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Defekturen

100 Packungen täglich sind kein Problem

01.11.2016
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Von Daniel Rücker / Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat Apothekern, die für ihre Patienten Defekturarzneimittel herstellen, vergangene Woche mit einem Urteil den Rücken gestärkt. Demnach gilt es nicht als industrielle oder gewerbliche Herstellung, wenn ein Apotheker pro Tag höchstens 100 abgabefertige Defekturarzneimittel herstellt.

 

Die EuGH-Richter bestätigten damit die bestehenden Regeln bei der Herstellung von Rezepturen in deutschen Apotheken. Zudem dürften Apotheker diese Produkte im Rahmen des Heilmittelwerbegesetzes bewerben.

Die Luxemburger Richter stellten auch fest, dass die deutsche Regelung zur Defektur nicht per se gegen die EU-Richtlinie 2001/83/EG (Gemeinschaftskodex für Humanarzneimittel) verstößt. Geklagt hatte die Hecht Pharma GmbH, Beklagter war der Besitzer der Bisinger Hohenzollern-Apothek, Winfried Ertelt. Der Bundesgerichtshof hatte im Jahr 2015 den Sachverhalt dem EuGH zur Vorabentscheidung vorgelegt.

 

Die Geschäftsführerin des Landesapothekerverbands Baden-Württemberg, Rechtsanwältin Ina Hofferberth, begrüßte das Urteil: »Die Defektur ist nun als wesentlicher Bestandteil des üblichen Apothekenbetriebs gestärkt worden. Der verhandelte Fall eines baden-württembergischen Apothekers, der Weihrauchkapseln herstellt, hat diese grundsätzliche Entscheidung herbeigeführt. Hätten die Richter anders entschieden, hätte das bedeuten können, dass Defekturen generell unter die Verschreibungspflicht gefallen wären.« Das hätte dann auch für Tees oder ähnliche apothekerliche Produkte gegolten. Zudem hätten Defekturen dann einer Zulassung bedurft. Hofferberth: »Das hätte das Aus für Defekturen in unseren niedergelassenen Apotheken bedeuten können.« /

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