DAV-Vorsitzende.

 

Landapotheke gestärkt

 

Absicht der Notdienstpauschale war es, die flächendeckende Arzneimittel­versorgung insbesondere in dünn besiedelten Regionen zu stärken. Becker ist überzeugt davon, dieses Ziel erreicht zu haben. Schließlich könnten Apotheken in strukturschwachen Gegenden sich die Last der Notdienste nicht teilen. Während eine Offizin in München jährlich nur 14 Notdiente leisten müsse, seien es im ländlichen Rothenburg mehr als 70. Becker: »Da bekommt die Notdienstpauschale mit etwa 20 000 Euro im Jahr schon einen echten betriebswirtschaftlichen Stellenwert.« Den Fonds habe man damals in kürzester Zeit aus dem Nichts auf die Beine gestellt und er sei als »strukturpolitische Maßnahme« von Gesundheitspolitikern unterschiedlichster politischer Couleur akzeptiert und für gut befunden. Selbst die Krankenkassen sähen den Wert dieser Einrichtung«.

 

Der packungsbezogene Festzuschlag bleibe zwar nach wie vor das wirtschaftliche Rückgrat der Apotheken, so der DAV-Chef. Doch da es mit der Nacht- und Notdienstpauschale erstmalig gelungen ist, finanzielle Unterstützung für gesonderte Leistungen der Apotheken zu bekommen, bewertet Becker diese als richtungsweisend für die Zukunft: »Wir wollen zusätzliche Leistungen bundesweit anbieten und abrechnen können.« Die Signale aus dem BMG seien derzeit auch durchaus positiv. /

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