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Actavis

»Nur große Player bleiben übrig«

06.11.2007  10:30 Uhr

Actavis

»Nur große Player bleiben übrig«

Von Uta Grossmann

 

Actavis Deutschland gehört zu den Gewinnern der ersten Rabattvertragsrunde: Der Umsatz kletterte im ersten Halbjahr um 21 Prozent auf 35 Millionen Euro. Der neue Geschäftsführer Thomas Heinemann strebt intensivere Beziehungen zu den Apothekern an.

 

Heinemann übernahm die Geschäftsführung der deutschen Tochter des isländischen Generika-Herstellers Actavis zum 1. Juli und damit zu einem Zeitpunkt, als die erste Runde der Rabattverträge mit den Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) Actavis Deutschland auf Platz sieben der größten deutschen Generika-Firmen gebeamt hatte. Das Deutschland-Geschäft wuchs zum zweitstärksten Markt des weltweit fünftgrößten Generika-Produzenten heran.

 

Nun hat das in Langenfeld ansässige Unternehmen zum 1. Oktober die Dreieicher Delta Select samt allen 38 Mitarbeitern übernommen. Delta Select stellt generische injizierbare Arzneimittel wie Lokalanästhetika und Antibiotika her. Das erworbene Produktportfolio und die Infrastruktur unterstützen die Unternehmensstrategie von Actavis, stärker ins Klinikgeschäft einzusteigen. Von 2008 an will Actavis nach Angaben von Thomas Heinemann Arzneimittel zur Behandlung onkologischer Erkrankungen an Kliniken vertreiben und plant darüber hinaus, von Deutschland aus internationale Märkte mit injizierbaren Generika zu beliefern.

 

2008 sollen 20 neue Produkte eingeführt werden. Geschäftsführer Heinemann hat sich vorgenommen, die partnerschaftlichen Beziehungen zu den Apothekern zu intensivieren. Da habe Actavis Optimierungsbedarf. Ein erster Schritt ist die neu geschaffene Möglichkeit, per Datenfernübertragung direkt bei Actavis zu bestellen. Der Arzt- und Apotheken-Außendienst wurde bereits um 40 auf 137 Stellen aufgestockt.

 

Der Bekanntheitsgrad des Firmennamens soll gesteigert werden, denn noch heißen 90 Prozent der Produkte nach den Vorgängerfirmen Isis oder Puren. Seit Mitte 2006 laufen nun die neuen Produkte unter »Actavis«. Das Generika-Unternehmen hat sich auch an der zweiten Ausschreibung für Rabattverträge mit der AOK beteiligt. »Wir sind noch im Rennen«, sagte Heinemann. Allerdings ist Actavis nicht unter den von der AOK am Montag bekanntgegebenen 23 Herstellern, mit denen neue Rabattverträge unter Dach und Fach sind. Actavis gehört zu den Herstellern, deren Bewerbung vom Bundeskartellamt überprüft wird, weil die AOK möglicherweise gegen das Vergaberecht verstoßen hat. Sollte es zu einer Neuausschreibung nach europäischem Recht kommen, hofft Actavis auf eine zweite Chance.

 

Anders als in der ersten Runde bewarben sich für die zweite Ausschreibung auch die großen deutschen Generika-Hersteller Ratiopharm, Hexal und Stada ­ und erhielten von der AOK den Zuschlag. Heinemann sieht hier eine Entwicklung kommen, bei der kleine und mittlere Privatfirmen auf der Strecke bleiben werden. »Mittelfristig sinken die Gewinnspannen noch weiter und es werden weitere Arbeitsplätze verloren gehen«, glaubt Heinemann. Die Preisspirale werde sich weiter abwärts drehen und schließlich blieben nur wenige große Player übrig - nach Überzeugung des Geschäftsführers wird Actavis aufgrund seiner internationalen Stärke dazugehören.

 

Auf die unsichere Situation, wie es mit den Rabattverträgen weitergeht, hat sich Actavis mit einer umfangreichen Bevorratung vorbereitet. »Wir haben hohe Lagerbestände produzieren lassen und sind auf alle Fälle lieferfähig - auch für die neu ausgeschriebenen Wirkstoffe«, sagte Heinemann. Der Betriebswirt arbeitet seit 1993 in der Generikabranche. Bevor er Führungspositionen übernahm, sammelte er Erfahrungen in Vertrieb und Marketing, die ihm heute zugute kommen.

Fakten zur Firma

Actavis Deutschland ist seit Januar 2006 eine Tochter der Actavis-Gruppe mit Sitz im isländischen Reykjavik. Die Firma mit Sitz in Langenfeld wurde 1946 als Isis Chemie gegründet, 1992 von Schwarz Pharma übernommen und 1999 an Alpharma veräußert.

 

Actavis zählt weltweit zu den sechs größten Generika-Produzenten. In Deutschland ist Actavis durch die Teilnahme an der ersten Runde der Rabattverträge auf Platz sieben der größten Hersteller und Vertreiber von Generika vorgedrungen. Actavis hat Rabattverträge mit den Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) und zehn weiteren Kassen geschlossen.

 

Der Umsatz stieg in Deutschland im ersten Halbjahr dieses Jahres um 21 Prozent auf 35 Millionen Euro (Gesamtjahr 2006: 57 Millionen Euro). Weltweit hat Actavis 11.000 Mitarbeiter in 40 Ländern, darunter 240 in Deutschland. Das bekannteste Produkt von Actavis Deutschland ist das Langzeitnitrat Pentalong.

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