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NRF 2008

Rezepturen und mehr

04.11.2008  14:50 Uhr

NRF 2008

Rezepturen und mehr

Von Antje Lein

 

Das NRF® 2008 ist da. Für die Neuaufnahme wurden in diesem Jahr Rezepturen für sehr unterschiedliche Anwendungsgebiete ausgewählt. Außerdem erhält die Apotheke eine Hilfestellung zur Einwaagekorrektur, und es gibt nun auch die Möglichkeit, sich für das NRF auf CD-ROM zu entscheiden.

 

Mit der Ergänzung 2008 umfasst das NRF 242 Monographien und 23 Stammzubereitungen. Darunter sind vier neue Rezepturen aus den Gebieten Proktologie, Pädiatrie und Zahnmedizin sowie eine Glucocorticoid-Saftrezeptur zur Behandlung von Erkrankungen, die einer systemischen Steroid-Behandlung bedürfen. Im Zusammenhang mit dieser Rezeptur steht auch die Aufnahme einer weiteren Stammzubereitung, eines Methyl-4-hydroxybenzoat-Konzentrates zur Konservierung. Darüber hinaus wurden weitere Arbeitsvorlagen für die Rezepturplanung und Dokumentation ergänzt.

 

Neuaufnahmen

 

Die Sklerosierung von Hämorrhoiden mit Polidocanol hat sich in der Praxis über Jahre bewährt. Neben bis zu 4-prozentigen Fertigarzneimitteln werden häufig auch höher konzentrierte Lösungen angefordert. Die NRF-Vorschrift 5.8. Ethanolhaltige Polidocanol-600-Sklerosierungslösung 10 Prozent (m/V) schließt diese Lücke und beschreibt die sachgemäße Herstellung, die unter anderem eine strikte Füllmengenbegrenzung und die Sterilisation durch Autoklavieren beinhaltet. Die Zubereitung bietet sich auch als Alternative zu Sklerosierungslösungen mit Chinin an.

Neue Rezepturen im NRF 2008

Ethanolhaltige Polidocanol-600-Sklerosierungslösung 10 Prozent (m/V) (NRF 5.8.)

Isotonische Nystatin-Suspension 100000 I. E./g (NRF 21.4.)

Metronidazol-Dentalgel 25 Prozent (NRF 27.6.)

Prednisolon-Saft 0,1 Prozent/0,5 Prozent (m/V) (NRF 34.1.)

Methyl-4-hydroxybenzoat-Konzentrat 15 Prozent (m/V) (NRF S.34.)

 

Regelmäßig sind auch Vorschriften für die Pädiatrie vorgesehen. Hierbei geht es in erster Linie um die spezifische Konzeption der Rezeptur für die Anwendung bei Früh- und Neugeborenen, Säuglingen und Kleinkindern. Diese unterscheidet sich zum Teil erheblich von erhältlichen Fertigarzneimitteln. Für die Prophylaxe und Behandlung von Candidainfektionen wurde die Isotonische Nystatin-Suspension 100.000 I.E./ml (NRF 21.4.) monographiert. Erhältliche Fertigarzneimittel und auch die Nystatin-Suspension NRF 21.3. basieren auf stark hyperosmolaren Trägern und können insbesondere bei Frühgeborenen gastrointestinale Komplikationen verursachen. Da jedoch gerade auf neonatologischen Intensivstationen Candidainfektionen eine häufige Ursache für erhöhte Mortalität sind, bestand hier Bedarf für eine Rezeptur, die den besonderen Erfordernissen bei der Behandlung der jüngsten Patienten gerecht wird.

 

Auch der Prednisolon-Saft 0,1 Prozent/0,5 Prozent (m/V) (NRF 34.1.) ergänzt die pädiatrische Arzneimitteltherapie. Saftrezepturen können individuell und flexibel nach Volumen dosiert werden, sodass die für Glucocorticoide typische ausschleichende Behandlung in der Regel mit nur einer Konzentrationsstufe durchgeführt werden kann. Die Rezeptur wurde nach einer Vorschrift des Formulariums der niederländischen Apotheker (FNA) monographiert. Anstelle des konservierten Wassers verwendet man im FNA zur mikrobiologischen Stabilisierung eine Methyl-4-hydroxybenzoat-Stammlösung. Diese wurde in Verbindung mit dem Prednisolon-Saft als Stammzubereitung S.34. in das NRF aufgenommen.

 

Häufige Nachfragen aus der zahnärztlichen Praxis zu einem hoch konzentrierten Metronidazol-Gel zur Behandlung von Parodontitiden waren Anlass für die Erarbeitung einer entsprechenden Rezepturformel. Die Vorschrift Metronidazol-Dentalgel 25 Prozent (NRF 27.6.) ist die erste im NRF, die auf einem Poloxamergel basiert. Solche Gele haben die besondere Eigenschaft einer Verflüssigung bei niedriger Temperatur. Diese wird hier für die Abfüllung genutzt. Das fertige Gel wird für etwa eine Stunde in den Kühlschrank gestellt und dadurch fließfähig. So lässt es sich leicht in die zur Abgabe vorgesehenen Einmalspritzen aufziehen. Bei Raumtemperatur erhält es dann seine Gelkonsistenz wieder.

 

Einwaagekorrektur

 

Bereits im vergangenen Jahr wurde in die »Allgemeinen Hinweise I.2.« ein Kapitel zur Einwaagekorrektur aufgenommen. Die Berechnung richtet sich nach der Art der Rezeptursubstanz, der Arzneibuchspezifikation und der Bezugsgröße in der Verordnung. Hieraus resultieren mehrere Formeln zur Berechnung, denen die Rezeptursubstanzen zugeordnet werden müssen. Um dies zu vereinfachen, wurden Excel-Datenblätter erstellt, mit deren Hilfe die richtige Formel schnell ermittelt und die Berechnung einfach ausgeführt werden kann. Im Loseblattwerk wurden die Datenblätter auf der CD-ROM mit Dokumentationsvorlagen ergänzt, auf der NRF-CD kann die Funktion separat aufgerufen werden.

 

Ein besonders markantes Beispiel dafür, dass Einwaagekorrekturen in einigen Fällen zwingend erforderlich sind, ist die NRF-Rezeptur 27.4., eine Natriumhypochlorit-Lösung für die Zahnheilkunde, die für die Ergänzung 2008 um die Konzentrationsstufen 2 und 3 Prozent erweitert wurde. Die Konzentrationsangaben anwendungsfertiger Lösungen beziehen sich in der Regel auf den Gehalt an Natriumhypochlorit als NaOCl, während bei Lösungen, die als Ausgangsstoffe verwendet werden, der Gehalt an aktivem Chlor deklariert ist. Insbesondere höher konzentrierte Ausgangslösungen sind sehr instabil, sodass schon frühzeitig mit einer deutlichen Gehaltsminderung gegenüber der Angabe im Prüfzertifikat zu rechnen ist. Der tatsächliche Gehalt an aktivem Chlor muss in der Apotheke durch Titration bestimmt werden. Im Datenblatt zur Einwaagekorrektur wird dann sowohl dieser als auch der Bezug auf Natriumhypochlorit in der gebrauchsfertigen Lösung berücksichtigt.

 

CD-ROM

 

Der Demoversion des DAC auf CD-ROM folgt nun mit der NRF-Ergänzung 2008 die Vollversion, die beide Werke beinhaltet. Vorteile der CD sind vor allem die einfache Stichwortsuche, die gezielte Anwahl von Textpassagen, die leichte Auffindbarkeit von NRF-Rezepturen zu einer bestimmten Darreichungsform oder einem Wirkstoff und die bei der elektronischen Version hinfällige Einsortierung von Lieferungen. Mit der Erstausgabe sind die Gestaltung und Entwicklung der CD keinesfalls abgeschlossen. Anregungen und Änderungswünsche sind deshalb herzlich willkommen. E-Mail: service(at)dac-nrf.de.

 

Kontakt:

Antje Lein

Neues Rezeptur-Formularium

Carl-Mannich-Straße 20

65760 Eschborn

nrf(at)govi.de

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