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Ein Gen, mehrere Optionen

04.11.2008  14:16 Uhr

Ein Gen, mehrere Optionen

Von Christina Hohmann

 

Etwa 94 Prozent der Gene im menschlichen Erbgut liefern mehr als ein Genprodukt. Dies ergaben Expressionsstudien von zwei Wissenschaftlerteams.

 

Die Teams um Eric Wang und Christopher Burge vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) und um Benjamin Blencowe von der University of Toronto, Kanada, untersuchten die Genexpression in 15 verschiedenen menschlichen Gewebearten beziehungsweise Zelllinien, indem sie die mRNA zurück in DNA übersetzten und dann sequenzierten. Dabei stellten sie fest, dass das sogenannte alternative Spleißen deutlich verbreiteter ist als bislang angenommen. Darunter versteht man, dass nach dem Ablesen eines Gens (Transkription) einige Bereiche der unreifen prä-mRNA herausgeschnitten werden, sodass verschiedene reife mRNA-Moleküle entstehen können. Ein Gen kann somit für mehrere Proteine codieren. Während früher davon ausgegangen wurde, dass zwischen 10 und 50 Prozent der Gentranskripte alternativ gespleißt werden, sind es der Analyse zufolge 94 Prozent, berichten die Forscher in zwei Publikationen im Fachjournal »Nature« (Doi: 10.1038/nature07509) und in »Nature Genetics« (Doi: 10.1038/ng.259). Diese starke Verbreitung des Phänomens könnte auch erklären, warum der Mensch mit einer relativ geringen Zahl an Genen auskommt. Er besitzt nämlich etwa 20.000 und damit in etwa so viele wie der Fadenwurm Caenorhabditis elegans.

 

Ob die verschiedenen Spleißvarianten auch alle eine Funktion erfüllen, ist nicht klar. Die Genetikerin Marie-Laure Yaspo vom Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik in Berlin gibt zu bedenken, dass ein Teil der Spleißprodukte nur eine Art Grundrauschen sein könnte, das durch gelegentliches Fehlspleißen entstehen könnte.

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